MEDIZIN: Originalarbeit
Psychosoziale berufliche Belastungen und psychische Erkrankungen
Ein systematischer Review mit Metaanalysen
Psychosocial occupational exposures and mental illness—a systematic review with meta-analyses
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Hintergrund: Es soll die Expositions-Risiko-Beziehung zwischen psychosozialen beruflichen Belastungen und psychischen Erkrankungen untersucht werden.
Methode: Es wurde ein systematischer Review mit Metaanalysen als Update einer 2014 veröffentlichten systematischen Übersichtsarbeit durchgeführt. Das Studienprotokoll wurde bei PROSPERO (CRD42020170032) registriert. Literatursuchen fanden in den Datenbanken MEDLINE, PsycINFO und Embase statt. Alle Prozessschritte wurden von zwei Reviewern unabhängig voneinander vorgenommen; Diskordanzen wurden im Konsens gelöst. Es fand eine kritische Methodenbewertung aller eingeschlossenen Volltexte statt. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde mit dem GRADE-Verfahren bewertet.
Ergebnisse: Das gepoolte Risiko für eine Depression ist bei Tätigkeiten mit einem hohen Job Strain (Kombination von hohen Anforderungen und geringem Tätigkeitsspielraum) auf etwa das Doppelte erhöht (Effektschätzer [ES]: 1,99; 95-%-Konfidenzintervall: [1,68; 2,35]; Heterogenitätsmaß [I2] = 24,7 %; n = 8). Insbesondere hohe berufliche Anforderungen sind mit dem Auftreten einer Depression (ES: 1,38 [1,19; 1,61]; I2 = 69,0 %; n = 9), auch mit dem Auftreten einer Angststörung verbunden (ES: 1,79 [1,44; 2,23]; I2 = 48,1 %; n = 5). Aufgrund einer geringen Zahl methodisch adäquater Studien zu Burnout, somatoformen Störungen und Suizidgedanken sowie Suiziden ließen sich dafür keine gepoolten Risikoschätzer berechnen; allerdings zeigten sich in einzelnen Studien teilweise deutlich erhöhte Erkrankungsrisiken.
Schlussfolgerung: Es findet sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen psychosozialen beruflichen Belastungen und Depressionen sowie Angststörungen.
Ungünstige psychosoziale Arbeitsbedingungen können ein Risiko für das Auftreten psychischer Erkrankungen darstellen (1, 2, 3, 4, 5, 6). Um zielgerichtete präventive Maßnahmen entwickeln zu können, ist die Kenntnis der Expositions-Risiko-Beziehung von besonderer Bedeutung. Bei der Einführung neuer Berufskrankheiten spielt die sogenannte „Verdopplungsdosis“ eine besondere Rolle: Wenn mit einer bestimmten Exposition ein verdoppeltes Erkrankungsrisiko verbunden ist, kann – als Faustregel – davon ausgegangen werden, dass eine berufliche Verursachung dieser Erkrankung eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist. Der vorliegende systematische Review mit Metaanalysen untersucht den Zusammenhang zwischen arbeitsbezogenen psychosozialen Belastungsfaktoren und dem Auftreten einer psychischen Beeinträchtigung oder Erkrankung und analysiert die entsprechende Expositions-Risiko-Beziehung. Weiter wird untersucht, welche Berufe beziehungsweise beruflichen Tätigkeiten mit einem besonders hohen Risiko verbunden sind.
Methoden
Es wurde ein systematischer Review durchgeführt. Dieser baut auf der Methodik einer im Jahr 2014 im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführten systematischen Übersichtsarbeit auf (7, 8). Zur Qualitätssicherung der Berichterstattung wurde das PRISMA-Statement genutzt (9). Das Studienprotokoll des Reviews wurde bei PROSPERO registriert (CRD42020170032).
