ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2022Active Surveillance: Intermediärrisiko-Prostatakrebs bei Überwachung aggressiver als Niedrigrisiko-Typ

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Active Surveillance: Intermediärrisiko-Prostatakrebs bei Überwachung aggressiver als Niedrigrisiko-Typ

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: Science Photo Library/Gunilla Elam
Foto: Science Photo Library/Gunilla Elam

Anders als Prostatakrebspatienten mit Niedrigrisiko entwickeln jene mit einem Intermediärrisiko mehr Metastasen und sterben früher unter aktiver Überwachung. Dies bekräftigt nun die Analyse der Daten von 9 733 Männern, deren Schicksal 7,6 Jahre nachverfolgt worden ist. Die US-Studiengruppe um Brent S. Rose von der University of California in San Diego wollte wissen, wie sicher eine aktive Überwachung (active surveillance, AS) für Männer mit intermediärem Risikoprofil ist.

Eine AS zielt prinzipiell auf die kurative Therapie. Zur Vermeidung der Nebenwirkungen von OP und Bestrahlung schiebt man diese aber so lange auf, bis der Tumor progredient wird oder der Patient eine Therapie wünscht. Während beim Prostatakarzinom vom Niedrigrisiko-Typ (PSA ≤ 10 ng/ml; Gleason-Score [GS] ≤ 6; T-Stadium ≤ cT2a) Evidenz dafür vorliegt, dass das Risiko von Progression und Metastasierung sehr niedrig ist, ist die Datenlage beim Prostatakarzinom vom Intermediär-Typ nicht so eindeutig – und weniger klar, ob nicht doch frühzeitiger therapiert werden sollte. Beim Intermediärrisiko (PSA > 10 ng/ml bis 20 ng/ml oder GS 7 oder cT-Kategorie 2 b) unterschied die Studie noch in „günstig“ (nur 1 Intermediärrisikofaktor, GS ≤ 6 oder 3 + 4 = 7) und „ungünstig“ (mindestens 2 Risikofaktoren, und/oder GS 4 + 3 = 7).

Verglichen mit dem Niedrigrisiko-Krebs (1,5 %; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,2–1,9 %) war die kumulative 10-Jahres-Inzidenz von Metastasen beim Intermediärrisiko signifikant höher – wenig überraschend für den ungünstigen Typ (19,2 %; 95-%-KI 13,4–25,9 %), aber auch deutlich für den günstigen (9,6 %; 95-%-KI 7,1–12,5 %). Dies galt auch für die Prostata-spezifische Mortalität, die bei Niedrigrisiko 1,1 % betrug (95-%-KI 0,8–1,4 %) beim ungünstigen Intermediärrisiko bei 11,8 % (95-%-KI 6,8–18,4 %), und beim günstigen immerhin noch bei 3,7 % (95-%-KI 2,3–5,7 %) lag.

Fazit: Dies zeige, so die Autoren, dass die Risiken der AS bei einem Intermediärrisiko-Tumor doch höher seien, als die bisherige – unbefriedigende – Datenlage erwarten ließ. Dies galt selbst für „günstige“ Risikokonstellationen. Die Auswahl der Patienten für eine AS sollte daher äußerst sorgfältig erfolgen.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Courtney PT, et al.: Metastasis and Mortality in Men With Low- and Intermediate-Risk Prostate Cancer on Active Surveillance. J Natl Compr Canc Netw. 2022; 20 (2): 151–9.

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