MEDIZIN: cme
Obstipation bei Kindern und Jugendlichen
Constipation in children and adolescents
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Hintergrund: Kinder und Jugendliche sind in Deutschland gemäß einer populationsbasierten Studie in circa 6,8 % von einer akuten oder chronischen Obstipation betroffen. Dabei kann eine Obstipation organisch oder funktionell bedingt und mit komorbiden Störungen, insbesondere einer Stuhlinkontinenz, assoziiert sein.
Methode: Es wurde eine selektive Literaturrecherche in PubMed und Google Scholar durchgeführt mit den Stichwörtern „constipation, children and adolescents, incontinence“. Die Empfehlungen stützen sich auf die AWMF-Leitlinie zur Obstipation und Stuhlinkontinenz und internationale Leitlinien und Reviews.
Ergebnisse: Die chronische Obstipation ist zu > 90 % funktionell bedingt. Organische Ursachen variieren nach Alter und erfordern eine gezielte Differenzialdiagnostik. Invasive Untersuchungen sind nur selten notwendig. Die funktionelle Obstipation kann mit Stuhl- und Harninkontinenz einhergehen, das relative Risiko für Harnwegsinfekte liegt bei 2,2 bis 6,5. Psychische Symptome und Störungen können in 30–50 % der Fälle assoziiert sein. Aufklärung von Eltern und Patientinnen und Patienten ist die wichtigste therapeutische Grundlage im Zusammenspiel mit Laxanzien und Toilettentraining. Schulungsprogramme haben sich bei Therapieresistenz bewährt.
Schlussfolgerung: Die Behandlung der Obstipation im Kindesalter sollte nach differenzialdiagnostischer Abklärung zeitnah erfolgen. Die Aufklärung der Eltern, eine engmaschige Betreuung und eine den Beschwerden angepasste medikamentöse Therapie und verhaltenstherapeutische Maßnahmen verbessern die Lebensqualität der Betroffenen.
Die akute und die chronische Obstipation gehören zu den häufigsten abdominellen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und sind eine wichtige Differenzialdiagnose bei akuten und chronischen Bauchschmerzen sowie bei chronischem Durchfall, Stuhlinkontinenz, Harninkontinenz tagsüber und Enuresis nocturna. Pathogenese und klinische Symptomatik unterscheiden sich erheblich vom Erwachsenenalter.
Der Leidensdruck der Kinder und ihrer Eltern kann sehr hoch sein, auch weil die Obstipation oft als vermeintlich harmlose Befindlichkeitsstörung inkonsequent behandelt wird. Die Kontinenzentwicklung kann verzögert erfolgen, und dies kann Selbstwertgefühl und Lebensqualität beeinträchtigen.
Lernziele
Nach der Lektüre dieses Beitrags sollten Sie einen Überblick über Ursachen der Obstipation und praxisnahe Empfehlungen zur zielgerichteten Diagnostik und Therapie erhalten haben und dabei die spezifischen Erfordernisse der verschiedenen Altersgruppen kennen sowie
- das Symptom Obstipation von der Diagnose einer funktionellen Obstipation abgrenzen, sowie Warnsignale („red flags“), typische Differenzialdiagnosen und komorbide Störungen erkennen
- eine strukturierte Abklärung durchführen können, von der Anamneseerhebung bis zur laborchemischen, selten apparativen Diagnostik
- Kenntnisse über die Behandlungsansätze bei akuten und chronischen Verläufen haben sowie die Behandlung über einen längeren Zeitraum durchführen können
Methodik
Die Empfehlungen dieser nichtsystematischen Übersicht beruhen auf der europäischen Leitlinie, der interdisziplinären AWMF-Leitlinie sowie auf Cochrane-Analysen und Reviews (1).
Definitionen und Epidemiologie
Die Definition der Obstipation erfolgt zumeist mit den Kriterien der ROM-IV-Konferenz für eine funktionelle Obstipation (Kasten 1) (2).
