ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2022Interdisziplinäre Diagnostik bei seltenen Erkrankungen
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Hintergrund: Patientinnen und Patienten mit einer seltenen Erkrankung (SE) erleben häufig eine „Diagnostik-Odyssee“, da viele Jahre bis zur definitiven Diagnosestellung vergehen. Um Diagnostik und Versorgung dieser Patienten zu verbessern, empfahl das nationale Aktionsbündnis für Menschen mit seltenen Erkrankungen (NAMSE) die Gründung von Zentren für seltene Erkrankungen (ZSE).

Methode: Im Rahmen des Innovationsfonds-Verbundprojektes Translate-NAMSE sollte die Leistungsfähigkeit der ZSE in Bezug auf die Diagnosestellung bei Patienten mit dem Verdacht auf eine SE untersucht werden. Ergebnisse von interdisziplinären Fallkonferenzen und Einsatz der Exomdiagnostik wurden in einer prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie untersucht.

Ergebnisse: An zehn ZSE wurden insgesamt 5 652 Patienten (3 619 < 18 Jahre; 2 033 ≥ 18 Jahre) ohne eindeutige SE-Diagnose in das Projekt eingeschlossen. Im Mittel waren die unter 18-Jährigen seit 4,5 Jahren und die Erwachsenen seit 8,2 Jahren symptomatisch – ohne in der Regelversorgung eine Diagnose erhalten zu haben. Im Projektverlauf (2017–2021) wurde bei 1 682 Patienten (30 %) eine definitive Diagnose gestellt: in 193 Fällen eine häufige Erkrankung, in 88 Fällen eine psychosomatische Erkrankung (nur bei Patienten ≥ 18 Jahre) und in 1 401 Fällen eine SE. Es wurden 14 850 Fallkonferenzen durchgeführt. Insgesamt erfolgten 1 599 Exomdiagnostiken mit 506 definitiven genetischen Diagnosen (32 %).

Schlussfolgerung: Eine diagnostische Versorgung mittels interdisziplinären Fallkonferenzen und der Möglichkeit einer Exomdiagnostik kann für Menschen mit SE, die in der Regelversorgung keine definitive Diagnose erhalten, sinnvoll sein. Gesamtgenomdiagnostik und ein internationales Register könnten unter anderem die Aufklärungsrate verbessern.

LNSLNS

Erkrankungen, die nicht mehr als 1 pro 2 000 Einwohnerinnen und Einwohner betreffen, gelten in Europa als seltene Erkrankung (SE). Die Gruppe der SE umfasst eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Krankheiten, die häufig einen komplexen Phänotyp aufweisen und nicht nur ein Organ betreffen. Circa 6 000 verschiedene SE sind bisher bekannt (1). Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Prävalenz aller SE in der Bevölkerung bei 3,5–5 % liegt (1). Trotz der großen Heterogenität ist vielen Patientinnen und Patienten mit einer SE gemeinsam, dass die Diagnosestellung spät erfolgt – häufig erst nach einer jahrelangen diagnostischen Odyssee (2).

Über 80 % der SE können bereits im Kindesalter auftreten. Bei 75 % geht man von einer genetischen Ursache im Sinne einer monogenen Krankheit aus (1). Hierzu zählen mehr als 3 000 Erkrankungen, die seltener als 1 in 1 Million Einwohner auftreten und oft nur in einzelnen Familien beschrieben sind. Eine Erstmanifestation wurde für 12 % der SE im Erwachsenenalter, für 18 % im Erwachsenenalter oder im Kindesalter beschrieben. Neben den genetisch bedingten SE können Patienten auch erworbene seltene Erkrankungen aufweisen. Schwerpunkte liegen hier im Bereich von Autoimmunerkrankungen, degenerativen neurologischen Erkrankungen, seltenen malignen Erkrankungen und seltenen Infektionserkrankungen (1).

