ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2022Gefahren durch heimische Früchte und heimisches Gemüse
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Dem interessanten Übersichtsartikel von Wendt et al. (1) darf hinzugefügt werden, dass auch von heimischen unreifen Früchten oder heimischem Gemüse eine Gefahr für die Gesundheit ausgehen kann (2, 3):

Die Kartoffel (ein Nachtschattengewächs) enthält Solanin (ein Alkaloid) in der Schale, das der Abwehr von Schädlingen dient. Solanin kann benommen machen sowie Kopfschmerzen und Magen-Darm-Probleme verursachen. Nicht zuletzt ist es lebertoxisch.

Gekochte grüne Bohnen sind ungefährlich und gesund, die rohen Schoten dagegen können einen hohen Prozentsatz an Phasin aufweisen. Diese Eiweißverbindungen können zu Magen- und Darm-Problemen führen und auch bewirken, dass Erythrozyten agglutinieren, was im Extremfall letal sein kann. Erst durch hohe Temperaturen von 90–100°C beim Kochen (mindestens 15 Minuten) wird Phasin zerstört. Bohnen sollten also besser nicht zu viel Biss haben und immer gründlich durchgegart werden.

Stangen, Schalen, aber vor allem die Blätter von Rhabarber enthalten Oxalsäure, immerhin etwa 500 mg pro 100 g Pflanze. Diese kann nicht nur Zähnen schaden und Nierensteine auslösen, sondern in größeren Mengen auch zu Vergiftungserscheinungen mit Kopfschmerzen und Erbrechen führen. Je später Rhabarber im Jahr geerntet wird, umso mehr Oxalsäure enthält er. Am sichersten sollte man Rhabarber daher im Frühjahr genießen.

Rote Beete (eine Rübensorte) enthält wie Rhabarber viel Oxalsäure, sollte daher immer gut geschält und am besten gekocht – allerdings nicht mehrfach erhitzt werden. Rote Beete weisen nämlich auch Nitrat auf, das sich dadurch in potenziell krebserregende Nitrosamine umwandelt.

Gefährdet können auch Hobbybäuerinnen/-bauern und Schrebergärtnerinnen/-gärtner sein: Insbesondere bei Kürbis oder Zucchini können durch versehentliche Kreuzungen/Rückzüchtungen gelegentlich tödliche, eigentlich zuvor herausgezüchtete Toxine (Curcubitacin) entstehen.

DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0272

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Dipl. Chem. Michael G. Haufs

Münster

michaelhaufs@gmx.de

1.
Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Poisoning by plants. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 317–24 VOLLTEXT
2.
World Health Organization (WHO): Natural toxins in food 2022; www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/natural-toxins-in-food (last accessed on 7 July 2022).
3.
Sultan A, Afroza B, Mufti S,et al.: Vegetable food toxicants and their harmful effects on health. Int J Curr Microbiol App Sci 2020; Special Issue 11: 1923–36 .
1.Wendt S, Lübbert C, Begemann K, Prasa D, Franke H: Poisoning by plants. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 317–24 VOLLTEXT
2.World Health Organization (WHO): Natural toxins in food 2022; www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/natural-toxins-in-food (last accessed on 7 July 2022).
3.Sultan A, Afroza B, Mufti S,et al.: Vegetable food toxicants and their harmful effects on health. Int J Curr Microbiol App Sci 2020; Special Issue 11: 1923–36 .

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