Epidemiologie
Ergebnisse einer populationsbezogenen Studie an 1 206 5,7-jährigen Kindern in Deutschland zeigen, dass rund 6,8 % der untersuchten Kindern an einer Obstipation leiden (95-%-Konfidenzintervall für das Alter der Kinder [5,5; 8,4]) (3). Aufgrund von Obstipation und den dazugehörigen Beschwerden werden 3 % der Patientinnen und Patienten bei der niedergelassenen Kinderärztin, dem Kinderarzt, vorgestellt, bei den pädiatrischen Gastroenterologinnen -enterologen liegt die Rate bei 25 % (4). Weltweit wird die gepoolte Prävalenz der funktionellen Obstipation auf 8,6 % bei Jungen und 8,9 % bei Mädchen geschätzt, mit einer weiten Streuung von 0,5 % bis 32,2 % (5). Die Prävalenz scheint über die letzten Jahrzehnte anzusteigen, möglicherweise als Folge der veränderten Lebens- und Ernährungsgewohnheiten (6). Die Obstipation beginnt oft im Kleinkindalter (7). Es besteht ein hohes Chronifizierungsrisiko bis ins Erwachsenenalter (8).
Organische Ursachen der Obstipation
Organische Ursachen einer chronischen Obstipation sind bei Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen insgesamt selten (circa 5 %) (9), bei Säuglingen häufiger ([10], Kasten 2). Die Slow-Transit-Constipation mit verlängerter Kolontransitzeit kommt im Vergleich zur retentiven Obstipation im Kindes- und Jugendalter viel seltener (circa 1 : 300–1 : 650) und vor allem im Rahmen von Grunderkrankungen oder refraktärer chronischer funktioneller Obstipation vor (9, 10).
Funktionelle Obstipation
Die funktionelle Obstipation (circa 95 % der Fälle) ist durch eine Mindestdauer von einem Monat definiert. Eine akute Obstipation muss rasch und konsequent behandelt werden, um eine Chronifizierung mit erheblicher Morbidität zu verhindern (11).
Die Pathophysiologie der funktionellen chronischen Obstipation ist multifaktoriell: Konstitutionelle und genetische Faktoren, Bewegung, Ernährung und psychologische Faktoren spielen eine Rolle. Eine ballaststoffarme Ernährung oder verminderte Flüssigkeitszufuhr werden zwar oft als Ursache der chronischen Obstipation genannt, hierfür gibt es jedoch keine Belege (12, 13). Auch fand man keine eindeutige Assoziation von Defäkationsstörungen mit Übergewicht. Veränderungen des Darm-Mikrobioms werden sowohl als Ursache als auch Folge von Obstipation diskutiert (13).
Bei Kindern in der Phase des Toilettentrainings, im Kindergarten und in der Grundschule wird die Stuhlretention oft durch ein mit der Defäkation assoziiertes unangenehmes Erlebnis ausgelöst (hier kann neben schmerzhafter Defäkation auch der inakzeptable Zustand von Toiletten eine Rolle spielen). Aus Angst vor erneuter schmerzhafter Defäkation kommt es zu einer paradoxen Anspannung der willkürlichen Sphinkteren bei der Defäkation; es entsteht ein Teufelskreis, der zur Chronifizierung beiträgt (14).
Eltern beschreiben bei Kleinkindern mit Obstipation auch typische Körperhaltungen, die einer Entspannung des Beckenbodens entgegenwirken („retentive posturing“, Überstreckung, Krümmen und Halten des Bauchs, Zusammenkneifen der Gesäßmuskulatur) (15). Es entwickelt sich eine Dilatation des Rektums und Sigma. Durch Austritt flüssigen Stuhls zwischen den Skybala, also den durch Wasserentzug eingedickten Stuhlmassen, kann es zur Inkontinenz kommen.
Symptome und klinische Zeichen der Obstipation
Die Obstipation ist gekennzeichnet durch schmerzhafte Defäkation, Retention mit verminderter Stuhlfrequenz, großen und harten Stuhlmassen und auffälligem Verhalten, zum Beispiel Tänzeln und Bewegungen, die dem Verschluss der Schließmuskulatur dienen sowie häufig durch Stuhlinkontinenz (Enkopresis) und/oder Phasen paradoxer Diarrhö. Dabei weisen 75 % der Kinder mit funktioneller Obstipation auch Bauchschmerzen auf, wobei die Abgrenzung zum Reizdarmsyndrom mit Obstipation unscharf ist (15).