SE wurden erst spät als eine eigenständige Gruppe von Krankheiten, die aufgrund der Vielfalt und Komplexität eine besondere interdisziplinäre Herangehensweise in der Diagnostik und klinischen Versorgung erfordert, eingestuft. Initiiert durch Patientenvertretungen wurden in Europa seit 2009 Maßnahmen gefordert, um die Versorgung von Menschen mit SE zu verbessern (3). In Deutschland wurden daraufhin durch das nationale Aktionsbündnis für Menschen mit seltenen Erkrankungen (NAMSE) Empfehlungen, die vor allem die Gründung von Zentren für seltene Erkrankungen (ZSE) an den Universitätskliniken vorsahen, erarbeitet (4). Seitdem wurden mehr als 30 Zentren für seltene Erkrankungen gegründet. Die NAMSE-A-Zentren eines ZSE übernehmen hierbei koordinierende Aufgaben mit einem Schwerpunkt in der interdisziplinären Diagnosefindung für Patienten, bei denen eine SE vermutet wird. NAMSE-B-Zentren repräsentieren Einrichtungen mit Versorgungsexpertise für eine spezielle SE oder eine Gruppe an SE (5).

Projektbeschreibung und -ziele

Im Rahmen des Innovationsfonds-Verbundprojektes TRANSLATE-NAMSE sollte die Bedeutung und Leistungsfähigkeit dieser neu gegründeten ZSE und insbesondere der NAMSE-A Zentren untersucht werden. Ziel war es, die Diagnosestellung bei pädiatrischen und erwachsenen Patienten mit dem Verdacht auf eine SE, bei denen mit den Verfahren der Regelversorgung zuvor keine eindeutige Diagnose gestellt werden konnte, zu evaluieren. Hierbei wurde der strukturierte Diagnoseprozess, gegebenenfalls bis hin zur Durchführung einer Exomdiagnostik in der täglichen Versorgung ausgewertet.

Methoden

Das Innovationsfonds-Projekt TRANSLATE-NAMSE wurde als prospektive multizentrische Beobachtungsstudie ohne Vergleichskohorte konzipiert. Adäquate Referenzgruppen konnten aufgrund der Versorgungsstrukturen, der Heterogenität der SE-Diagnosen und der Seltenheit mancher Fälle weder zum gleichen Zeitpunkt noch historisch generiert werden.

Als Hauptendpunkt der Studie wurde daher die erfolgte oder nicht erfolgte Diagnosestellung definiert.

Auf Basis eines Kooperationsvertrages mit insgesamt zehn ZSE und beteiligten Partnerkrankenkassen wurden von Dezember 2017 bis März 2020 Patienten, bei denen zuvor in der Regelversorgung keine gesicherte definitive Diagnose gestellt werden konnte, für TRANSLATE-NAMSE rekrutiert. Weitere Informationen zu den Projektpartnerinnen und -partnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern finden sich im eMethodenteil. Eingeschlossen wurden Personen mit unklarer Diagnose (Kohorte 1) sowie mit einer konkreten SE-Verdachtsdiagnose (Kohorte 2) aus den Bereichen neurologische Bewegungsstörungen (≥ 18 Jahre) sowie Stoffwechseldefekte, angeborene Endokrinopathien, Anämien, Immundefekte und Autoinflammation bei pädiatrischen Patienten (< 18 Jahre).

Die Versorgungsform des Fallkonferenz basierten Diagnostikprozesses wurde im Projekt anhand eines von den beteiligten ZSE konsentierten Patientenpfads durchgeführt. Demzufolge wurde nach Sichtung und Aufarbeitung der vorhandenen Diagnostikbefunde eine erste interdisziplinäre Fallkonferenz durchgeführt. Falls anhand der vorliegenden Befunde keine SE-Diagnose gestellt werden konnte und weiterhin der Verdacht einer SE bestand, wurde im interdisziplinären Konsens eine ergänzende Spezial- oder Exomdiagnostik indiziert – unter obligater Einbeziehung von Fachärztinnen und -ärzten für Humangenetik. Hierbei wurde das individuelle Krankheitsbild bzw. Spektrum der besprochenen Patienten mittels „human phenotype ontology“ (HPO) dokumentiert (6).

