ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996FSME-Prophylaxe: Impfbeteiligung ist ungenügend

SPEKTRUM: Akut

FSME-Prophylaxe: Impfbeteiligung ist ungenügend

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die Beteiligung an der FSME-Impfung läßt nach den Erfahrungen der letzten Wochen zu wünschen übrig. Als Ursache vermutet die Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V. die lang anhaltende Kälteperiode im Frühjahr, die Gedanken an Ausflüge und mögliche Zeckenstiche erst gar nicht aufkommen ließ. Hierzulande sind Zecken jedoch nicht nur zwischen Ende Mai und Mitte Juli aktiv, sondern auch im Monat September. Eine Impfung wird daher allen Personen geraten, die in Endemiegebieten leben oder sich dort vorübergehend aufhalten und möglichen Zeckenstichen ausgesetzt sind (Indikationsimpfung). Zur aktiven Immunisierung stehen zwei Impfstoffe mit inaktivierten Viren zur Verfügung, für die passive Immunisierung zwei FSME-Immunglobuline. Frühestmögliche Schutzwirkung besteht etwa 14 Tage nach der zweiten aktiven Immunisierung.

Neurologische Nebenwirkungen werden bei der FSME-Impfung nicht häufiger als bei anderen Impfungen beobachtet. Eine generelle Vakzination aller in Deutschland lebenden Personen ist nicht anzustreben. Laut Statistik entwickeln sich die Fallzahlen der FSME-Infektion regional sehr unterschiedlich: Im Schwarzwald sowie im Ober- und Hochrheingebiet traten 1994 mit 145 Fällen dreimal soviel Erkrankungen auf wie im Jahr zuvor. Etwa 90 Prozent der Betroffenen infizierten sich in der Freizeit. Für Bayern konnte Dr. Nikolaus Frühwein auf einer Pressekonferenz erfreulichere Daten nennen. Dort nämlich verringerte sich die Zahl der Infektionen von 65 Fällen 1982 auf 22 Fälle zehn Jahre später. Frühwein führt dies auf die in Bayern stark propagierte Impfung gegen FSME zurück. Sehr positiv wirkte sich die Massenimpfung gegen FSME auch in Österreich seit 1981 aus. Dort gab es in den Jahren davor jährlich geschätzt 900 bis 1 000 FSME-Fälle.

Wie Prof. Christian Kunz (Wien) ausführte, waren es 1995 nur noch 109 Personen. Verbreitungsgebiete der FSME sind in ganz Europa zu finden. Dazu gehören Gebiete in Skandinavien (Teile der Ostseeküste Südschwedens und Finnlands samt vorgelagerter Inseln), Teile der norwegischen Nordseeküste, Regionen innerhalb der tschechischen und slowakischen Republiken, Ungarns und der Länder des ehemaligen Jugoslawien. Dr. Gerhard Dobler (München) betonte, daß bei Reisenden in diese Gebiete eine FSME-Impfung durchgeführt werden sollte, falls ein Zeckenkontakt möglich erscheint. Ganz besonders gilt dies für die Taigagebiete Asiens, denn dort existiert eine sehr schwer verlaufende Form der FSME, die russische FrühjahrsSommer-Enzephalitis. Dr. med Angelika Bischoff

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