ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2000Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (gemeinsame Einrichtung von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung) - Checkliste: Methodische Qualität von Leitlinien

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Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (gemeinsame Einrichtung von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung) - Checkliste: Methodische Qualität von Leitlinien

Dtsch Arztebl 2000; 97(17): A-1170 / B-997 / C-934

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LNSLNS 2. Version (8/1999) Gültig: bis 31. August 2000
Bewertungsinstrument des Leitlinien-Clearingverfahrens

Einführung
Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und Spitzenverbände der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen (BÄK, KBV, DKG, GKV) fördern und unterstützen gemeinsam wissenschaftlich begründete und praktikable Leitlinienprogramme in der Medizin. Sie sehen Leitlinien an als
c Hilfen für ärztliche Entscheidungsprozesse im Rahmen einer leistungsfähigen Versorgung der Patienten;
c wesentliche Bestandteile von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement;
c Instrumente zur Verbesserung der Versorgungsergebnisse, zur Minimierung von Behandlungsrisiken und zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit;
c Hilfen für die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung (1, 2).
Zur Unterstützung wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien, haben die Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung 1997 ein Programm zur Qualitätsförderung von Leitlinien gestartet.
Mit Unterstützung namhafter Experten wurden folgende Instrumente und Maßnahmen entwickelt:
! Die „Beurteilungskriterien für Leitlinien in der medizinischen Versorgung“ (Leitlinie für Leitlinien) beschreibt die Ziele und Qualitätsanforderungen für Leitlinien (1).
! Mit der „Checkliste zur methodischen Qualität von Leitlinien“ lassen sich die Qualitätskriterien guter Leitlinien systematisch erfassen und dokumentieren (3, 4). Zur Checkliste ist ein Leitlinien-Manual erhältlich (5).
! Durch das „Leitlinien-Clearingverfahren“ von BÄK und KBV in Kooperation mit DKG und GKV werden Leitlinien, die den Qualitätskriterien entsprechen, gekennzeichnet, gefördert (2) und über
! „Leitlinien-In-Fo“ – das Online-Informations- und Fortbildungsprogramm der ÄZQ – bekannt gemacht (4).
Die Checkliste zur methodischen Qualität von Leitlinien, die hiermit in einer 2., überarbeiteten Version vorgelegt wird, orientiert sich an ähnlichen Instrumenten aus den USA, Schottland und England (6–8).
Sie wurde durch Mitglieder des „Expertenkreises Leitlinien“ der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung erarbeitet, in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Im Vergleich zur 1. Version (1998) wurden durch die Überarbeitung terminologische Unklarheiten beseitigt und Anregungen aus einem europäischen Projekt zur Leitlinienbewertung (9) aufgenommen.
Form der Checkliste und Anzahl der Fragen wurden beibehalten. Die Lektüre des Leitlinien-Manuals (5) wird weiterhin empfohlen.
Wie die Erfahrungen im In- und Ausland (8, 10) zeigen, kann eine solche „Checkliste“ insbesondere für Autoren und Herausgeber, aber auch für Nutzer von Leitlinien hilfreich sein. Es wäre wünschenswert, wenn die vorliegende deutsche Version die zahlreichen Bemühungen um gute Leitlinien in der Medizin unterstützen könnte.

Die Checkliste zur methodischen Qualität von Leitlinien ist Bewertungsinstrument des Leitlinien-Clearingverfahrens (2).
Literatur
 1. Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung: Beurteilungskriterien für Leitlinien in der medizinischen Versorgung. Dt Ärztebl 1997; 94: A-2154–2155 [Heft 33].
 2. Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung: Das Leitlinien-Clearingverfahren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Spitzenverbänden der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen. Dt Ärztebl 1999; 96: A-2105–2106 [Heft 33]. http://www.leitlinien.de
 3. Ollenschläger G, Helou A, Kostovic-Cilic L, Perleth M, Raspe HH, Rienhoff O, Selbmann HK, Oesingmann U: Die Checkliste zur methodischen Qualität von Leitlinien. Z ärzt Fortb Qual sich (ZaeFQ) 1998; 92: 191–194.
 4. Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (Hrsg.): Leitlinien-In-Fo. ÄZQ-Schriftenreihe Band 1. München, Zuckschwerdt 1999, S. 39–61. http://www.leitlinien.de
 5. Helou A, Kostovic-Cilic L, Ollenschläger G: Nutzermanual zur Checkliste „Methodische Qualität von Leitlinien“. Köln, Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung. In (4).
 6. Lohr KN, Field MJ: A provisional instrument for assessing clinical practice guide-
lines. In: Field MJ, Lohr KN (Hrsg.): Guidelines for clinical practice. From development to use. Washington DC. National Academy Press 1992.
 7. Scottish Intercollegiate Guidelines Network. Clinical Guidelines – Criteria for Appraisal for National Use. http://pc47. cee.hw.ac.uk/sign/critmain.html
 8. Cluzeau F, Littlejohns P, Grimshaw J, Feder G, Moran S: Development and application of a generic methodology to assess the quality of clinical guidelines. Int Journ Qual Health Care 1999; 11: 21–28.
 9. Appraisal of Guidelines, Research & Eval-
uation in Europe (AGREE) Instrument. Draft, May 1999. BIOMED project PL 96-3669. Deutscher Kooperationspartner: Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung.
10. Gerlach FM, Beyer M, Berndt M, Szecsenyi J, Abholz HH, Fischer GC: Das
DEGAM-Konzept – Entwicklung, Verbreitung, Implementierung und Evalua-
tion von Leitlinien für die hausärztliche Praxis. Z ärzt Fortb Qual sich (ZaeFQ) 1999; 93: 111–120.


