ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2022Affenpocken: Verimpfung ist Ländersache

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Affenpocken: Verimpfung ist Ländersache

Kurz, Charlotte

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Mehr als 45 000 Dosen des Impfstoffs Imvanex sind bislang in Deutschland angekommen. Die Durchführung der Impfkampagne gegen Affenpocken liegt in der Verantwortung der Länder. Vor allem HIV-Schwerpunktpraxen, Krankenhäuser und Gesundheitsämter übernehmen die Impfungen.

Erste Impfungen gegen Affenpocken sind inzwischen erfolgt. Dabei ist der Bedarf in den einzelnen Bundesländern sehr verschieden. Foto: Carsten Andersen
Erste Impfungen gegen Affenpocken sind inzwischen erfolgt. Dabei ist der Bedarf in den einzelnen Bundesländern sehr verschieden. Foto: Carsten Andersen

Kurz nach Bekanntwerden einiger Affenpockenfälle außerhalb afrikanischer Staaten, hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Mai 2022 Bestellungen des Impfstoffs Imvanex (Bavarian Nordic A/S) veranlasst.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den Impfstoff als Postexpositionsprophylaxe etwa nach einem sexuellen oder engen Kontakt mit einem Infizierten. Personen können auch eine Impfung mit Imvanex erhalten, die ein erhöhtes Expositions- und Infektionsrisiko haben, sich mit Affenpocken anzustecken.

Imvanex ist ein Lebendimpfstoff, der auf einem abgeschwächten Kuhpockenvirus (modifiziertes Vaccinia-Virus Ankara [MVA-Impfstoff]) beruht. Der Impfstoff ist im Menschen nicht vermehrungsfähig und hierzulande seit 2013 zum Schutz vor Pocken zugelassen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist eine kurzfristige Indikationserweiterung auch gegen Affenpocken in Europa in Vorbereitung.

In Deutschland gibt es laut RKI bereits 1 141 Fälle von Affenpocken (Stand 4. Juli 2022). Damit sieht das RKI derzeit nur eine geringe Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland.

Zwei Lieferungen bereits erfolgt

Die Bundesregierung hatte zunächst 240 000 Dosen von Imvanex bestellt. Davon sind 40 000 Dosen Mitte Juni angekommen, die restlichen Lieferungen sollen im Laufe des dritten Quartals 2022 erfolgen, erklärte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes. Entsprechend der Aufnahmefähigkeit der Länder wurden in Kalenderwoche 27 mehr als 30 000 dieser Dosen verteilt, heißt es weiter aus dem BMG. Die Organisation und Verimpfung sei dabei Ländersache. Am 1. Juli sei darüber hinaus eine weitere Impfstofflieferung (5 300 Dosen) angekommen, die Deutschland über die Bestellung der Europäischen Union (EU) zusätzlich erhalten hat. Auch diese Dosen werden auf die Länder verteilt. Das Deutsche Ärzteblatt hat bei allen Bundesländern nachgehakt, welche Stellen die Impfstoffe verabreichen und wie viele Impfdosen in den Ländern jeweils zur Verfügung stehen.

In Baden-Württemberg ist die Verimpfung von 4 000 Impfdosen Imvanex vorrangig in den HIV-Schwerpunktpraxen geplant, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Stuttgart. „Besonders die Lageranforderungen des Impfstoffes von –20 °C stellen eine Herausforderung für die Logistik dar“, erklärte sie.

Auch in Bayern werden zwischen 3 500 und 3 800 Impfdosen in geeigneten HIV-Schwerpunktpraxen verimpft, so eine Ministeriumssprecherin. In Niedersachsen wird der Impfstoff (1 200 Dosen) ebenfalls an die HIV-Schwerpunktpraxen verteilt, erläuterte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover. Die Impfungen in Niedersachsen laufen bereits seit Ende Juni.

Rheinland-Pfalz will die Impfungen über die drei HIV-Schwerpunktambulanzen (Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Klinikum der Stadt Ludwigshafen, Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern) und HIV-Schwerpunktpraxen in Mainz, Worms, Koblenz und Trier organisieren. Das Bundesland hat dafür 700 Affenpockenimpfdosen erhalten, sagte eine Pressesprecherin des Mainzer Gesundheitsministeriums.

