ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2022Elektronisches Rezept: Einführung mit offenen Fragen

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Elektronisches Rezept: Einführung mit offenen Fragen

Lau, Tobias

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Das Bundesgesundheitsministerium hat auf die Kritik reagiert und die Einführung des elektronischen Rezepts umgestaltet: An die Stelle einer verpflichtenden Nutzung tritt ab September ein schrittweises Hochfahren auf freiwilliger Basis. Allerdings sind noch viele Punkte unklar.

Die E-Rezept- Einführung soll im September in die nächste Phase gehen. Viele wichtige Details sind aber noch ungeklärt. Foto: picture alliance/dpa/Christoph Dernbach
Die E-Rezept- Einführung soll im September in die nächste Phase gehen. Viele wichtige Details sind aber noch ungeklärt. Foto: picture alliance/dpa/Christoph Dernbach

Die Einführung des elektronischen Rezeptes (E-Rezept) kommt im September für Praxen und Krankenhäuser nicht verpflichtend – stattdessen sollen sie zuerst in zwei Regionen Anreize erhalten, es zu verwenden. Die Gesellschafter der gematik haben einen Stufenplan für den Roll-out bis zum Frühjahr 2023 beschlossen, der sich an Qualitätskriterien orientieren soll. „Das ist ein Durchbruch für die Digitalisierung“, erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dazu. Anders als noch vor wenigen Wochen kolportiert soll im September eine Pilotphase in Schleswig-Holstein und – statt in Bayern – im Kammerbezirk Westfalen-Lippe starten, die sukzessive zur flächendeckenden Anwendung hochfährt.

Vieles noch im Ungefähren

Wie genau diese stufenweise Einführung abläuft, wollen die gematik und ihre Gesellschafter zeitnah festlegen: Teilnehmerzahlen gibt es noch nicht und wie sie akquiriert werden sollen, steht auch noch nicht fest. Gegenstand der Gespräche ist deshalb auch ein Anreizsystem. Wie das aussehen könnte: Auch dazu äußert sich die mehrheitlich bundeseigene Gesellschaft noch nicht. Anders als früher soll es im neuen Modus Operandi aber nicht weitergehen, bevor die Gesellschafter nicht formal feststellen, dass vorab definierte Qualitätskriterien erfüllt wurden. Für die Kriterien relevante Begriffe wie „flächendeckende Nutzung“ oder „schwerer Fehler“ sind jedoch bisher ebenfalls nicht definiert.

Immerhin gibt es einen groben Zeitplan: Stand heute ist laut gematik angedacht, drei Monate nach Start der Pilotphase in den beiden Regionen in die E-Rezept-Pflicht zu gehen und parallel dazu in sechs weiteren Bundesländern sukzessive die Einführung umzusetzen. Die fehlenden acht Bundesländer sollen dann im Jahr 2023 folgen. Eine bundesweite Pflicht für Arztpraxen und Krankenhäuser zur Nutzung des E-Rezepts könnte dann also im Frühjahr 2023 erreicht sein. Apotheken müssen ab dem 1. September bundesweit in der Lage sein, E-Rezepte zu verarbeiten, die Krankenkassen sind es laut gematik bereits. „Wir hoffen, dass wir in den Pilotregionen bis Ende November eine flächendeckende Nutzung des E-Rezepts erreichen und haben ein sehr gutes Gefühl, dass wir mit einer hohen Beteiligung starten können“, erklärt Chief Production Officer Dr. sc. hum. Florian Hartge auf Anfrage. Auch sollen die Leistungserbringer (LE) nicht alleingelassen werden: Die gematik werde den Startprozess in den Regionen „eng begleiten und hierzu eine zentrale Supportstruktur aufsetzen, die den regionalen LE-Organisationen eine schnelle Kontaktaufnahme ermöglicht“, heißt es im Gesellschafterbeschluss. Der Support für die Praxen soll über dieselben Strukturen angeboten werden wie bisher. Genauere Informationen fehlen auch dazu.

Optimismus im BMG

Lauterbach zeigt sich zuversichtlich, dass der Plan hält: „Das E-Rezept wird sich in der Praxis bewähren und dann schnell bundesweit Anwendung finden“, sagte er. Zufrieden zeigt sich auch die KBV. „Unsere Bedenken wurden gehört“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen. Die Rahmenbedingungen seien nun klar und entscheidend dafür, wann und wie der weitere Roll-out erfolgt.

Gassen und seine Vorstandskollegen Dr. med. Stephan Hofmeister und Dr. rer. soc. Thomas Kriedel dankten den Kassenärztlichen Vereinigungen Schleswig-Holstein (KVSH) und Westfalen-Lippe (KVWL) dafür, dass die sich bereit erklärt haben, als Pilotregionen zu fungieren.

„Keine Praxis muss die Umsetzung fürchten, denn uns ist bewusst, dass es derzeit vielfach noch an zentralen Modulen fehlt und digitale Prozesse Strukturänderungen in Praxen bedingen, die vor der Routine Aufwand erfordern“, erklärt die KVSH-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Dipl. Oec. med. Monika Schliffke. Die KVWL betont, dass technische und organisatorische Belastbarkeit vor der finalen Einführung sichergestellt sein müssten: „Genau dazu müssen wir frühzeitig Informationen über Auswirkungen in den Praxen sammeln und werden sie intensiv unterstützen, kompetent beraten und eng begleiten“, versichert Vorstand Thomas Müller. Tobias Lau

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