Ein- und Ausschlusskriterien
Zur Spezifizierung der Auswahlkriterien wurden die PECOS-Kriterien genutzt (10):
- Population: erwerbstätige Bevölkerung
- Exposure: Job Strain (Kombination aus hohen Arbeitsanforderungen und geringem Tätigkeitsspielraum), Gratifikationskrisen, „Effort-Reward-Imbalance“ (Kombination aus hoher Verausgabung bei geringer Belohnung), fehlende soziale Unterstützung, Mobbing, negatives Arbeitsklima, Konflikte am Arbeitsplatz, Arbeitsplatzunsicherheit, organisationale Ungerechtigkeit, geringer Ermessensspielraum, lange Arbeitszeiten, Schicht- und Nachtarbeit, Gewalterfahrung, sexuelle Belästigung
- Comparator: nicht der jeweiligen Exposition ausgesetzte Erwerbstätige
- Outcome: Depression, Angststörung, Burnout, somatoforme Erkrankung, Suizidgedanken, Suizid
- Study Design: Kohortenstudien, Fallkohortenstudien, Fallkontrollstudien und Mortalitätsstudien mit einer Follow-up-Zeit von mehr als einem Jahr und der Angabe von Effektschätzern des relativen Erkrankungsrisikos; Ausschluss von Querschnittsstudien, Fallserien und Einzelfallstudien.
Suchstrategie
Die Literatursuche erfolgte für den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 26. Juni 2020 in den elektronischen Datenbanken MEDLINE, PsycINFO sowie Embase; diese Literatursuche wurde mit der 2014 durchgeführten Suche kombiniert. Es wurden in lateinischer Schrift verfasste Publikationen in wissenschaftlichen Journalen mit einem deutschen oder englischen, online verfügbaren Abstract eingeschlossen. Die Suchstränge und weitere Details zu den Methoden finden sich im eMethodenteil.
Studienauswahl
Titel-Abstract-Sichtung und Volltextsichtung der nach 2013 veröffentlichten Studien erfolgten durch zwei Personen unabhängig voneinander (SD, AF, FH, MS). Die in den 2014 veröffentlichten systematischen Review einbezogenen Studien wurden ebenfalls durch zwei Personen unabhängig voneinander dahingehend geprüft, ob sie die strengeren Einschlusskriterien des aktuellen Reviews erfüllen (mindestens einjährige Follow-up-Zeit, Angabe von Effektschätzern des relativen Erkrankungsrisikos). Diskordanzen wurden im Konsens gelöst.
Datenextraktion
Die Datenextraktion wurde von zwei der vorgenannten Personen unabhängig voneinander durchgeführt. Dabei wurden Studieninformationen zu Referenz, Methodik, Population, Exposition, Outcome und Ergebnissen in standardisierten Datenextraktionstabellen dokumentiert.
Kritische Methodenbewertung
Zur Qualitätsbewertung der einbezogenen Studien durch zwei Personen unabhängig voneinander (SD, AF, FH, MS; Klärung von Diskordanzen: AS) wurde entsprechend der 2014 durchgeführten Forschungsarbeit ein Instrument eingesetzt, das auf der Grundlage von Scottish Intercollegiate Guideline Network (SIGN) und Critical Appraisal Skills Programme (CASP) entwickelt worden war (8, eMethodenteil).
Statistische Analyse
Es wurden ausschließlich Studien in die Evidenzsynthese aufgenommen, die eine adäquate methodische Qualität aufwiesen. Eine metaanalytische Berechnung gepoolter Effektschätzer mit 95-%-Konfidenzintervallen erfolgte mit einem Random-Effects-Modell, wenn mindestens drei einzelne Risikoschätzer für vergleichbare Expositions-Outcome-Kombinationen vorlagen. Die Heterogenität wurde mit der I2-Statistik angegeben. Die Berechnungen erfolgten unter Verwendung des Stata-metan-Pakets. Das Vorliegen eines Publikationsbias wurde mit Funnel Plots untersucht (bei mindestens zehn einzelnen Risikoschätzern). Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wurde mit dem GRADE-Verfahren (11) bewertet.
