ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2000Schwangerschaft und Stillzeit: Antibiotikawahl bei Infektionen

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Schwangerschaft und Stillzeit: Antibiotikawahl bei Infektionen

Dtsch Arztebl 2000; 97(17): A-1158 / B-986 / C-926

Gabler-Sandberger, Elisabeth

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LNSLNS Infektionen während der Schwangerschaft und Stillzeit sind mit vielfältigen Fragestellungen verbunden. Neben den Infektionen mit eindeutiger klinischer Symptomatik ist nach heutiger Erkenntnis die Fehlbesiedelung der Vagina als Ursache für Frühgeburtlichkeit zu bedenken (Tabelle 1). Etwa 50 Prozent der Fälle von Frühgeburtlichkeit sind mit einer Störung der Vaginalflora assoziiert. Durch Aszension kommt es zu einer Infektion des unteren Eipols, die zum vorzeitigen Blasensprung und schließlich zur vorzeitigen Wehentätigkeit führt.
Die gestörte Vaginalflora lässt sich am Nasspräparat gut nachweisen. Die mikroskopische Beurteilung eines Vaginalabstriches sollte daher integraler Bestandteil jeder frauenärztlichen Konsultation während der Schwangerschaft sein, wie auf einem Symposium der Grünenthal GmbH in Aachen berichtet wurde. Die mikrobiologische Untersuchung führt im Idealfall zum Nachweis von Erregern mit eindeutiger Pathogenität (A- oder B-Streptokokken, Chlamydien), die eine klare Indikation für eine systemische Antibiotikatherapie darstellen. Es ist aber auch möglich, dass sich aus dem mikrobiologischen Befund kein eindeutiger Anhalt für eine gezielte Chemotherapie ableiten lässt.
Im Fall der gestörten Vaginalflora hat es sich bewährt, durch Ansäuern mit einem langsam freigesetzten Vitamin-C-Präparat (VagiC Vaginaltabletten) die Erholung der Döderlein-Flora zu unterstützen. Die Notwendigkeit einer systemischen Antibiotikatherapie muss je nach Befund, zeitlicher Konstellation und Vorgeschichte abgewogen werden. Eine Normalisierung der Vaginalflora sollte in jedem Fall bereits frühzeitig angestrebt werden, um der Keimaszension vorzubeugen.
Die Behandlung bakterieller Infektionen in der Schwangerschaft und Stillzeit stützt sich im Wesentlichen auf b-Laktam-Antibiotika. Penicilline und Cephalosporine sind bei den meisten Infektionen die Mittel der ersten Wahl. Als Alternative bei Allergie gegen b-Laktame und für die Behandlung der Chlamydieninfektionen stehen Makrolide zur Verfügung. In Tabelle 2 sind die Substanzen aufgeführt, die in der Schwangerschaft mit und ohne Einschränkung einsetzbar sind, sowie die Substanzen, die kontraindiziert sind.
Prof. Eiko Petersen (Freiburg) verwies in Aachen mit Nachdruck darauf, dass es unerlässlich ist, Infektionen in der Schwangerschaft und Stillzeit adäquat und konsequent mit Antibiotika zu behandeln. Bei schwerer Infektionserkrankung der Mutter gebe es keine Kontraindikation gegen eine Antibiotikabehandlung. Eine Antibiotikatherapie aus Ängstlichkeit vor Nebenwirkungen zu unterlassen ist, so Petersen, ein Fehler mit möglichen fatalen Folgen für Mutter und Kind.
Schwangere müssten vor allem dann eindringlich über die Notwendigkeit und Sicherheit der Antibiotikatherapie aufgeklärt werden, wenn die Infektion nicht zu einer subjektiv beeinträchtigenden Symptomatik führt. Dies gilt beispielsweise für die Behandlung der vaginalen Fehlbesiedelung.
Tragische Todesfälle durch Streptokokken bei Frauen nach der Entbindung haben sich in den letzten Jahren gehäuft. Sie zeigen, dass das klinische Bild der Puerperalsepsis zu wenig im Bewusstsein der Ärzte verankert ist. Eine Besiedlung der Vagina mit A-Streptokokken ist grundsätzlich als pathologisch anzusehen und eine eindeutige Indikation für die systemische Antibiotikatherapie. Die Infektion mit A-Streptokokken zeichnet sich durch starke Schmerzen aus, bevor es zum Fieberanstieg kommt. Bei foudroyantem Verlauf unterdrückt die Infektion mit A-Streptokokken Abwehrreaktionen des Körpers, sodass es zum septischen Schock kommt, bevor die klassischen Entzündungszeichen (Fieber und Leukozytose) aufgetreten sind. Einziger Hinweis auf die schwere bakterielle Infektion kann dann eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins (CRP) im Plasma sein.
Operative Eingriffe wie die Sectio sind eine eindeutige Indikation für eine Antibiotikaprophylaxe. Bei Auftreten einer Mastitis sollte frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden (Tabelle 3). Eine Verzögerung der Therapie öffnet den Weg für einen langfristigen und möglicherweise komplikationsreichen Verlauf. Im Allgemeinen wird heute geraten, unter Antibiotikatherapie nicht abzustillen.
Dr. med. Elisabeth
Gabler-Sanderberg
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