In weiteren interdisziplinären Fallkonferenzen wurden die Ergebnisse dieser zusätzlichen Diagnostik bewertet und, falls möglich, eine definitive Diagnose gestellt. Die Diagnose einer SE lag vor, wenn die Prävalenz laut Orphanet-Datenbank seltener als 1 in 2 000 betrug; die SE-Diagnosen wurden mittels Orpha-Code dokumentiert (7).

Gegenstand der Projektförderung war die Finanzierung des Personals, das für die Vorbereitung, Koordination und Durchführung der Fallkonferenzen sowie die Kommunikation mit den Patienten eingesetzt wurde (sogenannte Lotsinnen und Lotsen sowie Koordinatorinnen und Koordinatoren der NAMSE-A-Zentren). Die projektfinanzierte Förderung einer Fallkonferenz (ohne die Kosten der Teilnahme von Expertinnen und Experten) betrug 260 Euro.

Zur Exomdiagnostik zählte die Sequenzierung und bioinformatische Auswertung – teilweise als Trio-Exome, das heißt mit zusätzlicher Sequenzierung der Eltern. Diese wurde durch die am Projekt beteiligten Krankenkassen auf Antrag finanziert (3 000 Euro) und für die Patienten aller zehn Standorte in vier Partner-ZSE mit Expertise in der Genomdiagnostik durchgeführt (Berlin, Bonn, München, Tübingen).

Den Versorgungspfad kennzeichnende Elemente, zum Beispiel Anzahl, Dauer, Zusammensetzung der Fallkonferenzen und Parameter der Exomdiagnostik, wurden in der Projektdatenbank dokumentiert.

Informationen zur Zufriedenheit der Patienten wurden durch einen Fragebogen im Anschluss an den diagnostischen Prozess gesammelt (ePatientenfragebogen). Daten zur gesundheitsökonomischen Auswertung wurden durch je einen Fragebogen an die Leistungserbringer und Patienten sowie auf Basis von Krankenkassendaten erhoben.

Ethik und Datenschutz

Das Projekt TRANSLATE-NAMSE wurde gemäß den ethischen und datenschutzrechtlichen Vorgaben unter Einbeziehung der lokalen Datenschutzbeauftragten beziehungsweise Ethikkommissionen durchgeführt. Das Erstvotum erteilte die Ethikkommission der Charité (EA2/140/17).

Ergebnisse

Im Förderzeitraum von Dezember 2017 bis März 2020 wurden insgesamt 5 652 Patienten, bei denen zuvor in der Regelversorgung keine eindeutige SE-Diagnose gestellt werden konnte, in das Projekt eingeschlossen. Von ihnen waren 3 619 Personen jünger als 18 Jahre. Vor Einschluss in das Projekt waren die Betroffenen im Mittel seit 4,5 Jahren (pädiatrische Patienten ab dem ersten Lebensjahr) beziehungsweise 8,2 Jahren (Erwachsene) symptomatisch erkrankt und hatten keine Diagnose erhalten (Daten aus Patientenfragebogen).

Insgesamt konnte bis Projektende bei 1 682 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine definitive Diagnose gestellt werden (30 %) – darunter 1 161 pädiatrische (32 %) und 521 erwachsene Patienten im Alter von ≥ 18 Jahren (26 %). Hierbei wurden insgesamt 14 850 Fallkonferenzen (2,6 pro Betroffenem) mit durchschnittlich 5,5 Experten durchgeführt. Die dokumentierte durchschnittliche Dauer der Fallkonferenzen bei pädiatrischen beziehungsweise erwachsenen Patienten betrug 56 beziehungsweise 42 Minuten, die Vorbereitungszeiten 43 beziehungsweise 96 Minuten. Bei 1 599 Personen wurde eine Exomdiagnostik, die bis Projektende bei 506 (32 %) von ihnen in einer definitiven SE-Diagnose resultierte, durchgeführt (Tabelle).