Obstipation und komorbide Harnwegssymptome
Das gemeinsame Auftreten von Obstipation und Stuhlinkontinenz/Enkopresis mit funktioneller Harninkontinenz, Enuresis nocturna und rezidivierenden Harnwegsinfekten ist häufig und wird international als „bladder and bowel-dysfunction“ zusammengefasst (16, 17). In einer Studie mit 63 Kindern zwischen dem vierten und 18. Lebensjahr hatten in der Gruppe der Kinder mit funktioneller Obstipation neun Kinder (28,1 %) eine Stuhlinkontinenz, 14 Kinder (43,8 %) eine Harninkontinenz tagsüber (18). Umgekehrt ist für Kinder mit Obstipation das relative Risiko für Harnwegsinfekte bei 2,18–6,55 sowie für Symptome des unteren Harntrakts bei 1,24–6,73 relevant erhöht (19).
Im Fall einer „bladder and bowel-dysfunction“ führt die primäre Behandlung der Obstipation in 96 % der Fälle zur Besserung oder Auflösung der Beschwerden (20, 21).
Obstipation und komorbide psychische Störungen
Die Rate von komorbiden psychischen Störungen ist bei Kindern mit Obstipation deutlich erhöht (30–50 %) (22). Die Störungen sind heterogen und umfassen sowohl internalisierende (wie Depression und Angststörungen), wie auch externalisierende Störungen (wie Störung des Sozialverhaltens) (23). Eine besondere Risikogruppe für Obstipation und Stuhlinkontinenz sind Kinder mit neurobiologischen Entwicklungsstörungen, die überwiegend genetisch bedingt sind, früh im Leben beginnen und eine hohe Persistenz aufweisen (24, 25). Diese umfassen unter anderem die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und Intelligenzminderung, die wegen der ungünstigen Prognose der zugrunde liegenden Störungen in der Diagnostik und Therapie besonders berücksichtigt werden sollen.
Diese komorbiden psychischen Störungen müssen erkannt und zusätzlich zur Obstipation behandelt werden, um die Mitarbeit zu verbessern und die Behandlungserfolge zu optimieren. Diese Komorbidität bedeutet nicht, dass die Obstipation durch psychische Faktoren bedingt ist oder dass die Notwendigkeit einer Psychotherapie der Obstipation abgeleitet werden kann. Eine reine Psychotherapie ist nicht wirksam – im Gegensatz zu dem bewährten Vorgehen mit Beratung, Toilettentraining und Laxanzien (26). Viele Kinder mit funktioneller Obstipation zeigen belastende Symptome, die nicht das Ausmaß einer definierten psychischen Störung erreichen und sich nach erfolgreicher Obstipationstherapie zurückbilden. So können Kinder mit Obstipation unter einem niedrigen Selbstwertgefühl (zum Beispiel nach Stigmatisierung durch Gleichaltrige) leiden, vor allem, wenn sie eine Stuhlinkontinenz haben (25). Auch psychosozialer Stress und belastende Lebensereignisse sind häufiger (26, 27), die Lebensqualität von Kindern und Eltern ist erheblich reduziert (28). Kinder mit Obstipation können nach einer Studie aus Sri Lanka von körperlicher Misshandlung (41,6 %), von emotionaler Vernachlässigung (40,9 %) und seltener von sexuellem Missbrauch (5,8 %) betroffen sein (29). Nach einer neueren Studie von Vriesman et al. 2022 (30) aus den Niederlanden war die Rate von Misshandlung bei Kindern im Vergleich zu Kontrollen nicht erhöht, sodass möglicherweise gesellschaftliche Faktoren eine Rolle spielen könnten.
Diagnostik der Obstipation bei Kindern und Jugendlichen
Die Diagnostik der Obstipation (mit und ohne Stuhlinkontinenz) sollte klinisch orientiert, primär nichtinvasiv erfolgen und kann jenseits des Säuglingsalters und bei unkomplizierten Fällen ambulant oder teilstationär durchgeführt werden (1, 31).
