ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Ärztekammer Sachsen-Anhalt reagiert auf Bestechungsvorwürfe

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Ärztekammer Sachsen-Anhalt reagiert auf Bestechungsvorwürfe

Dauth, Sabine

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LNSLNS MAGDEBURG. Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hat Stellung genommen zu Vorwürfen im "Focus" vom 24. Juni, Ärzte hätten sich von der Pharmafirma "Alpha Therapeutic" in Langen/Hessen bestechen lassen. Sie schreibt, erst eine Überprüfung durch die Justiz werde Aufschluß über Schuld oder Unschuld der Ärzte geben. Weiter wird auf die Berufsordnung verwiesen. Sie verbietet es Ärzten, für die Verordnung von Arzneimitteln vom Hersteller oder Händler eine Vergütung oder Vergünstigung zu fordern.
In dem "Focus"-Artikel wird behauptet, Alpha habe von 1992 bis 1994 etwa 4,5 Millionen DM Schmiergelder an mehr als 80 Ärzte und Kliniken gezahlt. Im Gegenzug hätten die Ärzte ihren Hämophilie-Patienten Produkte des Unternehmens verordnet. Begünstigt worden seien vor allem ostdeutsche Ärzte.
Prof. Dr. med. habil. Walter Brandstädter, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, berichtete auf Anfrage, man habe zunächst jene Ärzte im Kammerbereich um eine Stellungnahme gebeten, die vermutlich gemeint seien. Drei von ihnen haben den Vorwurf der Bestechung zurückgewiesen. Eine Antwort stehe noch aus.
Die Kammer will nun abwarten, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben. "Wir nehmen die Sache sehr ernst", erklärte Prof. Brandstädter. Das Problem seien vermutlich auch in diesem Fall die Beraterverträge von Ärzten. Für eine Kammer sei es schwierig nachzuweisen, ob für Vergütungen tatsächlich eine angemessene Leistung erbracht worden sei. So lasse sich mancher Arzt beispielsweise einen Vortrag mit 500 DM bezahlen, ein anderer mit 8 000 DM.
Gegen die Firma Alpha wird inzwischen noch von anderer Seite ermittelt: Das Regierungspräsidium in Darmstadt hat Medikamente beschlagnahmt und prüft einen Rückruf der Faktor-VIII-Präparate. Zudem wird geklärt, ob dem Unternehmen die Herstellungserlaubnis entzogen werden soll. th
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