ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2022Arthritis urica: Sterblichkeitsrisiko durch COVID-19 ist bei Gicht erhöht, vor allem für Frauen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Arthritis urica: Sterblichkeitsrisiko durch COVID-19 ist bei Gicht erhöht, vor allem für Frauen

Vetter, Christine

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Foto: Zoonar DAVID HERRAEZ CALZADA/picture alliance
Foto: Zoonar DAVID HERRAEZ CALZADA/picture alliance

Das Vorliegen einer Gicht und allgemein einer rheumatischen Erkrankung wurde bislang nicht als eigenständiger Risikofaktor für einen schweren Verlauf mit Todesfolge bei einer COVID-19-Erkrankung angesehen. Analysen der Daten einer britischen Biobank, die eine Kohorte von 459 875 Personen umfasst, scheinen diese Annahme nun jedoch zu widerlegen. Bei 15 871 Personen der Kohorte war eine Gicht bekannt und es gab 15 772 Personen, die eine COVID-19-Erkrankung erlebt oder sogar daran verstorben waren. In der Untersuchung wurde analysiert, ob eine Assoziation zwischen der Gicht und COVID-19-bedingten Todesfällen besteht und möglicherweise auch eine Assoziation mit dem Geschlecht und dem Alter der Patienten sowie mit Komorbiditäten und mit der Behandlung mit harnsäuresenkenden Medikamenten oder Colchicin.

Die Analysen ergaben eine Assoziation zwischen der Gicht und der Diagnose von COVID-19 (Odds Ratio [OR]: 1,20, 95-%-Konfidenzintervall [1,11; 1,29]). In der gesamten Kohorte bestand ferner eine Assoziation mit COVID-19-bedingten Todesfällen (OR: 1,29 [1,06; 1,56]). Bei Patienten mit COVID-19, bei denen eine Gicht diagnostiziert wurde, stieg das Mortalitätsrisiko sogar signifikant an mit einer OR von 2,97 [2,45; 3,62].

Deutlich erhöht war insbesondere das Risiko für einen COVID-19-assoziierten Tod bei Frauen (OR: 1,98 [1,34; 2,94]) gegenüber dem Risiko bei Männern (OR: 1,16 [0,93; 1,45]). Keine Unterschiede für das COVID-19-assoziierte Todesrisiko ergaben sich hinsichtlich einer harnsäuresenkenden Medikation und einer Colchicintherapie. Eine Abhängigkeit des Risikos von Komorbiditäten der Gicht war nicht festzustellen.

Wurde der Impfstatus berücksichtigt, ergab die Studie ein signifikant erhöhtes Risiko für eine COVID-19-Erkrankung bei Gichtpatienten ohne Impfung (OR: 1,21 [1,11; 1,30]) gegenüber geimpften Personen (OR: 1,09 [0,65; 1,85]).

Fazit: „Die Studie zeigt ein erhöhtes Risiko von Frauen mit Gicht, an COVID-19 zu versterben, während bei an Gicht erkrankten Männern die Todesursachen vor allem in den bekannten metabolischen Komorbiditäten der Gicht liegen“, kommentiert Prof. Dr. med. Ulf Wagner, Universitätsklinikum Leipzig und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kompetenznetz Rheuma, das Resultat der Studie.

„Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist die Erkenntnis, dass das erhöhte Sterberisiko von Gichtpatientinnen nur bei nicht geimpften Personen besteht.“ Das unterstreiche die Bedeutung der Impfung gegen SARS-CoV-2, die von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen allgemein aber auch gut angenommen werde. Sie senke offenbar auch das Krankheitsrisiko bei Gichtpatientinnen. Christine Vetter

Topless RK, Gaffo A, Stam LK, et al.: Gout and the risk of COVID-19 diagnosis and death in the UK Biobank: a population-based study, Lancet Rheumatology 2022; 4: e274–81.

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