ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2022Schuberts Sprechstunde: „Wir sollten unser Haus offensiver vermarkten – was raten Sie mir?“

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Schuberts Sprechstunde: „Wir sollten unser Haus offensiver vermarkten – was raten Sie mir?“

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Foto: Schubert Management Consultants
Foto: Schubert Management Consultants

Dipl.-Psych. Petra Schubert berät seit vielen Jahren Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft zu Themen rund ums Personalmanagement. An dieser Stelle beantwortet sie die interessantesten Fragen, die Ärztinnen und Ärzte aus der Klinik ihr in Coachings stellen.

Wir sollten unser Haus viel offensiver vermarkten – was raten Sie mir?

„Aus meiner Sicht sollten wir unsere Abteilung und unser Haus viel offensiver vermarkten. Da wir hauptsächlich elektive Fälle behandeln, hatten wir durch Corona viele Ausfälle und merken dies deutlich an den Erlösen. Viele Patienten kamen, auch als es wieder zulässig war, nur zögerlich, da sie Angst hatten und haben, sich im Krankenhaus anzustecken. Zudem gibt es direkt in der Nähe einen großen Wettbewerber, der starkes Marketing betreibt und potenzielle Kunden anzieht. Wir sollten deutlich mehr tun, um Kunden zu gewinnen. Ich hatte das mal bei meinem Chefarzt angesprochen. Der meinte jedoch, das sei nicht nötig und die Geschäftsführung würde das sowieso nicht genehmigen, da dies mit Ausgaben verbunden sei. Als Leitender Oberarzt finde ich es so schade, dass wir uns auf dem Markt so schlecht positionieren – was raten Sie mir?“

Petra Schubert: „Ich kann Ihren Unmut und Ihre Enttäuschung gut verstehen und denke auch, dass gezieltes Marketing etwas ausrichten kann. Ich kann aber auch gut verstehen, dass Ihr Chefarzt gerade aufgrund der Erlössituation an die Kosten einer Marketingkampagne denkt und daher Befürchtungen hat, dies der Geschäftsführung vorzuschlagen.

Vielleicht können Sie seine Befürchtungen etwas zerstreuen und ihm konkretere Inhalte und Nutzenargumente liefern. Beispielsweise könnten Sie, wenn nicht schon geschehen, genauere Marketingideen erläutern. Diese könnten Sie im nächsten Schritt mit einem Oberarztkollegen besprechen, um sich dessen Meinung und eine weitere Perspektive einzuholen. Zudem könnten Sie im Internet recherchieren, was gezieltes Marketing in Krankenhäusern bewirken kann und dazu ein oder zwei Artikel raussuchen. Diese Sammlung könnten Sie Ihrem Chefarzt vorstellen und ihm vorschlagen, ihn bei der Besprechung mit der Geschäftsführung zu begleiten. Viel Erfolg!“

Die Pflege tut mir wirklich leid, aber die Situation behindert auch meine Arbeit – was kann ich tun?

„Unsere Pflegekräfte sind aktuell, gerade mit den zusätzlichen Ausfällen durch COVID-19, arg gebeutelt. Viele Dienste können nicht mehr geplant besetzt werden. Pflegekräfte werden hin und her geschoben, sodass wir Fachärzte gar nicht wissen, mit wem wir kurzfristig zusammenarbeiten und uns auch nicht wirklich darauf einstellen können. Manche Pflegekräfte arbeiten gewissenhafter und schneller als andere, da menschelt es wie überall. Ich selbst habe das Problem, dass ich mich immer neu darauf einstellen muss, wer gerade mein Gegenüber ist und wen ich wie ansprechen oder wem ich etwas zeigen soll. Die Pflege tut mir wirklich leid, aber andererseits behindert die ganze Situation meine Arbeit. Was kann ich tun, um die Situation zu verbessern?“

Petra Schubert: „Die aktuelle Situation gestaltet sich leider in vielen Häusern, gerade in der Pflege, schwierig. Auch das schnelle Einspringen und die häufigen Wechsel der Kolleginnen und Kollegen sind leider momentan oft üblich.