Ergebnisse
Ergebnisse der Literatursuche
Die Ergebnisse der Literatursuche sind im PRISMA-Flussdiagramm dargestellt (eGrafik 1). Die Literatursuche der nach 2013 veröffentlichten Studien ergab 17 713 Treffer. Im Ergebnis der Titel-Abstract-Sichtung wurden 464 Publikationen in die Volltextsichtung einbezogen. 41 Publikationen erfüllten die Einschlusskriterien und wurden in den systematischen Review eingeschlossen (eTabelle 1). Weitere 18 Publikationen wurden aus dem seinerzeitigen Review (7, 8) einbezogen (eTabelle 1). Die Liste der ausgeschlossenen Publikationen mit Quellennachweis und Ausschlussgrund findet sich in eTabelle 2.
Studiencharakteristika
Insgesamt standen 59 Publikationen von 32 Studien für die Evidenzsynthese zur Verfügung. Mit Ausnahme von zwei Studien zu Suizidrisiken wurden ausschließlich Kohortenstudien einbezogen. Die einbezogenen Studien kamen überwiegend aus europäischen Ländern, insbesondere aus dem skandinavischen Raum, und schlossen in der Regel Männer und Frauen ohne Eingrenzung auf einen speziellen Beruf ein. Eine Übersicht der eingeschlossenen Studien mit Informationen zur einbezogenen Population, zur Exposition und zum Outcome findet sich in eTabelle 1. Die detaillierten Extraktionstabellen für das Update finden sich in eTabelle 3 beziehungsweise für das Review aus 2014 im BAuA-Bericht (8); dort werden auch die einbezogenen Confounder aufgeführt.
Ergebnisse der kritischen Methodenbewertung
Es wurde keine Studie mit einem sehr geringen Bias-Gesamtrisiko gefunden. Studienspezifische Informationen finden sich im eMethodenteil.
Ergebnisse zur Depression
Tätigkeiten mit hohen Arbeitsanforderungen und geringem Tätigkeitsspielraum („high strain“)
Insgesamt untersuchten zehn Studien den Zusammenhang zwischen Job Strain und Depression (eTabelle 1). Eine ausführlichere Definition von Job Strain findet
sich im eMethodenteil. In die Metaanalyse konnten acht Studien eingeschlossen werden (Tabelle 1). Die klassische Einteilung in „low strain jobs“, „passive jobs“, „active jobs“ und „high strain jobs“ wird in vier Studien vorgenommen (12, 13, 14, 15). Die Ergebnisse dieser vier Studien zeigen, dass die Tätigkeit in „high strain jobs“ im Vergleich mit Tätigkeiten in „low strain jobs“ (gekennzeichnet durch hohen Tätigkeitsspielraum bei geringen Anforderungen) mit einem um 73 % erhöhten Depressionsrisiko verbunden ist (gepoolter Effektschätzer [ES] für das Erkrankungsrisiko: 1,73; 95-%-Konfidenzintervall: [1,32; 2,27]; I2 = 15,8 %; n = 4, Tabelle 2, eGrafiken 2a–c). Bei einer dichotomen Betrachtung von Job Strain (basierend auf dem Quotienten aus Tätigkeitsspielraum und Arbeitsanforderungen) findet sich ein auf das Doppelte erhöhtes Depressionsrisiko bei hohem Job Strain (ES: 1,99 [1,68; 2,35]; I2 = 24,7 %; n = 8, Grafik 1). Die Risikoschätzer für Männer und für Frauen sind in etwa vergleichbar hoch (eGrafiken 3a, b). Wenn unterschiedliche Verlaufsentwicklungen des Job Strains betrachtet werden, ist ein fortwährend hoher Job Strain mit dem höchsten Risiko verbunden (ES: 2,73 [1,96; 3,80]; I2 = 11,8 %; n = 3) (Grafik 2). Das zweithöchste Risiko findet sich für einen im zeitlichen Verlauf zunehmenden Job Strain (eGrafik 4a), gefolgt von einem im Verlauf abnehmenden Job Strain (eGrafik 4b).
