ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2022Dreifachkombination bei COPD: Daten aus dem klinischen Alltag – Verzicht auf ICS kann sich lohnen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Dreifachkombination bei COPD: Daten aus dem klinischen Alltag – Verzicht auf ICS kann sich lohnen

Schulze, Anne-Kristin

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Foto: mauritius images/Image Source
Foto: mauritius images/Image Source

Die Kombination aus einem langwirksamen β2-Agonisten (LABA) und einem langwirksamen Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) und inhalativem Kortikosteroid (ICS) sollte laut den Leitlinien Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) und Exazerbationen trotz Therapie mit einer Zweifachkombination vorbehalten bleiben. In der Praxis erhalten jedoch viele Patienten diese Kombination, ohne dass eine Indikation dafür vorliegt. Bei ihnen könnte es sinnvoll sein, auf das ICS zu verzichten.

Dieser Frage ging nun ein Autorenteam aus Deutschland in der nichtinterventionellen DACCORD-Studie nach. Die vorliegende Arbeit fokussierte auf COPD-Patienten, die die Dreifachkombination über mindestens 6 Monate erhalten hatten. Die behandelnden Ärzte entschieden, ob diese Therapie fortgesetzt oder auf eine LABA/LAMA-Kombination umgestellt werden sollte. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur COPD-Verschlechterung, definiert als Auftreten einer moderaten/schweren Exazerbation oder als klinisch relevante Verschlechterung des COPD-Assessment-Tests (CAT).

Eine LABA/LAMA- beziehungsweise eine Dreifachkombination erhielten 292 und 675 Patienten. Nach 12 Monaten wiesen in der LABA/LAMA-Gruppe weniger Patienten eine COPD-Verschlechterung auf als in der LABA/LAMA/ICS-Gruppe: 32,5 versus 55,7 %. Zudem war die mediane Zeit bis zur COPD-Verschlechterung unter der LABA/LAMA-Kombination signifikant länger (Hazard Ratio 2,004, p < 0,001). Während die mediane Zeit in diesem Arm nicht ermittelt werden konnte, da weniger als 50 % der Patienten eine COPD-Verschlechterung hatten, betrug sie unter der Dreifachkombination 11,93 Monate.

Fazit: Demnach sind Ärzte in der Lage, im klinischen Alltag die Patienten zu identifizieren, die von einer Dreifach- auf eine LABA/LAMA-Kombination umgestellt werden können, fassen die Autoren zusammen. Insgesamt habe sich die COPD bei diesen Patienten nicht verschlechtert – im Gegenteil, einige hätten davon sogar profitiert.

Dr. med. Anne-Kristin Schulze

Vogelmeier CF, Worth H, Buhl R, et al.: Impact of switching from triple therapy to dual bronchodilation in COPD: the DACCORD ‚real world‘ study. Respir Res 2022; 23 (1): 109.

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Avatar #713720
Jochen Maier
am Sonntag, 5. Juni 2022, 07:33

Studie ungeeignet

Eine nichtinterventionelle Studie ist grundsätzlich völlig ungeeignet um die Unterlegenheit einer LABA/LAMA/ICS-Kombination gegenüber einer LABA/LAMA-Kombination zu zeigen. Die Tendenz bei einem schwer kranken COPD-Patient zu einer Dreifachkombination zu greifen ist stark (auch auch teils leitliniengerecht), und selbstverständlich werden sich diese Patienten im Verlauf COPD-typisch häufig schneller verschlechtern.
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