Ergebnisüberblick
Tabelle
Ergebnisüberblick

Erwachsene Patienten

In der Kohorte 1 von erwachsenen Teilnehmern mit zuvor unklarer Diagnose konnte bis Projektende bei 395 der 1 768 Patienten (22 %) eine sichere Diagnose gestellt werden. Bei 183 Betroffenen wurde eine häufige und bei 212 eine seltene Erkrankung diagnostiziert. Insgesamt 73 der häufigen Erkrankungen waren dem psychosomatischen Erkrankungsspektrum zuzuordnen, vor allem Somatisierungsstörung oder somatoforme Störung – nicht näher bezeichnet.

In der Kohorte 2 von erwachsenen Patienten mit der Verdachtsdiagnose einer seltenen neurologischen Bewegungsstörung konnte bei 126 von 265 (48 %) Fällen eine gesicherte Diagnose gestellt werden. Bei 101 Personen wurde eine seltene und bei 25 eine häufige Erkrankung, von denen 15 zum psychosomatischen Formenkreis zählten, diagnostiziert.

Insgesamt wurden 91 der 313 SE-Diagnosen in den Erwachsenen-Kohorten 1 und 2 durch die Exomuntersuchung gestellt (29 %) (Tabelle).

Patienten im Kindes- und Jugendalter

Von 3 008 pädiatrischen Patienten der Kohorte 1 mit zuvor unklarer Diagnose konnte bei insgesamt 795 (24 %) eine SE und bei weiteren 73 eine häufige Erkrankung festgestellt werden. In der pädiatrischen Teilnehmergruppe wurde keine psychosomatische Diagnose gestellt.

In der pädiatrischen Kohorte 2, die 611 Patienten mit einer konkreten Verdachtsdiagnose repräsentierte, erhielten 366 Personen eine eindeutige SE-Diagnose (60 %). Dabei waren die Indikationsbereiche unterschiedlich häufig vertreten: Anämien 83 %, Endokrinopathien 97 %, Autoinflammation 70 %, Immundefekte 60 %, Stoffwechseldefekte 96 %. Insgesamt wurden 415 der 1 161 pädiatrischen SE-Diagnosen mittels Exomdiagnostik gestellt (35 %) (Tabelle).

Art der Diagnosen von seltenen Erkrankungen

Es fand sich ein sehr breites Spektrum an diagnostizierten SE (Grafik 1, Kasten). Insgesamt wurden über 400 SE nur ein einziges Mal diagnostiziert. Hierbei handelte es sich meistens um extrem seltene Erkrankungen mit einer Prävalenz von < 1 in 1 Million. Beispiele werden in Grafik 1 gezeigt. Darüber hinaus wurden mittels Exomdiagnostik über 100 Erkrankungen diagnostiziert, die erst kürzlich (< 3 Jahre) zum ersten Mal beschrieben wurden und somit in der Regelversorgung noch weitgehend unbekannt waren. Für diese lag noch keine Orphanet-Nummer vor. Sowohl bei den pädiatrischen als auch erwachsenen Patienten der Kohorte 1 fanden sich am häufigsten genetisch determinierte neurologische Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen beziehungsweise syndromale Fehlbildungen.

Häufigkeit gestellter Diagnosen von seltenen Erkrankungen (SE), Diagnosebeispiele
Grafik 1
Häufigkeit gestellter Diagnosen von seltenen Erkrankungen (SE), Diagnosebeispiele
Beispiele einmalig gestellter Diagnosen (0–18 Jahre)
Kasten
Beispiele einmalig gestellter Diagnosen (0–18 Jahre)

Vermeidbare Diagnostik

Nach Fallabschuss wurde beispielhaft für 163 Patienten der Kohorte 1 mit gesicherter Diagnose eingeschätzt, ob zuvor erfolgte Diagnostik- und Versorgungsleistungen hätten vermieden werden können. Bei 31 % der Betroffenen betraf dies stationäre Aufenthalte, bei 51 % fachärztliche Vorstellungen, bei 27 % Magnetresonanztomografie, bei 10 % Computertomografie; bei 23 % eine Panelsequenzierung und bei 13 % eine Einzelgensequenzierung.