Die Mehrzahl der Studien schließt unterschiedliche Berufe ein, ohne diese genauer zu spezifizieren. In der Studie von Wieclaw et al. (16) sind die Berufsgruppen mit dem höchsten Job Strain Arbeiter, Handwerker sowie Reinigungskräfte bei Männern und bei Frauen, Tätigkeiten im Baugewerbe, in der Kundenbetreuung und beim Bedienen von Maschinen.
Hohe Arbeitsanforderungen als eine Dimension des Job Strains werden in neun Studien untersucht (eTabelle 1). Im Ergebnis der Metaanalyse zeigt sich, dass bei dichotomer Auswertung hohe psychosoziale Arbeitsanforderungen das Depressionsrisiko um 38 % (Tabelle 1, eGrafik 5a) im Vergleich zu niedrigen Arbeitsanforderungen steigern. In der geschlechtergetrennten Auswertung findet sich ein erhöhtes Risiko bei Frauen, nicht aber (bei ausgeprägter Heterogenität) bei Männern (eGrafiken 5b, c). Im Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Kategorie der psychosozialen Arbeitsanforderungen (eGrafik 6a) findet sich eine Risikoerhöhung um 53 %, beim Vergleich der zweithöchsten mit der niedrigsten Kategorie eine Risikoerhöhung um 27 % (eGrafik 6b).
Die Dimension Tätigkeitsspielraum wird in 14 Studien untersucht (eTabelle 1). Im Ergebnis der Metaanalyse erhöht ein geringer Tätigkeitsspielraum bei der Arbeit als weitere Dimension des Job Strains das Risiko für eine Depression um 14 % (eGrafik 7). Alle Metaanalysen sind in Tabelle 1 und Tabelle 2 zusammengefasst.
Weitere psychosoziale Arbeitsbelastungen
Eine berufliche Gratifikationskrise (Effort-Reward-Imbalance, ERI) ist durch ein Missverhältnis zwischen beruflicher Verausgabung („effort“) und der erhaltenen Belohnung („reward“), unter anderem in Form von Anerkennung, Gehalt und Arbeitsplatzsicherheit, gekennzeichnet. Eine solche Gratifikationskrise erhöht in den einbezogenen Studien das Depressionsrisiko um 72 % (ES: 1,72 [1,50; 1,97], I2 = 23,9 %, n = 4) (eGrafik 8). Geringe soziale Unterstützung am Arbeitsplatz ist im Ergebnis unserer Metaanalyse mit einem um 39 % (eGrafik 9), eine hohe Arbeitsplatzunsicherheit mit einem um 51 % (eGrafik 10) erhöhten Depressionsrisiko verbunden. Schließlich findet sich für hohe emotionale Arbeitsanforderungen ein um 42 % erhöhtes Depressionsrisiko (eGrafik 11).
Ergebnisse zu Angststörungen
Tätigkeiten mit hohen Arbeitsanforderungen und geringem Tätigkeitsspielraum („High Strain“)
Für Job Strain findet sich in keiner der eingeschlossenen Studien eine Angabe zum Risiko einer Angststörung. Für hohe psychosoziale Arbeitsanforderungen als eine Dimension des „High Job Strains“ findet sich in der dichotomen Auswertung ein um 79 % erhöhtes Risiko für eine Angststörung (ES: 1,79 [1,44; 2,23], I2 = 48,1 %, n = 5, Tabelle 1, eGrafik 12). Ein geringer Tätigkeitsspielraum als Dimension des „High Job Strains“ ist im Ergebnis der Metaanalyse mit einem um 17 % erhöhten Angststörungsrisiko verbunden (ES: 1,17 [1,00; 1,36], I2 = 38,0 %, n = 6) (eGrafik 13).
