ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2000Erfolgsorientiertes Honorar: Viel Lärm um nichts

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Erfolgsorientiertes Honorar: Viel Lärm um nichts

Dtsch Arztebl 2000; 97(18): A-1173 / B-975 / C-918

Gerst, Thomas

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LNSLNS Schöne Ostertage, Politiker im verdienten Urlaub, keine Pressetermine – so mancher Medienvertreter mag da nach dem rettenden Strohhalm greifen. Mehrere Wochen liegt es zurück, dass der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, Herbert Rebscher, am Telefon mit der „Welt“ über ein Modellprojekt der Gmünder Ersatzkasse sprach, bei dem sich die Pflegesätze für Reha-Kliniken bei Rücken- und Knieerkrankungen am Behandlungserfolg orientieren sollen. Dabei ging es auch um die Ausweitung dieser erfolgsorientierten Honorierung auf bestimmte andere ärztliche Leistungsbereiche. Am Osterdienstag sorgte dann die Zeitung mit dem etwas in die Irre führenden Aufmacher „Kassen wollen Ärzte nach Leistung bezahlen“ für bundesweite Aufmerksamkeit. Binnen kurzem wurde das Thema in unzähligen Presse- und Rundfunkkommentaren behandelt – eine Medienlawine war losgetreten, die zunächst alle vorgebrachten Differenzierungsversuche überrollte. Am nächsten Tag hatte sich der Sachverhalt bereits zur „Bild“-Überschrift „Muss ich meinem Arzt mehr zahlen, wenn der Schnupfen früher weg ist?“ verdichtet.
Dabei sind die Vorstellungen Rebschers weder neu, noch stehen sie völlig im Gegensatz zur innerärztlichen Diskussion. Das machte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, in einer ersten Stellungnahme deutlich. Allerdings sieht er in der Erfolgsorientierung nur eine mögliche Ergänzung der ärztlichen Vergütungsordnung. In Westfalen-Lippe hat zum Beispiel die Kassenärztliche Vereinigung mit der Barmer Ersatzkasse ein erfolgsorientiertes Honorarmodell für die Behandlung von Diabetikern vereinbart. Beim Gros der ärztlichen Behandlungsfälle – und dem wird auch Rebscher zustimmen – können solche Modelle nicht zum Tragen kommen, da ein Behandlungserfolg nicht allein vom Arzt abhängt und darüber hinaus auch kaum messbar ist. Wichtig ist es, eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen. Richter-Reichhelm wies darauf hin, dass die KBV mit dem EBM zurzeit ein Gebührensystem vorbereite, das die Einhaltung von Qualitätsleitlinien belohne. Dr. Thomas Gerst
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