1. Fragen zur Qualität der Leitlinienentwicklung
lfd. Nr. Verantwortlichkeit für die Leitlinienentwicklung j n uk na2
1.1 Wird die für die Leitlinienentwicklung verantwortliche Institution klar genannt? n n n –
1.2 Existieren detaillierte Angaben über finanzielle oder andere Formen der
Unterstützung durch Dritte? n n n –
1.3 Falls Unterstützung seitens kommerzieller Interessengruppen erfolgte
beziehungsweise Hinweise auf mögliche Verpflichtungen/Interessenkonflikte existieren,
wurde die mögliche Einflussnahme auf die Leitlinie diskutiert? n n n –n
Autoren der Leitlinie j n uk na
1.4 Sind die an der Erstellung der Leitlinie Beteiligten (Fach-, Interessen-, Patienten-
gruppen) hinsichtlich ihrer Funktion und der Art ihrer Beteiligung klar genannt? n n n –
1.5 Waren an der Erstellung der Leitlinie die von den Empfehlungen im Wesentlichen
Betroffenen (die mit der Thematik befassten Fachdisziplinen und Patienten) beteiligt? n n n –n
Identifizierung und Interpretation der Evidenz j n uk na
1.6 Werden Quellen und Methoden beschrieben, mit deren Hilfe die den Empfehlungen
zugrunde liegenden Belege (Evidenz) gesucht, identifiziert und ausgewählt wurden? n n n –
1.7 Sind die Informationsquellen und Suchtstrategien nachvollziehbar dokumentiert? n n n –n
1.8 Werden die Methoden zur Interpretation und Bewertung der Evidenzstärke genannt? n n n ––
Formulierung der Leitlinienempfehlungen j n uk na
1.9 Werden die zur Auswahl der Leitlinienempfehlungen eingesetzten Methoden genannt? n n n –
1.10 Werden die zur Konsentierung der Leitlinienempfehlungen eingesetzten Verfahren
genannt? n n n –
1.11 Wird erwähnt, wie die Vorstellungen von interessierten Gruppen, die nicht an der
Leitlinienerstellung beteiligt waren, berücksichtigt wurden? n n n –
1.12 Ist die Verknüpfung der wichtigsten Empfehlungen mit der zugrunde liegenden
Evidenz exakt dokumentiert? n n n n
Gutachterverfahren und Pilotstudien j n uk na
1.13 Ist die Leitlinie vor der Veröffentlichung durch unabhängige Dritte begutachtet worden? n n n –
1.14 Werden die Methoden, Kommentierungen, Konsequenzen einer Begutachtung erwähnt? n n n n
1.15 Wurde die Leitlinie einer Vortestung oder einem Pilotversuch unterzogen? n n n –
1.16 Werden die Methoden, Ergebnisse und Konsequenzen eines Pilotversuchs erwähnt? n n n n
1.17 Wurde die Leitlinie mit anderen thematisch vergleichbaren Leitlinien verglichen? n n n n
Gültigkeitsdauer/Aktualisierung der Leitlinie j n uk na
1.18 Ist in der Leitlinie ein Zeitpunkt genannt, zu dem sie überprüft/aktualisiert werden soll? n n n n
1.19 Sind Zuständigkeit und Verfahrensweisen für Überprüfung/Aktualisierung klar definiert? n n n n
Transparenz der Leitlinienerstellung j n uk na
1.20 Wurden die möglichen systematischen Fehler/Konflikte umfassend diskutiert? n n n –
1.21 Existiert eine zusammenfassende Darstellung über den Inhalt, die Empfehlungen der
Leitlinie sowie über die Methodik der Erstellung (zum Beispiel in Form eines
Leitlinien-Reports)? n n n –