Weitere psychosoziale Arbeitsbelastungen
Zum Zusammenhang einer beruflichen Gratifikationskrise (ERI) mit einer Angststörung ließen sich keine Studien in die Metaanalyse einschließen. Für eine hohe Arbeitsplatzunsicherheit zeigt sich in der dichotomen Auswertung ein um 55 % erhöhtes Risiko für eine Angststörung (eGrafik 14).
Ergebnisse zu weiteren psychischen Beeinträchtigungen und Erkrankungen
Lediglich zwei eingeschlossene Burnout-Studien finden teilweise deutlich erhöhte Risiken insbesondere bei hohem Job Strain, hohen Arbeitsanforderungen und hohen emotionalen Anforderungen (17, 18). Somatoforme Störungen sind in einer verfügbaren Studie bei Männern mit geringem Tätigkeitsspielraum und mit emotionalen Arbeitsanforderungen, bei Frauen mit den (quantitativen) Arbeitsanforderungen assoziiert (16).
Für Suizidgedanken (n = 5 Studien) und vollendete Suizide (n = 3) Studien finden sich teilweise deutlich erhöhte Risiken für hohen Job Strain und dessen Dimensionen hohe Arbeitsanforderungen und geringer Tätigkeitsspielraum, für Gratifikationskrisen, Androhung körperlicher Gewalt, überlange Arbeitszeiten, psychisch belastende Kundenkontakte sowie eine eintönige oder mit hoher Verantwortung verbundene Arbeit (19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26).
Publikationsbias und Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zum Zusammenhang zwischen Job Strain und dem Auftreten einer Depression wurde auf Grundlage der GRADE-Beurteilung als hoch eingestuft. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für den Zusammenhang zwischen hohen Arbeitsanforderungen beziehungsweise geringem Tätigkeitsspielraum und Depression beziehungsweise Angststörung ist formal niedrig (eTabelle 4). Es fand sich kein Hinweis auf einen Publikationsbias (Egger’s Test: p > 0,30).
Diskussion
Der vorliegende systematische Review mit Metaanalyse weist im Einklang mit früheren Übersichtsarbeiten (1, 2, 3, 4, 5) auf ein deutlich erhöhtes Depressionsrisiko bei Berufstätigkeiten hin, die mit hohen psychosozialen Anforderungen bei geringem Tätigkeitsspielraum verbunden sind (High Strain) (1, 3). Dieses hohe Risiko ist offenbar in erster Linie auf die hohen Arbeitsanforderungen zurückzuführen. Im Unterschied dazu ist das erhöhte Depressionsrisiko bei High Strain in der Analyse von Madsen et al. (3) von einem geringen Tätigkeitsspielraum, nicht von hohen Arbeitsanforderungen „getrieben“. Im Einklang mit Kivimäki et al. (27) sprechen die Depressionsrisiken für High Strain, die deutlich höher sind als die für hohe Arbeitsanforderungen beziehungsweise geringen Tätigkeitsspielraum allein, für einen kombinierten Effekt dieser beiden Komponenten des Job Strains. Auf der Grundlage einer finnischen Studie (28), die den Einfluss von kombinierten psychosozialen Arbeitsbelastungen auf das Risiko einer depressionsbedingten „Invalidenrente“ untersucht, finden sich Hinweise auf ein besonders hohes Depressionsrisiko (Hazard Ratio: 4,40 [2,43; 7,96]) beim gleichzeitigen Auftreten von High Strain und Gratifikationskrise (28). Wenn zusätzlich von Beschäftigten eine organisationale Ungerechtigkeit wahrgenommen wird, steigt das Depressionsrisiko weiter an.