Patientenzufriedenheit

Anhand des Patientenfragebogens zur Evaluation der Maßnahmen aus Betroffenensicht konnte bei insgesamt 1 001 (21 %) der 4 776 Teilnehmern aus Kohorte 1 beziehungsweise deren Familien (529 pädiatrische und 472 erwachsene Patienten) der TRANSLATE-NAMSE-Prozess abschließend bewertet werden. Unabhängig vom Alter der Betroffenen war die Mehrheit von ihnen zufrieden mit dem Versorgungspfad; bei gestellter Diagnose waren dies 78 % der Patienten. Auch ohne definitive Diagnose im Projektzeitraum waren 69 % der Teilnehmer zufrieden (Grafik 2).

Antwort auf die Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Projekt?
Grafik 2
Antwort auf die Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Projekt?

Ein wichtiger Aspekt der Patientenzufriedenheit betraf den Wunsch, die eigene Diagnose zu kennen. Grafik 3 zeigt die Gründe, warum im Fragebogen aus Sicht der Patienten die Kenntnis der eigenen Diagnose als wichtig indiziert wurde. Neben der Hoffnung auf eine Therapiemöglichkeit (79 %) gaben 60 % das Wissen über die Krankheitsprognose an. Jeweils 48 % nannten die Möglichkeit, Informationen zu ihrer Erkrankung zu erlangen, und die Belastung, die durch die Unwissenheit in Bezug auf die Diagnose entsteht.

Antwort auf die Frage: Warum ist die Kenntnis der Diagnose wichtig? Insgesamt 1 301 auswertbare Fragebögen
Grafik 3
Antwort auf die Frage: Warum ist die Kenntnis der Diagnose wichtig? Insgesamt 1 301 auswertbare Fragebögen

Diskussion

Im Rahmen des Projekts TRANSLATE-NAMSE konnte gezeigt werden, dass die im NAMSE vorgeschlagene Maßnahme einer interdisziplinären Vorgehensweise zur Diagnosefindung an ZSE in der Regelversorgung umsetzbar und für die Diagnosefindung von Patienten mit SE förderlich ist. Diese Versorgungsform konnte im Rahmen der Studie mehr als 5 600 Teilnehmern angeboten werden. Insgesamt konnte bei 1 682 Personen im Projekt eine definitive Diagnose gestellt werden (bei 32 % der pädiatrischen und 26 % der erwachsenen Patienten), obwohl bei allen bereits Untersuchungen im Rahmen der Regelversorgung über einen langen Zeitraum (im Mittel 4,5 Jahre bei pädiatrischen und 8,2 Jahre bei erwachsenen Patienten) nicht zur Diagnose geführt hatten.

Für die erfolgreiche Diagnosestellung war die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Fallkonferenzen entscheidend. Hierfür war angesichts der Vielzahl an Symptomen die Beteiligung von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen notwendig. Im Durchschnitt waren fünf verschiedene Fachrichtungen beteiligt. Ebenfalls zeigte sich die Notwendigkeit zweier unabhängiger Teams mit Expertise aus der Pädiatrie beziehungsweise Erwachsenenmedizin, um die jeweiligen Kontakte zu den Experten unterschiedlicher klinischer Bereiche sicherzustellen und diese koordiniert in den Fallkonferenzen einzusetzen. Angesichts des hohen Anteils an genetischen und neurologischen Erkrankungen waren Experten der Humangenetik und der Neurologie beziehungsweise Neuropädiatrie notwendige Teilnehmer in der Mehrzahl der interdisziplinären Fallkonferenzen. Der Anteil von fast 20 % psychosomatischer Diagnosen bei den erwachsenen Patienten unterstreicht zudem die wichtige Rolle psychosomatischen Fachwissens für den Diagnostikprozess bei Erwachsenen.

Von den 1 599 durchgeführten Exomdiagnostiken führten 506 durch den Nachweis einer kausalen Mutation zu einer definitiven Diagnose (32 %). Dies lag im erwarteten Bereich internationaler Studienergebnisse zu Exomsequenzierungen, der bei vergleichbaren, nicht symptomspezifischen Kohorten bei 25–35 % lag (8, 9, 10). Die Rolle der interdisziplinären Fallkonferenzen für diese Resultate der Exomdiagnostik wird deutlich, wenn bedacht wird, dass in der Exomsequenzierung häufig Varianten mit zunächst unklarer Signifikanz („VUS Klasse 3“ [11]), die erst bei nochmaliger interdisziplinärer Erörterung des Krankheitsbildes und der spezifischen Familienkonstellation als kausal eingeschätzt werden können, identifiziert werden.