2. Fragen zu Inhalt und Format der Leitlinie
Ziele der Leitlinie j n uk na2
2.1 Sind die Gründe für die Leitlinienentwicklung explizit genannt? n n n –
2.2 Sind die Ziele der Leitlinie eindeutig definiert? n n n –
Kontext (Anwendbarkeit/Flexibilität) j n uk na
2.3 Ist (sind) die Patienten-Zielgruppe(n) der Leitlinie eindeutig definiert (zum Beispiel
hinsichtlich Geschlecht, Alter, Krankheitsstadium, Begleiterkrankungen usw.)? n n n –n
2.4 Sind die Anwender, an die sich die Leitlinie richtet, eindeutig definiert
(zum Beispiel die ärztliche Zielgruppe)? n n n –n
2.5 Enthält die Leitlinie Angaben über Situationen, in denen spezielle Empfehlungen der
Leitlinie nicht berücksichtigt werden können oder sollen? n n n –n
2.6 Wurden Ansichten, Präferenzen und mögliche Reaktionen der Patienten-
Zielgruppe(n) berücksichtigt? n n n –n
Klarheit, Eindeutigkeit j n uk na
2.7 Beschreibt die Leitlinie das behandelte Gesundheits-/Versorgungsproblem eindeutig
und in allgemein verständlicher Sprache? n n n –
2.8 a) Sind die Empfehlungen logisch, inhaltlich konsistent, eindeutig, leicht nachvollziehbar
dargestellt und übersichtlich präsentiert? n n n –
b) Enthält die Leitlinie wesentliche (Schlüssel-)Empfehlungen, die leicht
zu identifizieren sind? n n n –
2.9 Sind die in Frage kommenden Handlungsalternativen und die Entscheidungskriterien
für ihre Auswahl präzise beschrieben? n n n –
2.10 Liegen differenzierte Empfehlungen zur Entscheidung hinsichtlich ambulanter oder
stationärer Versorgung vor? n n n n
2.11 Existieren Angaben darüber, welche Maßnahmen notwendig erscheinen? n n n n
2.12 Existieren Angaben über Maßnahmen, die unzweckmäßig, überflüssig, obsolet erscheinen? n n n n
Nutzen, Nebenwirkungen, Kosten, Ergebnisse j n uk na
2.13 Wird der bei Befolgen der Leitlinie zu erwartende gesundheitliche Nutzen bezüglich
zum Beispiel Morbidität, Mortalität, Symptomatik, Lebensqualität genannt? n n n n
2.14 Werden die bei Befolgen der Leitlinie möglichen Risiken (Nebenwirkungen und
Komplikationen) der Diagnostik/Therapie genannt? n n n n
2.15 Wurden bei der Formulierung der Empfehlungen die Folgen für Kosten und
andere Ressourcen berücksichtigt? n n n n
2.16 Wird eine Abwägung der möglichen Vorteile, Risiken, Kosten vorgenommen, und unter-
stützt dies die vorgeschlagene Vorgehensweise? n n n n


3. Fragen zur Anwendbarkeit der Leitlinie
Verbreitung und Implementierung j n uk na
3.1 a) Existieren Instrumente/Maßnahmen, die die Anwendung der Leitlinien unterstützen können? n n n n
b) Wurden die möglichen Probleme bezüglich der Einstellungs- oder Verhaltensänderungen
von Ärzten und anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen bei Anwendung
der Leitlinien berücksichtigt? n n n n
c) Wurden die möglichen organisatorischen Hindernisse der Leitlinien-Anwendung berücksichtigt? n n n n
3.2 Nur für überregionale Leitlinien:
Existieren Empfehlungen zur Methode der regionalen Anpassung der Leitlinie? n n n n
Überprüfung der Anwendung j n uk na
3.3 Wird in der Leitlinie erwähnt, wie aus den Empfehlungen messbare Kriterien/Indikatoren
abgeleitet werden können, um das Befolgen der Leitlinien zu ermitteln? n n n –n
3.4 Werden messbare Kriterien/Indikatoren genannt, anhand derer der Effekt der
Leitlinienanwendung überprüft werden kann? n n n –n



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