Obstipation mit Beginn im Neugeborenen- oder frühen Säuglingsalter
Wenn Kinder trotz seltener Stuhlentleerung (bei gestillten Kindern bis einmal in 14 Tagen) keine Beschwerden oder klinische Auffälligkeiten haben, der Bauch flach und weich und Trinkverhalten und Gedeihen altersentsprechend sind, ist dies allein nicht als Obstipation zu diagnostizieren. Ein klinisches Bild bei manchen Säuglingen mit anhaltendem Schreien über zehn Minuten, das nach dem Abgang von weichem Stuhlgang sistiert, wird nach ROM-IV als Dyschezie, also einer Störung der Stuhlentleerung bezeichnet (10) und ist damit keine Obstipation, wenn nicht auffällige klinische Befunde oder eine Stuhlretention hinzukommen. Hier sollten anorektale Manipulationen unterbleiben, um die Entwicklung von konditioniertem Stuhlgang, zum Beispiel nur nach analer Einführung eines Thermometers, zu vermeiden. Falls bei einem Säugling mit verspätetem Mekoniumabgang und/oder seltener Stuhlentleerung das Abdomen vorgewölbt ist, die Kinder erbrechen oder nicht gedeihen und beeinträchtigt wirken, muss zeitnah eine gezielte Abklärung erfolgen (1, 31). Insbesondere beim M. Hirschsprung besteht das Risiko einer Enterokolitis (präoperativ 18,3 %, postoperativ 18,2 % unabhängig von operativer Technik) mit toxischem Megakolon, mit hoher Morbidität und Mortalität (32).
Differenzialdiagnostisch kommt bei einer Obstipation in den ersten beiden Lebensjahren auch eine nicht-IgE-vermittelte Kuhmilchproteinallergie in Frage (33). Diese kann nur durch eine kuhmilchproteinfreie Ernährung (diagnostische Diät) mit anschließender Re-Exposition diagnostiziert werden; Laboruntersuchungen auf IgE-Antikörper haben keinen diagnostischen Wert (34) .
Warnzeichen für eine organische Ursache
Bei Vorliegen von Warnzeichen (Kasten 3) soll eine weiterführende Diagnostik zum Ausschluss organischer Ursachen erfolgen. Das Vorgehen in Abhängigkeit vom Alter bei Manifestation der Stuhlentleerungsproblematik ist in den Grafiken 1 a und 1 b dargestellt.
Diagnostik mit Beginn ab dem 2. Lebensjahr
An erster Stelle der Standard- oder Basisdiagnostik steht eine ausführliche Anamnese von Dauer und Ausprägung der Symptome, Stuhlverhalten mit Frequenz und Konsistenz. Zudem sollte diese auch die Schmerzhaftigkeit und Anzeichen von willkürlicher Retention, typische Begleiterkrankungen, eine Entwicklungs- und Familienanamnese und Warnzeichen einer organischen Ursache umfassen (1).
Als anamnestische Warnzeichen für eine organische Ursache gelten insbesondere Stuhlentleerungsprobleme in den ersten Lebenswochen, verzögerter (> 24–48 h postnatal) Mekoniumabgang sowie ein Beginn der Obstipation im ersten Lebensjahr besonders vor Einführung von Beikost. Für eine eher funktionelle Genese sprechen ein Beginn mit der Sauberkeitsentwicklung oder nach Irritationen des Anus sowie beobachtbare Stuhlretentionsmanöver.
Typische Auslöser einer funktionellen Obstipation sollten erfragt werden:
- akute Obstipation mit Schmerzen bei der Stuhlentleerung durch harte Stuhlkonsistenz (zum Beispiel als Folge von Fieber, Dehydration, inadäquatem Toilettentraining)
- willkürlicher Stuhlverhalt bei Nichtverfügbarkeit einer akzeptablen (!) Toilette; Toilettenphobie
- perianale Entzündung, Fissuren, perianale Streptokokken-Infektion (Abbildung)
- regelmäßige Manipulationen am Anus (Temperaturkontrollen, Zäpfchen, Klysma)
- inadäquates Management eines akuten Stuhlverhalts
- sexuelle Misshandlung
Eine Frage nach unangemessenen oder sexuellen Berührungen sollte den Patienten ab einem entsprechenden Alter in einer kindgerechten Weise ebenfalls gestellt werden (1).