In unserer Metaanalyse erreicht der Zusammenhang zwischen High Strain und Depressionen das Verdopplungsrisiko. In anderen Reviews finden sich etwas geringere (1, 3) beziehungsweise deutlich geringere Risikoschätzer ([3] in einer Teilauswertung, die individuelle gepoolte Ergebnisse [„individual participant data“, IPD] einbezieht [29]). Die höheren Risikoschätzer in unserer Metaanalyse im Vergleich zu den vorgenannten Reviews sind wesentlich zurückzuführen auf den Einbezug neuerer Follow-up-Untersuchungen aus laufenden Kohortenstudien beziehungsweise neuerer Primärstudien (28, 30) und auf unterschiedliche Ein- und Ausschlusskriterien (unter anderem Ausschluss von Studien mit selbstberichteter Depressionsdiagnose beziehungsweise mit antidepressiver Behandlung als alleiniger Outcome-Definition in unserem Review). Für Angststörungen lassen sich ähnliche belastende Faktoren wie für Depressionen identifizieren.
Expositions-Risiko-Beziehung: psychosoziale berufliche Belastungen und psychische Erkrankungen
Eine wesentliche Stärke des vorliegenden systematischen Reviews liegt darin, dass nicht nur das psychische Erkrankungsrisiko bei bestimmten psychosozialen Belastungen, sondern auch deren Ausmaß (die „Dosis“) untersucht wurde. Der Vergleich des Depressionsrisikos bei verschiedenen Expositionskategorien (Einbezug der höchsten und der zweithöchsten Expositionskategorie in getrennte Metaanalysen) weist bei mehreren psychosozialen Arbeitsbelastungen auf eine positive Dosis-Wirkungs-Beziehung in Bezug auf das Depressionsrisiko hin. Es finden sich Hinweise darauf, dass bei länger dauernder Exposition auch die psychischen Erkrankungsrisiken steigen. Allerdings war zumeist lediglich eine dichotome Analyse möglich. Damit könnten die metaanalytisch bestimmten Risikoschätzer deutlich unterschätzt sein.
Stärken und Limitationen des systematischen Reviews
Als Stärke des systematischen Reviews ist die Beschränkung auf epidemiologische Studien mit einer Follow-up-Zeit von mindestens einem Jahr zu werten. Damit konnte eine reverse Kausalität (das heißt die vergleichsweise ungünstige Beurteilung der Arbeitsbedingungen durch Personen mit einer bereits vorliegenden psychischen Erkrankung) bestmöglich vermieden werden.
Kritisch ist anzumerken, dass nur eine geringe Zahl von Primärstudien die relativ strengen Einschlusskriterien erfüllte, zu denen auch eine adäquate Studienqualität gehörte. Mögliche Verzerrungen der Ergebnisse können aus der fehlenden Berücksichtigung der gesamten Lebenszeit in den einbezogenen Primärstudien resultieren: Neu aufgetretene Erkrankungen lassen sich nicht klar von weiteren Episoden trennen, die bei mindestens der Hälfte der Patientinnen und Patienten mit einer Depression im Laufe des Lebens mindestens einmal auftreten (31). Allerdings wurden nur Studien einbezogen, bei denen die untersuchte Erkrankung (Depression, Angststörung) zum Zeitpunkt der Basiserhebung ausgeschlossen worden war; alternativ musste zumindest für die Zielerkrankung zur Basiserhebung in den statistischen Modellen adjustiert worden sein. Als weitere potenzielle Verzerrung könnten früh im Leben aufgetretene psychische Störungen zu einer Selektion in bestimmte Berufe geführt haben. Eine Überschätzung der Zusammenhänge könnte aus einer Beeinflussung der meist selbst angegebenen psychosozialen beruflichen Anforderungen durch präklinische Depressionen oder Angststörungen resultieren, insbesondere in Kombination mit einer befragungsbasierten Outcome-Messung („Common Method Bias“ [29]). Alle einbezogenen Studien berücksichtigten zumindest die Confounder Alter und Geschlecht; die fehlende Berücksichtigung des sozioökonomischen Status in einigen Studien könnte grundsätzlich zu einer Überschätzung der Zusammenhänge geführt haben. Demgegenüber könnten lange Follow-up-Zeiten ohne Berücksichtigung zwischenzeitlich veränderter Arbeitsbedingungen auch zu einer Unterschätzung der Zusammenhänge geführt haben. Eine sehr hohe Studienqualität („++“) – gleichbedeutend mit einem sehr geringen Bias-Risiko – konnte keiner Primärstudie zuerkannt werden; dies verweist auf weiteren Forschungsbedarf. Inwieweit die tätigkeitsbezogenen Erkrankungsrisiken (im Sinne einer Effektmodifikation) durch den sozialen oder kulturellen Hintergrund beziehungsweise durch eine Migrationserfahrung beeinflusst werden können (32), bedarf ebenfalls weiterer Forschung.