Weitere 240 Impfdosen gingen nach Brandenburg. Dort wird in der HIV-Schwerpunktpraxis in Blankenfelde-Mahlow seit Anfang Juli geimpft, zudem bietet auch der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) in Potsdam die Impfungen an, erläuterte ein Sprecher des Potsdamer Gesundheitsministeriums.

Verteilung des Impfstoffs Imvanex (Bavarian Nordic A/S)
Tabelle
Verteilung des Impfstoffs Imvanex (Bavarian Nordic A/S)

Berlin hat größten Bedarf

Ähnlich ist es im Nachbarland geregelt. Die Berliner HIV-Schwerpunktpraxen, die Charité und die Klinik für Infektiologie des St. Joseph-Krankenhauses Tempelhof übernehmen die Impfungen in der Hauptstadt. Zudem könnten auch weitere Stellen wie etwa das Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung oder Gesundheitsämter beteiligt werden, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit. Anfang Juli sollen die Impfungen starten. Berlin hat dabei den größten Anteil mit 8 000 Impfdosen erhalten. Diese Zahl könnte sich zudem bald noch erhöhen. „Aufgrund der besonderen Betroffenheit könnte Berlin bei Einverständnis aller Länder noch mehr Impfdosen erhalten.“ Zum Stand 1. Juli 2022 verzeichnete Berlin 716 Affenpockenfälle; inklusive weiterer Lieferungen rechnet die Senatsverwaltung mit bis zu 80 000 Impfdosen für die deutsche Hauptstadt.

Nordrhein-Westfalen hat bereits 7 300 Impfdosen erhalten und verimpft diese über die HIV-/ Infektionsambulanzen der Universitätskliniken und teilnehmenden HIV-Schwerpunktpraxen. Die Gesundheitsämter vermitteln exponierte Personen im Rahmen der Kontaktnachverfolgung an die Impfstellen.

Andere Länder wollen die Impfungen ausschließlich über den ÖGD organisieren; so zum Beispiel Sachsen-Anhalt. Das Bundesland hat Impfdosen im „niedrigen dreistelligen Bereich“ erhalten, so eine Sprecherin des Magdeburger Gesundheitsministeriums. Auch Hessen überlässt die 2 000 Impfdosen den Gesundheitsämtern, informierte das Sozialministerium in Wiesbaden. „Die 24 Gesundheitsämter können die Impfstoffe aus dem hessischen Landeslager nach Bedarf abrufen und organisieren eine Impfung in eigener Verantwortung“, heißt es weiter.

Mecklenburg-Vorpommern hat sich entschieden, seine 340 Impfdosen in der Impfsprechstunde der Universitätsmedizin Rostock zu verimpfen. Bei Bedarf können auch die Gesundheitsämter die Impfungen vornehmen, erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Schwerin. Auch in Schleswig-Holstein sollen zunächst 400 Dosen in den Ambulanzen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel und Lübeck sowie an der HIV-Ambulanz des Städtischen Krankenhauses in Kiel verimpft werden, so das Kieler Gesundheitsministerium.

Sachsen verimpft in Kliniken

Ausschließlich in Krankenhäusern wiederum impft Sachsen gegen Affenpocken. Dort sind 860 Impfdosen an das Städtische Klinikum Dresden, Klinikum St. Georg Leipzig und Klinikum Chemnitz ausgeliefert worden, informierte das sächsische Gesundheitsministerium. Die Impfungen sind bereits Ende Juni gestartet. In Bremen soll der Impfstoff, solange nur wenige Impfdosen (238) zur Verfügung stehen, nur für die Postexpositionsprophylaxe verwendet werden, erklärte ein Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin. Da in der Hansestadt bislang aber nur ein positiver Fall gemeldet wurde (Stand 1. Juli 2022), sei noch keine Impfung von Kontaktpersonen erfolgt. „Die genaue Verteilung würde im Bedarfsfall über die Gesundheitsämter und eventuell auch Schwerpunktpraxen erfolgen“, so der Sprecher.

In Thüringen oder dem Saarland stand zum Redaktionsschluss noch kein fertiges Impfkonzept. Dieses werde noch erarbeitet, hieß es aus den jeweiligen Gesundheitsministerien. Thüringen hat 140 Impfdosen erhalten, im Saarland sind es 220 Dosen. Hamburg hat bis zum Redaktionsschluss keine Informationen zurückgemeldet. Charlotte Kurz

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