Wegen der hohen Rate an komorbiden psychischen Störungen sollte bei allen Kindern ≥ 4 Jahre mit einer funktionellen Obstipation ein Screening auf psychische Symptome und Störungen mit validierten Screening-Elternfragebögen durchgeführt werden (1). Bei Auffälligkeiten im Fragebogen ist eine weitergehende kinderpsychiatrische, beziehungsweise kinderpsychologische Diagnostik und Therapie zu empfehlen.
Im Rahmen der vollständigen pädiatrischen Untersuchung inklusive neurologischer Beurteilung und analer Inspektion ist insbesondere auf die Warnzeichen (Kasten 2) zu achten. Bei der rektalen Untersuchung beziehungsweise Inspektion sollte der Analreflex geprüft werden; eine rektal digitale Untersuchung ist nicht bei jeder Untersuchung indiziert und kann bei traumatisierten Kleinkindern weitere Traumata auslösen. Sie sollte deswegen nur nach entsprechender Erklärung mit Einverständnis oder in Sedierung erfolgen, dabei sollte eine Vertrauensperson anwesend sein und die Privatsphäre des Kindes altersgerecht gewahrt werden (35).
Erweiterte Diagnostik
Laboruntersuchungen
Einige wenige organische Ursachen können sich in Form einer Obstipation als einziges klinische Zeichen präsentieren (dies gilt insbesondere für die Zöliakie), sodass bei chronischer Obstipation eine einmalige Labordiagnostik (TSH, fT4, Ca, K, Kreatinin, Gewebstransglutaminase IgA AK und Gesamt IgA [und gegebenenfalls Endomysium IgA AK], Urinstatus, Pankreaselastase im Stuhl) sinnvoll ist (1).
Ultraschall des Abdomens
Ultraschalluntersuchungen des Abdomens sind nicht belastend, weit verfügbar und stellen eine wichtige Erweiterung der körperlichen Untersuchung auch bei fehlenden Warnzeichen dar (35). Es sollten auch wichtige Komorbiditäten wie eine Ballonierung in die Harnblase, Hypertrophie der Blasenmuskulatur, Megaureteren oder Hydronephrosen beachtet werden.
Ein Rektumdurchmesser > 30–35 mm ist ein wichtiger und zuverlässiger Hinweis auf eine Stuhlretention und dient auch als Verlaufsparameter (36).
Folgende Untersuchungen sind beim Fehlen von Warnzeichen bei der funktionellen Obstipation nicht sinnvoll (1, 31):
- Röntgenuntersuchung des Abdomens, aufgrund der Strahlenbelastung, insbesondere bei ungenügendem Gonadenschutz
- Laboruntersuchungen zur Kuhmilchproteinallergie
- Endoskopie
- Manometrie
- rektale Biopsien
- Kolonkontrast-Untersuchungen (Ausnahme präoperativ bei M. Hirschsprung)
- Untersuchungen mithilfe der Magnetresonanztomografie
- Kolon-Szintigrafie
- Kolon-Transit-Studien
In der Rektomanometrie (Untersuchung des physiologischen Relaxationsreflexes mittels Druckmessung im Bereich des Sphinkters unter Insufflation eines Ballonkatheters von rektal) kann der Nachweis eines funktionierenden rektoanal-inhibitorischen Reflexes (RAIR) gegen eine Innervationsstörung (M. Hirschsprung) sprechen (36, 37), allerdings sind Sensitivität und Spezifität begrenzt.
Rektumbiopsien mit Acetylcholinesterase-Färbung im nativen Präparat sind der Goldstandard bei Verdacht auf M. Hirschsprung (37). Diese Untersuchung ist indiziert bei Beginn der Obstipation im frühen Säuglingsalter, bei Therapieresistenz (in der Regel verstanden als unzureichendes Ansprechen auf eine adäquate Therapie über einen angemessenen Zeitraum), bei familiärem Vorkommen eines M. Hirschsprung und bei fehlendem Nachweis eines rektoanalen Inhibitionsreflexes (RAIR) in der Manometrie. Die Biopsien müssen Muskularis propria enthalten und ausreichend nah am anokutanen Übergang erfolgen, um ein kurzes aganglionäres Segment zu erfassen.