Interessanterweise zeigte dieser strukturierte Fallkonferenz basierte Diagnostikprozess bei dem Kollektiv der Erwachsenen einen höheren Anteil (92 der gestellten 212 Diagnosen, 43 %) an genetisch gestellten Diagnosen als bei vergleichbaren früheren Untersuchungen in reinen Erwachsenenkollektiven, bei denen der Anteil bei nur 17 % lag (12). Insbesondere bei der selektierten Patientengruppe Erwachsener mit neurologischer Bewegungsstörung war der vorgestellte Fallkonferenz basierte Prozess mit einem Anteil an genetisch gestellten Diagnosen von 46 % erfolgreich.

Das Projekt wurde von den Betroffenen und deren Familien mit hohen Zufriedenheitswerten angenommen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der häufig vorausgegangenen langjährigen erfolglosen diagnostischen Bemühungen zu sehen. Der Wunsch nach einer definitiven Diagnose wurde von den Patienten in den Projektfragebögen bestätigt. Bogart et al. konnten bereits zeigen, dass allein die Diagnosestellung nach jahrelanger diagnostischer Odyssee bei Patienten mit SE die Lebensqualität verbesserte (13).

Trotz aller Bemühungen konnte auch in TRANSLATE-NAMSE bei 70 % der Patienten keine Diagnose gestellt werden. Um hier eine Verbesserung zu erzielen, sind verschiedene weitere Maßnahmen notwendig:

  • Für Personen mit einer bisher unauffälligen Exomdiagnostik sollte eine Reevaluation der identifizierten Sequenzvarianten nach einer festgelegten Zeit etabliert werden (9, 14), da auch in Zukunft mit der Identifizierung neuer krankheitsauslösender Mutationen in bekannten oder auch in bisher nicht bekannten Krankheitsgenen zu rechnen ist (14).
  • Darüber hinaus sollte für diese Patienten eine Sequenzierung des gesamten Genoms, inklusive der nichtkodierenden Sequenzen, ermöglicht werden (8). Während die Gesamtgenomsequenzierung dank des methodischen Fortschritts deutlich einfacher geworden ist, ist die Interpretation der zahlreichen Varianten in den nichtkodierenden Sequenzen eine große Herausforderung. Die Gesamtgenomdiagnostik bei SE wird aktuell durch das vom Bundesministerium für Gesundheit auf den Weg gebrachte Modellvorhaben nach § 64e vorbereitet und soll in der Versorgung mit einer Finanzierung durch die Kostenträger implementiert werden (15).
  • Eine weitere Maßnahme für Patienten ohne Diagnose ist die Etablierung eines nationalen Patientenregisters für nichtdiagnostizierte seltene Erkrankungen mittels HPO basierter Phänotypisierung (16). Durch regelmäßige Reevaluation der hinterlegten Phänom- und Genomdaten, einschließlich des Abgleiches mit internationalen, in Datenbanken hinterlegten Patientendaten, sollte es möglich sein, neue Krankheitsentitäten zu diagnostizieren (17).

Limitationen

Bei TRANSLATE-NAMSE fand ausschließlich eine quantitative Prozessevaluation sowie eine quantitative und qualitative Auswertung zur Zufriedenheit der eingeschlossenen Patienten mit dem Projektende statt. Dennoch konnten wichtige Erkenntnisse zu wesentlichen Aspekten eines strukturierten Diagnostikprozesses im Versorgungsalltag gewonnen werden.

Schlussfolgerung

Mit dem hier vorgestellten Versorgungsprojekt konnte gezeigt werden, dass eine Implementierung der im NAMSE empfohlenen Versorgung mittels interdisziplinärer Fallkonferenzen und der Möglichkeit einer Exomsequenzierung praktisch umsetzbar ist und die Diagnostik von Menschen mit SE verbessert.