Schlussfolgerungen
Dieser systematische Review zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen psychosozialen Arbeitsbelastungen und psychischen Erkrankungen. Ein besonders hohes Risiko für Depressionen findet sich für Tätigkeiten mit einem hohen Job Strain – also der Kombination von hohen Anforderungen und einem geringen Tätigkeitsspielraum.
Für den klinischen Alltag lassen sich aus unserem systematischen Review folgende Schlüsse ziehen:
- Die Arbeitsanamnese soll auch die psychosozialen Arbeitsbedingungen (unter anderem zeitliche und emotionale Arbeitsanforderungen, Tätigkeitsspielräume, Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit) umfassen.
- Die Vermeidung überhöhter Arbeitsanforderungen und die Gewährleistung von Tätigkeitsspielräumen kann zur Prävention psychischer Erkrankungen beitragen.
- Bestehen Hinweise auf eine drohende Depression beziehungsweise Angststörung bei hohen beruflichen Belastungen, empfiehlt sich (mit Einverständnis der Patientin/des Patienten) eine Kontaktaufnahme mit der betreuenden Betriebsärztin/dem betreuenden Betriebsarzt.
Acknowledgement
Diese Studie wurde im Auftrag der SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) durchgeführt.
Danksagung
Die Autorinnen und Autoren möchten sich sehr herzlich bei Dr. Ida E. H. Madsen für die zusätzliche Analyse der Danish Work Life Course Cohort Study bedanken, die sie für den vorliegenden Review durchgeführt hat. Unser ganz herzlicher Dank geht an Prof. Reiner Rugulies für seine fachkundigen und überaus hilfreichen Anmerkungen zu unserem Manuskript.
Interessenkonflikt
Die Autorinnen und die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Manuskriptdaten
eingereicht: 14.03.2022, revidierte Fassung angenommen: 22.07.2022
Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Andreas Seidler, MPH
Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin
Medizinische Fakultät der TU Dresden
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
andreas.seidler@tu-dresden.de
Zitierweise
Seidler A, Schubert M, Freiberg A, Drössler S, Hussenoeder FS, Conrad I,
Riedel-Heller S, Romero Starke K: Psychosocial occupational exposures and mental illness—a systematic review with meta-analyses. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 709–15. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0295
►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de
Zusatzmaterial
eLiteratur, eMethodenteil, eTabellen, eGrafiken:
www.aerzteblatt.de/m2022.0295 oder über QR-Code
Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Technische Universität Dresden: Prof. Dr. med. Andreas Seidler, MPH, Dr. rer. nat. Melanie Schubert, Dr. rer. medic. Alice Freiberg, MPH, Dr. phil. Dipl.-Psych. Stephanie Drössler, Dr. rer. medic. Karla Romero Starke, MSc
Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP), Medizinische Fakultät der Universität Leipzig: Dr. phil. Dipl.-Psych. Felix S. Hussenoeder, Dr. phil. Ines Conrad, Prof. Dr. med. Steffi Riedel-Heller, MPH
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