ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2022Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Kein offener Diskurs
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Immer wieder werden in der deutschen Presse Kritik an den Coronamaßnahmen sowie Skepsis gegenüber der SARS-CoV-2-Impfung in die rechte Ecke geschoben und damit unmittelbar im Keim erstickt. Einen ähnlichen Eindruck erweckt nun auch der oben genannte Artikel des Chefredakteurs des Deutschen Ärzteblatts, führt er in diesem über die einrichtungsbezogene Impflicht doch gleich fünf Mal Meinungen oder Zitate aus dem Umfeld der AfD an. Von einem Fachblatt erwarte ich allerdings einen faktenbezogenen offenen inhaltlichen Diskurs.

Fühlt es sich für viele auch irgendwie richtig, vernünftig oder sicherer an, wenn das gesamte medizinische Personal geimpft wäre, darf man aber die zahlreichen Belege nicht ignorieren, dass die Impfung nach aktuellem Stand zwar schwere Verläufe des Geimpften selbst verhindern kann, jedoch andere nicht schützt. Und genau dieser fehlende Fremdschutz entzieht der Pflicht zur Impfung für medizinisches Personal jegliche Substanz.

Herr Schmedt schreibt in seinem Artikel, dass „jetzt dringend diejenigen (Klinikmitarbeiter) im Fokus stehen müssen, die sich noch nicht haben impfen lassen“. Ich glaube vielmehr, dass es jetzt an der Zeit ist, zu akzeptieren, dass sich ein kleiner Anteil des Klinikpersonals trotz aller Kampagnen und gesellschaftlichen Einschränkungen nicht impfen lassen will. Es handelt sich ja um Fachpersonal, das ein medizinisches Grundwissen besitzt, Zugang zu wissenschaftlichen Daten hat und sich nach Abwägung des Risikos von Impfnebenwirkungen und den potenziellen Gefahren einer Infektion bewusst gegen eine Impfung entschieden hat. Damit schaden sie nach heutigem Wissensstand auch niemandem, außer vielleicht sich selbst. Und das nennt man Selbstbestimmung.

Dr. med. Wolfgang Schillings, 20259 Hamburg

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