ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Leserbrief: Abzocker-Gurus
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LNSLNSLNSLNS Ein Brief von der "Basis" zu einem ärgerlichen Thema: Immer mehr komme ich zu der Überzeugung, daß die Misere, in der wir Ärzte uns aufgrund des neuen EBM befinden, nicht allein durch ungeliebte KV-Funktionäre hervorgerufen wurde. Einen wesentlichen Teil haben mit Sicherheit auch gewisse Abzocker-Gurus dazu beigetragen, die uns über einen Teil der ärztlichen Presse und in einer speziellen Sorte von Seminaren mit üblen Ratschlägen versorgen, wie man auf möglichst raffinierte Art mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel Geld aus dem EBM herausquetschen kann. In einem medizinischen Wochenblatt wurde uns dieser Tage gar vorgeschlagen, wir sollten uns mit Nachbarskollegen zusammentun, jeweils an einem Tag der Woche die Praxis schließen und uns gegenseitig fleißig vertreten. Das "gibt mehr Fälle fürs Budget" und "So geht’s: Mehr Geld und weniger Arbeit", lautete die Kommentierung. So geht’s nicht weiter. Manchen ist anscheinend immer noch nicht klar, was heute wirklich zu tun ist: l Nicht einzelne raffinierte Schlitzohren dürfen sich mit weniger Arbeit auf Kosten der anderen bereichern, sondern das zur Verfügung stehende Honorar soll auch an die reell und vernünftig abrechnenden Ärzte gerecht verteilt werden. Nicht jeder Arzt hat jene Mentalität und vor allem die Zeit, sich ständig neue Strategien auszudenken, wie man die Klippen des EBM umschiffen kann. Und gerade diese Ärzte, die ihre Energie für Patienten einsetzen, fallen jetzt auf die Nase und dürfen zusehen, wie sich ihr Lebenswerk in Nichts auflöst.
Es muß jetzt einmal ein Ende haben mit diesen Unredlichkeiten. Entweder die Ärzte werden wieder eine Gemeinschaft, die zusammenarbeitet und zusammenhält, oder unser Gesundheitswesen geht zugrunde – und wir geschlossen mit ihm. Dr. med. Hans Gerhard Hammerschmidt, Breitnau
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