ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2000Börsebius zu Aktien: Rettungsleine anlegen

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktien: Rettungsleine anlegen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Während ich gerade diesen Börsebius schreibe, schwitzen Börsenzocker allerorten Blut und Wasser. Der Neue Marktindex Nemax, das hoch gejubelte Segment für Wachstumswerte, fiel in den letzten drei Stunden um fast 10 Prozent. Nach alter Sprachregelung also ein veritabler Börsencrash. Selbst Infineon tauchte soeben unter die Marke von 60 Euro. Blankes Entsetzen bei denen, die Kurse von weit über 100 Euro vorhersagten. Aber auch viele unerfahrene Anleger, die blauäugig meinten, es ginge mit dem Börsenzug immer weiter nach oben, starren verwundert auf die Kurstafeln in den deutschen Börsensälen. Nicht wenige Investoren, die ihre Wertpapierdeals über Kredit finanziert haben, erhielten schon den dezenten Hinweis ihrer Bank, Kapital nachzuschießen, das sie natürlich nicht haben. Zwangsverkäufe drohen also. Dabei haben manche Banker kaum Hemmungen, die Kunden weiterhin auf die Hightech-Linie einzuschwören. In ihrer jüngsten Studie soll die Deutsche Bank für die Neu-emission T-Online einen angemessenen Wert von 50 Euro ermittelt haben. Eine Chuzpe ohnegleichen, falls durch solche gewagten Prognosen die Kunden zum Zeichnen verleitet werden sollen. Fundamental trägt die Telekom-Tochter nie und nimmer eine solche Bewertung. Ich höre auch von mehreren Instituten, die den Infineon-Geschädigten, die bei der Emission nicht berücksichtigt wurden, zum Einstieg in ihre hauseigenenen Technologie- oder Internetfonds raten. Mir liegt im Übrigen auch ein Brief der Kreissparkasse Köln an eine Kundin vom 24. März vor. Mit der Überschrift "Keine Zuteilung bei Infineon Technologies AG! Zum Glück?" wird der völlig überraschten Anlegerin - ungefragt - der Einstieg in den Fonds Deka-Technologie CF/ TF empfohlen. Dies sei auch deswegen so attraktiv, weil man sich dann den "Stress" und so manchen Ärger bei einer Aktien-Neuemission ersparen könne.
Bei allem Verständnis für Cleverness halte ich solche Werbebriefe für durchaus unanständig. Wo die Chancen riesengroß, sind es die Risiken eben auch. Die Kunden haben auch einen Anspruch darauf, darauf hingewiesen zu werden. Wenn dann in solchen Mailings kein Wort darüber verloren und nur noch gejubelt wird, entspricht das einfach nicht dem Verhalten eines ehrbaren Kaufmannes.
Dabei ist an der Börse derzeit alles, was mit Internet, Telekommunikation oder Biotechnologie zu tun hat, hochgradig gefährdet. Das Verlustpotenzial schätze ich mit aktuell 30 bis 40 Prozent derzeit deutlich höher ein als die kurzfristigen Chancen.
Es scheint an der Zeit, sich wieder auf solide Titel der "old economy" zu besinnen. Dazu gehören meines Erachtens RWE, Schering, Degussa-Hüls und Henkel. Diese Aktien eignen sich gut als Rettungsleine in stürmischer See. Börsebius
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