Eine MRT-Untersuchung der distalen Wirbelsäule ist indiziert bei abnormen Befunden der lumbosakralen Region, bei neurologischen Auffälligkeiten der Beine und bei kombinierten, therapieresistenten Inkontinenzen von Blase und Darm (38).
Kolontransitzeitbestimmung mit röntgendichten Pellets zum Ausschluss einer Transitverzögerung („slow transit constipation“) ist in wenigen Fällen mit Therapieresistenz sinnvoll (39).
Therapie der funktionellen Obstipation
Therapie der akuten Obstipation
Eine akute Obstipation kann durch schmerzhafte Defäkationen zum Auslöser einer chronischen, funktionellen Obstipation werden und muss daher rasch und effektiv behandelt werden (1).
Dazu dienen insbesondere oral zugeführte Stuhlweichmacher/Laxanzien. Im Fall von Fissuren sollte zusätzlich eine lokale Therapie analgetisch und antiinflammatorisch (Sitzbäder, Schwarztee, topische Analgesie) erfolgen.
Therapie der chronischen funktionellen Obstipation
Ziel der Therapie der Obstipation und der obstipationsassoziierten Stuhlinkontinenz sind regelmäßige, unkomplizierte, vollständige und schmerzfreie Stuhlentleerungen. Bei der funktionellen Obstipation hat sich eine gestufte, multimodale Behandlung zusammen mit einer medikamentösen Therapie bewährt (1, 31, e1, e3, e4):
- Beratung, Psychoedukation und stützende Begleitung, zum Beispiel bebildertes Informationsmaterial und Videos
- aktive Mitarbeit der Eltern und Kinder
- Forderung beziehungsweise Förderung der Sauberkeit von Toiletten für Kinder
- Verlaufskontrollen, unter Umständen auch längerfristig, zur Bestärkung der Familien in der Umsetzung der Therapievorschläge und gegebenenfalls Korrektur der Maßnahmen
- Die wichtigste Maßnahme ist das von den Bezugspersonen angeleitete regelmäßige, entspannte Toilettentraining. Dazu gehört das Sitzen auf der Toilette nach den Hauptmahlzeiten (das heißt 2- bis 3-mal pro Tag) für 5–10 Minuten.
- Die Toilettensitzungen sollten positiv gestaltet werden. Auf eine bequeme Sitzposition des Kindes ist zu achten, damit diese ihre Beckenbodenmuskulatur entspannen können (zum Beispiel Fußbänkchen zum Abstützen der Füße vor der Toilette). Das Ziel ist eine tageszeitliche Koordinierung der Defäkation. Der Verlauf sollte dokumentiert werden (auch zur Objektivierung des Behandlungserfolgs) und kann durch Belohnerpläne verhaltenstherapeutisch wirksam verstärkt werden.
Diätetische Maßnahmen und Lebensstiländerungen
Diätetische Maßnahmen, Präbiotika oder Probiotika alleine sind zur Behandlung der funktionellen Obstipation nicht ausreichend. Die gesteigerte Stuhlfrequenz durch faserreiche Nahrung in einer Metaanalyse (vier pädiatrische doppelblinde randomisierte Studien) zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied zu Placebo (e6). Probiotika, insbesondere Lactobacillus reuteri und rhamnosus, wie auch Bifidobacteria wurden in mehreren randomisiert kontrollierten Studien, alleine oder in Kombination mit osmotisch aktiven Laxanzien ohne statistisch signifikanten Unterschied zu Placebo untersucht (e7, e8, e9). Eine genügende altersentsprechende Flüssigkeitszufuhr und ballaststoffhaltige Nahrung, sowie altersgerechte körperliche Aktivität sollte sichergestellt werden, Milchmengen über 250 mL/Tag jenseits des Säuglingsalters vermieden werden.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie der funktionellen Obstipation gliedert sich in zwei Phasen: die Desimpaktion und die Erhaltungsphase. Die medikamentöse Therapie der ersten Wahl hierzu ist Macrogol (PEG). Die Präparate mit einem Molekulargewicht von 3 350 mit Elektrolyten und 4 000 ohne Elektrolyte sind gleichwertig (e11).
