ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2022Führungskräfte halten Regeln zur Gleichstellung für unnötig

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Führungskräfte halten Regeln zur Gleichstellung für unnötig

SG

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Cherries/stock.adobe.com
Foto: Cherries/stock.adobe.com

Führungskräfte in Deutschland blicken mit Skepsis auf verpflichtende Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Weibliche wie männliche Führungskräfte nehmen in ihren Unternehmen kaum Probleme beim Thema Gendergerechtigkeit wahr und sehen wenig Handlungsbedarf. Das zumindest geht aus dem Führungskräfte-Radar der Bertelsmann Stiftung und des Reinhard-Mohn-Instituts der Universität Witten/Herdecke hervor. An der Umfrage haben 1 026 Führungskräfte teilgenommen.

Die wichtigsten Ergebnisse: 74 Prozent der Befragten gaben an, in ihrem Unternehmen mache das Geschlecht der Führungskraft keinen Unterschied. Zudem erleben 82 Prozent keine Geschlechterkonflikte. 77 Prozent meinten, das Gehalt sei unabhängig vom Geschlecht der Führungskraft. Unterschiede gibt es offenbar zwischen den Führungsebenen: Die obere Ebene hat ein positiveres Bild von der Gleichstellung im eigenen Unternehmen als die mittlere und untere. Mehr als 80 Prozent der Führungskräfte auf der oberen Ebene gaben an, das Geschlecht mache keinen Unterschied und das Unternehmen unterstütze die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auf der unteren Führungsebene sehen das hingegen weniger als 70 Prozent so.

„Wenn Führungskräfte die Situation in ihren Organisationen positiv sehen, braucht es einen Reality-Check, um Transparenz herzustellen. Ansonsten drohen generelle betriebliche Maßnahmen ins Leere zu laufen“, sagte Martin Spilker von der Bertelsmann Stiftung. Insbesondere müsse man Unterschiede in der Wahrnehmung von Führungskräften und der Basis klären.

Bevor Unternehmen undifferenzierte Programme initiierten, um Diversity zu fördern, gelte es, gezielte Interventionen zu veranlassen. So habe der Gesetzgeber den Unternehmen beispielsweise ein Instrument an die Hand gegeben, um Arbeit und Arbeitsplätze von Männern und Frauen bewerten zu lassen und Ungleichbehandlungen offenzulegen. Eine solche Überprüfung von Gleichstellung, betonte Spilker, sollten Unternehmen öfter und konsequenter nutzen. sg

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.


Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote