ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2000Sprachliches: Wortsalat

SPEKTRUM: Leserbriefe

Sprachliches: Wortsalat

Dtsch Arztebl 2000; 97(17): A-1094 / B-910 / C-852

Ulmer, Jan

Zu dem Beitrag „Evidenzbasierte Medizin: Umsetzbarkeit und Umsetzung in die deutsche Praxis“ von Dr. med. Lutz Fritsche et al. und dem Beitrag „Vom Für und Wider der Hormon-Ersatztherapie bei Männern“ von Dr. Renate Leinmüller in Heft 12/2000:
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LNSLNS Leider scheint es sich bei uns für die Veröffentlichung von Beiträgen zu bewähren, die deutsche Sprache mit nicht notwendigen Fremdworten anzureichern und damit die Missverständlichkeit zu fördern.
Ein hervorragendes Beispiel scheint mir der Gebrauch des Begriffes „evidence based medicine“ zu sein. Im Englischen bedeutet „evidence“ Beweis(-material). Evidence based bedeuted daher auf Beweisen beruhend.
Der im Deutschen gebrauchte Begriff „Evidenz“ bedeutet dagegen völlige Klarheit im Sinne von offensichtlich, auf der Hand liegend.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass scheinbar offensichtlich klare Verhältnisse nicht zwangsläufig zutreffend sein müssen. Andererseits sind beweisbare Tatbestände (evidence based) nicht zwangsläufig offensichtlich (evident), sondern häufig erst durch gewissenhafte Untersuchungen herauszufinden.
Durch die kritiklose Übertragung von evidence based in evidenzbasiert wird einem grundlegenden Missverständnis Vorschub geleistet. Was bedeutet der Satz: „Evidenz zu Umsetzbarkeit und Umsetzung evidenzbasierter Medizin in die Praxis ist somit vorhanden“?
Die Offensichtlichkeit (damit aber nicht zwangsläufig auch Beweisbarkeit) der Umsetzbarkeit ist vorhanden, oder der Beweis der Umsetzbarkeit ist vorhanden? Was hindert uns, einfach „beweisfundierte Medizin“ oder Ähnliches zu schreiben. Es wäre klar, was gemeint ist.
Dr. med. Jan Ulmer, Im Winkel 9, 24955 Harrislee
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