In Studien zur Erhaltungsphase zeigt Macrogol ein besseres Therapieansprechen und bessere Verträglichkeit (e2, e5). In einer dieser Studien hatten die Kinder in der PEG-Gruppe eine höhere Stuhlfrequenz pro Woche verglichen mit Laktulose (7,9 ± 0,6 versus 5,7 ± 0,5, p = 0,008) (e11). Eine im Jahr 2008 durchgeführte multizentrische Studie zeigte an 103 Kindern mit primärem Ziel des Erreichens einer verbesserten Stuhlfrequenz, bei allen drei Dosisgruppen (PEG 0,2 g/kg, 0,4 g/kg und 0,8 g/kg) im Vergleich zu Placebo einen signifikant besseren Effekt (77 %, 74 %, 73 % versus 42 %; p < 0,001) (e12). Stimulanzientherapien bleiben bisher in der Pädiatrie ohne gute Evidenz wegen retrospektiven Studiendesigns, geringen Studienteilnehmerzahlen und der ungenügenden Anzahl an randomisierten kontrollierten Studien (e13, e14).
Desimpaktion
Bei der funktionellen Obstipation ist initial eine Entleerung der retinierten Stuhlmassen (sogenannte Desimpaktion) erforderlich und für den Therapieerfolg der Erhaltungsphase sehr wichtig.
Die Methode der ersten Wahl ist eine orale Desimpaktion mit Macrogol; im Fall massiver rektaler Stuhlmassen wird eine rektale Desimpaktion (meist in Sedierung) im stationären/teilstationären Setting notwendig. Es kann eine Dosis von täglich 1,5 g/kg Körpergewicht oder noch höhere Dosen an Macrogol über 3–4 Tage verwendet werden, an die sich eine Phase der Reduktion anschließt (1, 31).
Phosphathaltige Klysmata sind bei Kleinkindern streng kontraindiziert, und auch bei älteren Kindern mit Vorerkrankungen und aktivem Vermeiden von Darmentleerungen gefährlich und damit obsolet; alternativ sorbitolhaltige Klysmata verwenden.
Erhaltungstherapie
Die Erhaltungstherapie basiert auf Beratung (zum Beispiel hinsichtlich Toilettentraining, Trink- und Essgewohnheiten, Tagesablauf und weitere), Psychoedukation, Motivationssteigerung, Dokumentation und einfachen verhaltenstherapeutischen Interventionen und sollte keinesfalls nur auf die medikamentöse Therapie beschränkt bleiben (e3, e4). Die Dauer beträgt in der Regel mindestens 2–6 Monate (1, 31). Kinder, die noch eine Windel tragen, müssen meist so lange mit Stuhlweichmachern/Laxanzien behandelt werden, bis sie auf die Toilette gehen. Die Erfolge der Therapie (regelmäßige Entleerungen, weiche, cremige Stuhlkonsistenz, keine Schmerzen bei der Defäkation) sollten anfangs engmaschig, später in regelmäßigen Abständen ärztlich überwacht werden.
Unmittelbar nach Desimpaktion beginnt die medikamentöse Dauertherapie. In dieser Erhaltungsphase soll eine Reakkumulation von Stuhl vermieden und eine Normalisierung des Stuhlverhaltens erreicht werden.