Ich denke, an der direkten Situation und an den Problemen und der Umsetzung der Personalplanung können Sie momentan wenig ändern. Dennoch könnten Sie Ihrem Pendant in der Pflege, zum Beispiel der Pflegedienstleitung oder der Stationsleitung, signalisieren, dass Sie die Schwierigkeiten verstehen und gern helfen wollen. Fragen Sie nach, was Sie tun können, um die Situation zu verbessern. Auch wenn Sie vielleicht nichts Konkretes tun können, so ist allein das Angebot ein positives Signal.

Für Ihren eigenen Arbeitsbereich könnten Sie sich zum Beispiel eine Liste machen und aufschreiben, mit wem von der Pflege Sie zusammenarbeiten, wer aus Ihrer Sicht welche Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten hat und wie Sie mit der- oder demjenigen am besten zusammenarbeiten können.“

In meiner Abteilung lassen die einen die anderen auflaufen – wie führe ich sie zu einem Team?

„Ich habe als Chefarzt eine Abteilung übernommen, die viele erfahrene Kräfte hat und ein eingespieltes Team ist. Ich habe zwei Kollegen mitgebracht, einen Leitenden Oberarzt und eine Oberärztin. Dadurch entstehen jedoch momentan zwei Teams in meiner Abteilung, die schon Dagewesenen und die Neuen, inklusive mir selbst. Teilweise habe ich das Gefühl, dass die schon Dagewesenen die Neuen auflaufen lassen. Natürlich haben sie viel mehr Wissen über das Haus, die Netzwerke, die Vorlieben, Stärken und Schwächen der Beteiligten. Ich habe aber das Gefühl, dass sie dieses Wissen bunkern. Auf Nachfragen meiner Kollegen beispielsweise, an wen sie sich bei spezifischen Fragen wenden sollen oder wie sie am besten auf Kollegen außerhalb der eigenen Abteilung zugehen, kommt oft die Antwort, das wüssten sie auch nicht. Andererseits habe ich das Gefühl, die schon Dagewesenen fühlen sich zurückgesetzt und denken, ich würde die neuen, von mir mitgebrachten Kollegen bevorzugen. Da ich einige neue Behandlungsmethoden und Therapieansätze einführen will, ist es mir wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen. Wie kann ich beide Seiten zu einer guten Zusammenarbeit bewegen und zu einem Team zusammenführen?“

Petra Schubert: „Als Führungskraft ist es schwierig, mit einer solchen Lagerbildung in der eigenen Abteilung umzugehen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, einerseits den schon Dagewesenen zu signalisieren, dass sie Ihnen genauso wichtig und wertvoll sind, wie Ihre mitgebrachten Kollegen. Andererseits ist es notwendig, zu verdeutlichen, wie Sie sich die Zusammenarbeit und den gegenseitigen Umgang miteinander wünschen.

Ich würde an Ihrer Stelle eine Frühbesprechung um eine halbe Stunde verlängern und genau diese Punkte ansprechen, die Ihnen aufgefallen sind. Dieses Ansprechen kommt in der Wunsch-form am besten an, da damit das zukünftige positive Verhalten ausgedrückt wird: Zum Beispiel könnten Sie sagen, Sie wünschen sich eine gute Zusammenarbeit und einen transparenten Informationsfluss zwischen allen. Zudem könnten Sie, um die schon Dagewesenen zu wertschätzen, hervorheben, wie wichtig die Expertise der Kollegen ist.

Um den künftigen Umgang miteinander, aber auch mit den anstehenden Veränderungen gemeinsam zu gestalten, könnten Sie in einer der nachfolgenden Frühbesprechungen gemeinsam diskutieren und erarbeiten, wie die Zusammenarbeit künftig sein soll und was sich alle gegenseitig von den Kollegen wünschen. Zudem könnten Sie bei der Aufgabenverteilung darauf achten, jeweils schon Dagewesenen und Neuen gemeinsame Aufgaben zu geben, sodass diese sich besser kennenlernen.

In einer der nachfolgenden Frühbesprechungen würde ich die anstehenden Änderungen oder Neuerungen ansprechen und vorschlagen, gemeinsam die Vorgehensweise der Einführung festzulegen, damit alle beteiligt werden. Im Sommer würde sich zudem ein Teamerlebnis anbieten, wie ein Radausflug mit anschließendem Grillen, um sich auf einer privateren Ebene kennenzulernen.“

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