ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2000Israel: Denkmuster der Nachkriegszeit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Israel: Denkmuster der Nachkriegszeit

Dtsch Arztebl 2000; 97(16): A-1030 / B-857 / C-801

Stegemeyer, Hans-Roland

Zu den Leserbriefen „Dialog weder möglich noch erwünscht“ von Dr. med. Wolfhart-Dietrich Schmidt und „Tief betroffen“ von Dr. med. Andreas Pfeifer in Heft 11/2000, die sich auf den Beitrag „Deutsch-israelischer Dialog“ von Gisela Klinkhammer in Heft 5/2000 bezogen:
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LNSLNS Da sind sie wieder, die
antisemitischen Denkmuster des Nachkriegsdeutschland im Leserbrief des Dr. Schmidt: die Unversöhnlichkeit der Juden nach dem Holocaust („. . . fällt es mir schwer, an eine Versöhnung zu glauben, so wie die Juden sich heute verhalten.“) und die Aufrechnung von Unrecht als Versuch der Verharmlosung des Geschehenen („. . . was auf jüdischer Seite nicht in Ordnung ist oder war.“). Die Juden – wer ist gemeint? Die jüdischen Bürger in Deutschland? Die Israelis? – sollen als Fremde ausgegrenzt werden: ein weiteres antisemitisches Stereotyp, da nützen auch die Rechtfertigungen und Klarstellungen des Autors nichts.
Und was die „Würde des deutschen Menschen nach dem Holocaust“ angeht: hier sei an den früheren Bun-
despräsidenten Richard von Weizsäcker erinnert, der in seiner Rede vom 8. Mai 1985 zu Recht feststellte, wir Deutschen hätten „wahrlich keinen Grund zu Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit“.
In einem Gespräch mit Elie Wiesel äußerte der Schriftsteller Jorge Semprun, er glaube, dass ein „Großteil der deutschen Jugend Trauerarbeit geleistet und sich mit der Geschichte ihres Landes und ihres Volkes gründlich auseinander gesetzt hat“. Wenn man die Leserbriefe liest, kann man nur hoffen, dass er nicht irrt.
Dr. med. Hans-Roland Stegemeyer, Weißbuchenweg 2, 94405 Landau an der Isar
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