Die gesamte Versorgungsleistung der Fallkonferenz basierten Diagnostik, einschließlich der Exomdiagnostik, sollte möglichst allen Patienten an den vorhandenen NAMSE-A-Zentren zugänglich gemacht werden.

*2 Weitere Autoren und Affilationen

Tobias Bäumer, Georg F. Hoffmann, Daniela Choukair, Reinhard Berner, Min Ae Lee-Kirsch, Martin Mücke, Corinna Grasemann, Annekatrin Ripke, Lena Zeltner, Gabriele Müller, Monika Glauch, Holm Graessner, Fabian Hauck, Christoph Klein, Markus M. Nöthen, Olaf Riess, Stefan Mundlos, Thomas Meitinger, Tobias Kurt, Kerstin L. Wainwright, Jochen Schmitt

Die Studie wurde aus Mitteln des Innovationsfonds beim G-BA finanziert.

Interessenkonflikt
Prof. Mücke erhielt Gelder für Beratungsleistungen von den Firmen TAKEDA und STADA Pharm. Er würde honoriert für Vortragsveranstaltungen/PODCAST-Projekt von den Firmena TAKEDA und STADA Pharm. Er hat eine Vorstandsfunktion in der Arbeitsgemeinschaft „Zentren für Seltene Erkrankungen“.

Prof. Kurth erhielt Gelder von Eli Lilly & Company, Teva Pharmaceuticals, Total Energies S.E., the BMJ und Frontiers

Prof. Riess wurden Gelder für Studien zuteil von der Firma Illumina.

Die übrigen Autorinnen und Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdateneingereicht: 23.12.2021, revidierte Fassung angenommen: 04.05.2022

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Heiko Krude

Institut Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie

Charité – Universitätsmedizin Berlin

13353 Berlin

heiko.krude@charite.de

Zitierweise
Rillig F, Grüters A, Bäumer T, Hoffmann GF, Choukair D, Berner R, Lee-Kirsch MA, Mücke M, Grasemann C, Ripke A, Zeltner L, Müller G, Glauch M, Graessner H, Hauck F, Klein C, Nöthen MM, Riess O, Mundlos S, Meitinger T, Kurt T, Wainwright KL, Schmitt J, Schramm C, Krude H: The interdisciplinary diagnosis of rare diseases—results of the Translate-NAMSE project. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 469–75. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0219

►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de

Zusatzmaterial
eMethodenteil, ePatientenfragebogen:
www.aerzteblatt.de/m2022.00219 oder über QR-Code

