ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2000Therapeutisches Klonen Unaufhaltsam

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Therapeutisches Klonen Unaufhaltsam

Gerst, Thomas

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LNSLNS Der Zug ist wohl auch in Europa nicht mehr aufzuhalten. Folgt die britische Regierung den Vorschlägen einer von ihr eingesetzten Kommission, wird das Klonen menschlicher Embryonen zu therapeutischen Zwecken in Großbritannien bald erlaubt sein. Die aus führenden Medizinern verschiedener Fachrichtungen zusammengesetzte Expertengruppe kam zu dem Ergebnis, dass der mögliche Nutzen dieses Verfahrens gegenüber damit verbundenen ethischen Problemen überwiege. Informierte Kreise in London sind sicher, dass die Regierung dem Votum der Kommission folgt. Diese geht davon aus, dass es mithilfe der neuen Technik möglich sein wird, eine Reihe schwerer Erkrankungen erfolgreich zu behandeln. Inzwischen erscheint es als realistische Perspektive, gesundes Gewebe gezielt heranzuzüchten und gegen krankes auszutauschen. Die britische Kommission befürchtet auch, bei einer weiteren restriktiven Regelung den Anschluss an die medizinische Spitzenforschung zu verlieren. Auch in Spanien steht eine Weichenstellung in die gleiche Richtung kurz bevor. Eine Expertenkommission wird dort voraussichtlich der Regierung empfehlen, die rund 30 000 eingefrorenen Embryonen aus künstlichen Befruchtungen zu medizinischen Forschungszwecken freizugeben. In den USA wächst inzwischen der Druck auf den Gesetzgeber, die Forschung an embryonalen Stammzellen nicht allein privaten Unternehmen zu überlassen, sondern diese mit öffentlichen Geldern zu fördern.
Gespannt kann man auf die bevorstehende Diskussion in Deutschland sein. Forschungswillige Wissenschaftler stehen vermutlich bereits in den Startlöchern. Die Gesetzeslage zur embryonalen Forschung erscheint noch eindeutig; doch weisen Äußerungen aus dem Berliner Forschungsministerium auf unterschiedliche Standpunkte innerhalb der Bundesregierung hin. Solange es sich um verbrauchende Forschung an embryonalen Stammzellen handelt, werden ethische Bedenken hierzulande überwiegen. Neueste Forschungen zeigen, dass auch der erwachsene Organismus über pluripotente Stammzellen verfügt. Wenn es damit möglich sein wird, Leben rettendes Gewebe zu erzeugen, muss die bisherige ethische Argumentation überdacht werden. Dr. Thomas Gerst
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