Die Makrogol-Dosis (bei Kindern > 6 Monaten zugelassen, dort Mittel der ersten Wahl) sollte individuell austitriert werden und bei circa 0,2–0,8 g/kg in zwei Dosen, in Einzelfällen auch höher, liegen, ist aber von Faktoren wie der täglichen Flüssigkeitszufuhr abhängig (e2). Das Mittel der zweiten Wahl (bei Säuglingen erste Wahl) ist Laktulose 1–3 mL/kg/d in 1–3 Einzeldosen, allerdings mit signifikant geringerer Effektivität (e2, e12). Laktulose ist ein nichtresorbierbarer Zucker. Es kann zu Blähungen, Meteorismus und vermehrten Bauchschmerzen kommen. Auch eingesetzt wird Paraffinum subliquidum in einer täglichen Dosierung von 1–2 mL/kg Körpergewicht, es muss jedoch das Risiko schwerwiegender Aspirationen und die begleitende Malabsorption fettlöslicher Vitamine abgewogen werden. Für Kinder unter zwei Jahren besteht keine Zulassung, zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr nur unter bestimmten Voraussetzungen. Stimulierende Laxanzien wie Sennesblätteralkaloide, Natriumpicosulfat, Bisacodyl, Prucalopride sollten aufgrund der unzureichenden Studienlage in der Dauertherapie in der Regel nicht angewendet werden, können aber im Einzelfall erwogen werden.
In der Erhaltungstherapie kommen Zäpfchen (stimulierend oder CO2-freisetzend), Mikroklistiere oder Klysmata selten in Betracht. Bei entsprechend aufgeklärten, angeleiteten Kindern, die dies akzeptieren, kann die soziale Kontinenz, zum Beispiel in der Schule verbessert werden. Soziale Kontinenz bedeutet eine adäquate Teilhabe am Alltag trotz Inkontinenzproblematik. Für Kleinkinder mit funktioneller Obstipation hingegen können fortwährende anale Applikationen die Angst vor der Defäkation verstärken.
Nichtmedikamentöse Therapieverfahren
Insgesamt ist die Datengrundlage für nichtmedikamentöse Verfahren gering. Viele Methoden, wie zum Beispiel Biofeedback-Verfahren, sind in der Behandlung der funktionellen Obstipation nicht effektiv, zu (oft sehr heterogenen) Übungsprogrammen aus dem Bereich Beckenbodenphysiotherapie ist die Studienlage uneinheitlich. Vielversprechend sind Ansätze zur Behandlung der Obstipation durch Neurostimulation (e15). In einer systemischen Übersicht konnte durch Anwendung einer transkutanen elektrischen Stimulation der Nerven (TENS) eine Verbesserungen der Obstipationssymptome bei 79 – 85,7 % der Kinder gezeigt werden (e10). Zu Erwägungen bei unzureichendem Ansprechen oder Therapieresistenz siehe Kasten 4.
Interessenkonflikt
Dr. Claßen hat Vortragshonorare der Firmen Danone, Abbvie, Sanofi, Falk-Foundation, Vertex erhalten. Er war Vorsitzender der Gesellschaft Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung.
Prof. de Laffolie erhielt Forschungsförderung und Honorare von Abbvie, Takeda und Falk-Foundation.
Die übrige Autorin und n Autoren erklären, dass keine Interessenskonflikte bestehen.
Manuskriptdaten
eingereicht: 24.04.2022, revidierte Fassung angenommen: 16.08.2022
Anschrift für die Verfasser
Prof Dr. med. Jan de Laffolie, MME, MA Kindergastroenterologie,
Abt. Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen
Feulgenstraße 12, 35392 Gießen
jan.delaffolie@paediat.med.uni-giessen.de
Zitierweise
Claßen M, Righini-Grunder F, Schumann S, von Gontard A, de Laffolie J: Constipation in children and adolescents. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 697–708. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0309
►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de
Zusatzmaterial
eLiteratur, eKasuistik:
www.aerzteblatt.de/m2022.0309 oder über QR-Code
Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung, Kinderspital, Luzerner Kantonsspital, Luzern, Schweiz: Dr. med. Franziska Righini-Grunder, MSc
DRK Kinderklinik Siegen: Dr. Stefan Schumann
Psychiatrische Dienste Graubünden, Ambulante Dienste für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Chur, Schweiz; Governor Kremers Centre, Department of Urology, Maastricht University Medical Centre, Maastricht, The Netherlands: Prof. Dr. Alexander von Gontard
Kindergastroenterologie, Abt. Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen: Prof Dr. Jan de Laffolie, MME, MA
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