ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2000DAK-Umfrage Für mehr Datentransparenz

POLITIK: Aktuell

DAK-Umfrage Für mehr Datentransparenz

Dtsch Arztebl 2000; 97(15): A-974 / B-781 / C-725

Clade, Harald

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LNSLNS Das Sozialforschungsinstitut Forsa hat mehr als 1 000 Bundesbürger über den Datenaustausch und die Kontrollfunktion der Krankenkassen befragt.


Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK), Hamburg, erzielte mittels Forsa-Umfrage das Echo, das sie offenbar hören wollte: 53 Prozent der Erwachsenenbevölkerung wollen, dass die Krankenkassen über mehr Gesundheitsdaten verfügen, um so angebliche Schwachstellen aufzudecken und abstellen zu können. Die Diagnosedaten in der Verfügungs- und Definitionsmacht der Krankenkassen seien wichtig, um die Krankenversicherten gezielter beraten und Vorsorgeprogramme an die Frau oder den Mann bringen zu können. Die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) gab an, dass die Krankenkassen über sämtliche Abrechnungsdaten verfügen sollten, um die Leistungsabrechnungen genauer und lückenlos überprüfen zu können.
Votum für eine erweiterte Chipkarte
Die Versicherten sprechen sich auch für eine erweiterte Versicherten-Chipkarte aus. So könnte eine umprogrammierte Krankenversichertenkarte derart erweitert werden, dass standardisierte Informationen über die Blutgruppe des Versicherten, über die Hauptdiagnosen und -therapien gespeichert werden. Die Karte ließe sich auch zugunsten des Arztes nutzen: Behandelnde Ärzte und Notfallärzte erhielten so Zugriff auf wichtige medizinische Informationen. 56 Prozent der an der Umfrage beteiligten Bürger meinen, dass der Arzt bei größerem Datenfundus es leichter habe, seine Behandlungsobliegenheiten zu verrichten und Ausgaben zu sparen. 52 Prozent der Befragten wollen selbst bestimmen, wer einen Zugang zu den Informationen auf der Chipkarte haben sollte. 37 Prozent befürchten, dass die Gefahr des Missbrauchs von Patientendaten zunehme. Hierbei sind die Befragten mit einem qualifizierten Ausbildungsabschluss (47 Prozent) in der Überzahl, 47 Prozent der jüngeren Generation (unter 30 Jahre) hatten Vorbehalte. 52 Prozent der westdeutschen Bürger lassen sich beim Arztwechsel meistens Röntgenbilder und 40 Prozent die Kopien der Untersuchungsbefunde vom Arzt aushändigen. 20 Prozent der Befragten haben kein Interesse an solchen Zusatzinformationen.
Mehr Daten für bessere Kontrolle
67 Prozent der Versicherten wollen einen intensiveren Datenaustausch. Mehr als die Hälfte meint, dass dadurch die Krankenkassen die Abrechnung der Leistungserbringer, insbesondere der Ärzte, besser prüfen könnten. 29 Prozent befürchten keinen Missbrauch der Patientendaten. Sie halten die geltenden Datenschutzvorschriften für ausreichend. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschen. 38 Prozent der Ostdeutschen befürchten keinen Datenmissbrauch; bei den Westdeutschen ist das Vertrauen in den Gesundheitsdatenschutz mit 26 Prozent niedriger.
72 Prozent meinen, dass Gesundheitsdaten außer den Patienten selbst nur den Arzt etwas angehen. Einhellig ist die Meinung, dass eine erhöhte Datentransparenz dazu beitragen könne, die Ausgaben besser zu kontrollieren und Doppel- sowie Mehrfachuntersuchungen einzudämmen. Dr. Harald Clade

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