ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2000Therapie mit Anti-IgE-Antikörper: Trendwende bei Allergie und Asthma

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Therapie mit Anti-IgE-Antikörper: Trendwende bei Allergie und Asthma

Dtsch Arztebl 2000; 97(15): A-1011 / B-841 / C-786

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Die Behandlung des Asthma bronchiale zielt auf die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung einer eingeschränkten pulmonalen Ventilation. Hierzu dienen symptomatisch und bronchodilatatorisch sowie kausal und antientzündlich wirkende Substanzen. Die wichtigsten Medikamente mit vorwiegend antientzündlicher Wirkung sind die Glucocorticosteroide. In zweiter Reihe stehen Dinatrium-Cromoglycat und Nedocromil. Theophyllin und möglicherweise auch Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten sind weitere empfohlene Kombinationspartner für Steroide.
Noch nicht allgemein verfügbar sind Medikamente mit kombinierter antientzündlicher und bronchodilatatorischer Wirkung. Dazu zählten Phosphodiesterase-Hemmer und Histamin-RezeptorAntagonisten, erinnerte Prof. Stefan Zielen (Bonn) bei einer Veranstaltung der Novartis Pharma GmbH in Frankfurt/Main.
Erhöhte Serumspiegel
Jetzt steht ein neues, offensichtlich sehr wirksames Therapieprinzip in Aussicht: die Blockade von IgE durch rekombinante monoklonale Anti-IgE-Antikörper. IgE-Immunglobulin (Antikörper) gilt als der zentrale Auslöser der allergischen Sofortreaktion. Epidemiologischen Studien zufolge bedingten erhöhte IgE-Spiegel im Serum ein erhöhtes Risiko für allergische Erkrankungen, erläuterte Prof. Klaus Rabe (Leiden).
Nach einer Sensibilisierung wird von den B-Lymphozyten vermehrt IgE freigesetzt. Das Signal dazu geben Zytokine wie Interleukin-4 und -13. IgE bindet dann an Oberflächenrezeptoren von Entzündungszellen, insbesondere von Mastzellen, die eine hohe Dichte an hochaffinen Rezeptoren für IgE tragen. Die Vernetzung von zwei oder mehreren IgE-Molekülen auf der Zelloberfläche bewirkt dann die Freisetzung von Mediatoren. Sie vermitteln die allergische Sofort- und Spätreaktion. Erst als man die Interaktion von IgE mit seinem Rezeptor auf molekularer Ebene aufgeklärt hatte, konnte man darangehen, einen monoklonalen Antikörper gegen IgE zu entwickeln, der mit der Bindungsstelle am Rezeptor konkurriert. Inzwischen ist der Anti-IgE-Antikörper rhuMAb-E25 (E25) in klinischer Prüfung. Dabei zeichnet sich eine Trendwende in der Allergie- und Asthma-Behandlung ab.
E25 ist ein humanisierter muriner Anti-IgE-Antikörper. Obwohl in Mäusen erzeugt, besteht E25 zu 95 Prozent aus humanem Immunglobulin. Daher wirkt E25 nicht anaphylaktogen und provoziert keine Komplementaktivierung; außerdem kommt es zu keinen Ablagerungen von Immunkomplexen in Kapillaren, Geweben und Organen. Nach Applikation von E25 bilden sich nur kleine Immunkomplexe, maximal in Form von Hexameren, die via Niere ausgeschieden werden.
E25 wird intravenös appliziert. Die langen Dosierungsintervalle von zwei bis vier Wochen vereinfachen die Therapie und fördern die Compliance. E25 senkt den Serum-IgE-Spiegel um rund 90 Prozent. In Fällen von schwerem Asthma wird dadurch die Lungenfunktion drastisch verbessert und der Verbrauch von Corticosteroiden deutlich gesenkt. E25 ist auch eine Innovation für die Therapie anderer IgE-vermittelter Erkrankungen wie der allergischen Rhinokonjunktivitis und der atopischen Dermatitis. Prof. Ulrich Wahn (Berlin) berichtete über eine multizentrische Studie an 240 Erwachsenen mit einer saisonalen allergischen Rhinitis, in der Verträglichkeit und Wirksamkeit von E25 geprüft wurden. Der Behandlungszeitraum erstreckte sich über 84 Tage mit einer anschließenden 42-tägigen Beobachtungsperiode. Die besten Ergebnisse wurden bei jenen Patienten erzielt, bei denen der IgE-Serumspiegel auf Werte unterhalb der Nachweisgrenze reduziert werden konnte. Die Verträglichkeit der Therapie erwies sich durchwegs als sehr gut. Vergleichbar gute Ergebnisse mit E25 wurden in Skandinavien und in den USA erzielt.
Erst im Dezember 1999 wurde in Deutschland eine multizentrische Studie zur placebokontrollierten Therapie mit E25 in Kombination mit einer Hyposensibilisierungsbehandlung begonnen. Eingeschlossen sind 233 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren, die mindestens zwei Jahre lang saisonale rhinokonjunktivitische Symptome aufwiesen. Auslöser der Beschwerden sind Frühblüher- und Gräserpollen. Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob bei der Gruppe polyvalent sensibilisierter Allergiker, bei der die Hyposensibilisierungs-Behandlung an ihre Grenzen stößt, durch frühzeitige Applikation von E25 die therapeutische Lücke geschlossen werden kann. Siegfried Hoc
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