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*1 Die Autorinnen teilen sich die Erstautorenschaft.
*2 In dieser Publikation sind weitere Autorinnen und Autoren beteiligt. Sie sind in der Zitierweise und am Ende des Beitrags aufgeführt. Dort befinden sich auch ihre Affiliationen.
*3 Die Autoren teilen sich die Letztautorenschaft.
Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Dr. med. Franziska Rillig, Prof. Dr. med. Christoph Schramm
Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin: Prof. Dr. med. Annette Grüters, Prof. Dr. med. Heiko Krude
Berliner Centrum für Seltene Erkrankungen (BCSE), Charité – Universitätsmedizin Berlin, 13353 Berlin: Prof. Dr. med. Heiko Krude
Zentrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Schleswig Holstein Lübeck: Prof. Dr. med. Tobias Bäumer, Dr. med. Annekatrin Ripke
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Heidelberg: Prof. Dr. med. Georg F. Hoffmann, Dr. med. Daniela Choukair
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin und UniversitätsCentrum für Seltene Erkrankungen (USE), Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden: Prof. Dr. med. Reinhard Berner, Prof. Dr. med. Min Ae Lee-Kirsch
Zentrum für Seltene Erkrankungen Aachen (ZSEA), Universitätsklinikum Aachen: Prof. Dr. med. Martin Mücke
Centrum für Seltene Erkrankungen Ruhr, CeSER, Klinik für Pädiatrie, Katholisches Klinikum Bochum, Ruhr-Universität Bochum: Prof. Dr. med. Corinna Grasemann
Zentrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Tübingen: Dr. med. Lena Zeltner, Dr. rer. nat. Monika Glauch, Dr. rer. nat. Holm Graessner, Prof. Dr. med. Olaf Riess
Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden: Dr. med. Gabriele Müller, Prof. Dr. med. Jochen Schmitt
Kinderklinik und Kinderpoliklinik am Dr. von Haunerschen Kinderspital und Münchner Zentrum für Seltene Erkrankungen (M-ZSELMU), LMU Klinikum, München: Dr. med. Fabian Hauck, Prof. Dr. med. Christoph Klein
Institut für Humangenetik und Zentrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Bonn: Prof. Dr. med. Markus M. Nöthen
Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik, Universität Tübingen: Prof. Dr. med. Olaf Riess
Berliner Centrum für Seltene Erkrankungen (BCSE), Charité – Universitätsmedizin Berlin: Prof. Dr. med. Stefan Mundlos, Prof. Dr. med. Heiko Krude
Institut für Humangenetik, Charité – Universitätsmedizin Berlin: Prof. Dr. med. Stefan Mundlos
Institut für Humangenetik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München: Prof. Dr. med. Thomas Meitinger
Institut für Public Health, Charité – Universitätsmedizin-Berlin: Prof. Dr. med. Tobias Kurt, Kerstin L. Wainwright
Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Prof. Dr. med. Christoph Schramm
Häufigkeit gestellter Diagnosen von seltenen Erkrankungen (SE), Diagnosebeispiele
Grafik 1
Häufigkeit gestellter Diagnosen von seltenen Erkrankungen (SE), Diagnosebeispiele
Antwort auf die Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Projekt?
Grafik 2
Antwort auf die Frage: Wie zufrieden sind Sie mit dem Projekt?
Antwort auf die Frage: Warum ist die Kenntnis der Diagnose wichtig? Insgesamt 1 301 auswertbare Fragebögen
Grafik 3
Antwort auf die Frage: Warum ist die Kenntnis der Diagnose wichtig? Insgesamt 1 301 auswertbare Fragebögen
Beispiele einmalig gestellter Diagnosen (0–18 Jahre)
Kasten
Beispiele einmalig gestellter Diagnosen (0–18 Jahre)
Ergebnisüberblick
Tabelle
Ergebnisüberblick
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13.Bogart KR, Irvin VL: Health-related quality of life among adults with diverse rare disorders. Orphanet J Rare Dis 2017; 12: 177 CrossRef MEDLINE PubMed Central
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16.Berger A, Rustemeier AK, Göbel J, et al.: How to design a registry for undiagnosed patients in the framework of rare disease diagnosis: suggestions on software, data set and coding system. Orphanet J Rare Dis 2021; 16: 198 CrossRef MEDLINE PubMed Central
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Kommentare

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Avatar #705100
Grooterhorst
am Montag, 25. Juli 2022, 10:10

Endbilanz

Mit Interesse habe ich diesen Tätigkeitsberichte der Teams des NAMSE-Projekts gelesen. Es bedarf sicherlich Engagements, Idealismus und eines hohen Zeiteinsatzes der Kollegen, die hier mitarbeiten. Es bleiben für mich einige Fragen offen:
1. Bei einem Viertel der vorgestellten Patienten ist eine (wie validierte?) Diagnose möglich. Bei welchem Anteil von diesen folgt daraus eine Therapie, die den Verlauf er Erkrankung entscheidend verändert?
2. Wie hoch sind die Gesamtkosten (Organisation der Einrichtung, Personal, KOnferenzen, Gerätediagnostik) für eine Diagnose bzw. eine Diagnose mit Möglichkeit für eine relevante Therapie?
3. Bei 3/4 der Vorgestellten konnte keine Diagnose gestellt werden. Sind das Fehlzuweisungen, besonders fordernde oder Patienten mit funktionellen Störungen. Hätten sie vorher schon erkannt werden können?
Mit kollegialen Grüße
Dr.med. Peter Grooterhorst, Köln
Avatar #705100
Grooterhorst
am Montag, 25. Juli 2022, 10:03

Endbilanz

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