ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Impfschutz: Unangemessen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Impfschutz: Unangemessen

Deinhart, Stefan

Zu dem Beitrag "Vakzination sollte im Säuglingsalter beginnen" von Dr. med. Angelika Bischoff und Dr. med. Henrik Reygers in Heft 19/1996:
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LNSLNS Eine zusätzlich einzuführende Massenimpfung gegen Hepatitis B bei Säuglingen halte ich aus folgenden Gründen für unangemessen:
c Sowohl die Gesamtzahl der Neuerkrankungen an Hepatitis B in allen Altersgruppen in Deutschland wie besonders der Säuglinge ist in dem Zeitraum von 1992 bis 1994 deutlich rückläufig . . . Laut Bundesamt für Statistik erkrankten 1992 5 881 Menschen an Hepatitis B (davon Kinder < ein Jahr: 40 Fälle), 1994 waren es nur noch 5 155 (davon Kinder < ein Jahr: 29 Fälle). Die Statistik gibt keine Auskunft darüber, wie viele der infizierten Säuglinge sich perinatal infiziert hatten und somit auch durch eine Vakzination im Säuglingsalter nicht geschützt worden wären. Es geht ebenfalls nicht hervor, ob die erkrankten Säuglinge einer bestimmten Risikogruppe angehörten (Empfänger von Blutpräparaten etc.).
c Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen ganz eindeutig einen Neuerkrankungsgipfel für die Altersgruppe 25 bis 45 Jahre. Mit welchen Zahlen können die Autoren die sensationelle epidemiologische Neuigkeit belegen, daß fast alle chronischen Hepatitis-Fälle (also 100 Prozent) entweder im Kindesalter (laut Artikel 20 bis 30 Prozent der chronischen Infektionen) oder zwischen dem 14. und 25. Lebensjahr (laut Artikel 20 bis 30 Prozent aller Hepatitis-B-Infektionen) erworben worden sind?
c Die "volkswirtschaftliche Nutzenrechnung" fällt nach den Zahlen des Bundesamtes folgendermaßen zuungunsten einer Massenimpfung aus: Behandlungskosten von 26 chronischen Hepatitis-B-Fällen (90 Prozent der 29 neuerkrankten Säuglinge 1994) à 50 000 DM pro Jahr betragen 1,3 Mio. DM.
Bei zirka einer Mio. Neugeborener pro Jahr in Deutschland und dreimaliger Gabe von zum Beispiel Gen-H-BVax-K pro infantibus (103,60 DM/Dosis) wären das zirka 300 Mio. DM pro Jahr nur für die Vakzination einer gar nicht relevanten Risikogruppe aus "strategischen Gründen".
Zum Vergleich: Im Zeitraum 1970 bis 1980 (10 Jahre!) wurden in Deutschland für alle Schutzimpfungen insgesamt 280 Mio. DM ausgegeben; eine Summe, die jetzt innerhalb eines Jahres für nur eine Schutzimpfung ausgegeben werden soll.
Machen wir uns die Kostenexplosion im Gesundheitswesen nicht selbst?
Dr. med. Stefan Deinhart, August-Weihe-Institut, Benekestraße 11, 32756 Detmold
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