ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2000Bundes­aus­schuss: Diskriminierung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Bundes­aus­schuss: Diskriminierung

Dtsch Arztebl 2000; 97(18): A-1179 / B-1014 / C-910

Patz, Gerhard

Zu dem Beitrag „Ansprüche der Versicherten präzisieren“ von Karl Jung et al. in Heft 7/2000:
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LNSLNS Der Bundes­aus­schuss Ärzte und Krankenkassen (BaÄK) hat am 10. Dezember 1999 entschieden, dass die ambulante nichtsynchrone Balneo-Phototherapie (ABP) als vertragsärztliche Leistung nicht mehr erstattet werden darf. Diese Entscheidung betrifft nicht die stationäre nichtsynchrone ABP und auch nicht die synchrone ABP. Auch die Therapie am Toten Meer darf weiter bezahlt werden. Es handelte sich bei dem Modell ABP nicht um eine neue Therapiemethode, wie der BaÄK meinte, sondern vielmehr um die Erprobung einer bewährten Methode im ambulanten Bereich.
Die Bewertungskriteri-
en des BaÄK: therapeuti-sche Wirksamkeit, medizinische Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit, ausreichende Erprobung und Qualitätssicherung erfüllt die ABP. Sie wurde politischen Gründen geopfert. Die Entscheidung des BaÄK verstößt gegen
den Grundsatz ambulant vor stationär, gegen Wirtschaftlichkeitsprinzipien, gegen die Aussage, dass allen Beteiligten im Überprüfungsverfahren Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wird. Weder die ambulanten Anwender der ABP und deren Berufsverband noch die Patienten und deren Selbsthilfeorganisationen wurden gehört. Außerdem wurde gegen die Regel verstoßen, dass während einer laufenden Modellerprobung nicht die Beurteilungskriterien geändert werden dürften etc.
Mit der Entscheidung des BaÄK – in der Tat ein Machtzentrum außerhalb einer ausreichenden demokratischen Kontrolle und rechtlichen Einspruchsmöglichkeit – und der Bestätigung dieser Entscheidung seitens des BMG werden Hautärzte und Anwender der ABP quasi zur unterlassenen medizinischen Hilfeleistung aufgefordert, wie zutreffend vom Psoriasisbund formuliert wurde. Die Entscheidung des BaÄK ist eine Diskriminierung für Menschen mit genetisch bedingten chronischen Krankheiten, wie sie diese schon einmal in Deutschland erleben mussten.
Geht es im Entscheidungsfeld des BaÄK wirklich um die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen? Ich habe meine Zweifel.
Priv.-Doz. Dr. med. Gerhard Patz, Rotdornweg 1, 39365 Eilsleben
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