ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2000Malassezia furfur: Fördert der Pilz auch eine Ekzem-Variante?

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Malassezia furfur: Fördert der Pilz auch eine Ekzem-Variante?

Dtsch Arztebl 2000; 97(18): A-1242 / B-1032 / C-965

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die Pityriasis versicolor, verursacht durch den Pilz Malassezia furfur, ist gekennzeichnet durch braune Pigmentierungen, weiße Depigmentierungs-Herde, Fluoreszenz unter UV-Licht und ein charakteristisches Hobelspan-Phänomen. Wie Dr. Peter Mayser (Gießen) auf einem Workshop von Janssen-Cilag anlässlich der Jahrestagung der American Academy of Dermatology in San Francisco ausführte, stehen topische Präparate im Vordergrund der Behandlung. Eingesetzt werden Antimykotika, aber auch viele andere Substanzen, zum Beispiel Selendisulfid.
Wichtig ist, so Mayser, dass auch bei geringem Befall der Kopf immer mit behandelt wird, um den Therapieerfolg zu sichern und Rezidiven vorzubeugen. Denn das Erregerreservoir sitzt in der Kopfhaut. Doch eine topische Therapie ist häufig nicht oder nicht langfristig durchführbar; zum Beispiel wenn der Befall ausgedehnt oder an schwer erreichbaren Körperpartien sitzt. Einige topische Präparate weisen auch einen unangenehmen Geruch auf und gefährden damit die Compliance des Patienten.
Etwa 60 Prozent der Patienten sind innerhalb von einem und 80 Prozent innerhalb von zwei Jahren von Rezidiven betroffen. In diesen Fällen können systemische Antimykotika eingesetzt werden. Früher wurde vor allem Ketoconazol empfohlen. Heute sind Alternativen wie Itraconazol oder Fluconazol verfügbar. Terbinafin wirkt nur lokal, systemisch aber überhaupt nicht. Die Therapie sollte über fünf bis zehn Tage durchgeführt werden, zum Beispiel mit 200 mg Itraconazol pro Tag. Auch eine Rezidivprophylaxe erscheint erfolgversprechend – beispielsweise einmal im Monat 200 mg Itraconazol über fünf Monate. In einer zweiphasigen Studie wurde der Effekt von Itraconazol untersucht, wie Mayser berichtete.
Mykologische Heilungsrate
An der ersten offenen Phase nahmen 161 Patienten teil. Sie erhielten 200 mg Itraconazol als tägliche Einmaldosis über sieben Tage. Die klinische und mykologische Heilungsrate betrug einen Monat nach Ende der Therapie 87 Prozent. In die zweite doppelblinde Phase der Rezidivprophylaxe wurden 125 Patienten eingeschlossen.
Sie bekamen 200 mg jeweils am ersten Tag des Monats versus Plazebo für fünf Monate. In den ersten drei Monaten trat bei einem von 58 Patienten der Itraconazol-Gruppe und bei zehn der 59 Patienten der Plazebogruppe ein Rezidiv auf. Nach sechs Monaten war schon fast kein Unterschied zwischen den Gruppen feststellbar. Daraus folgert Mayser, dass die Dosis zu gering war.
Eine weitere Hauterkrankung, bei der man Malassezia furfur als pathogenetischen Faktor vermutet, ist das seborrhoische Ekzem. Bei manchen Patienten mit seborrhoischem Ekzem finden sich erhöhte Zahlen von Malassezia-Sprosszellen auf der Haut, bei anderen nicht. Es gibt Hinweise darauf, dass es nicht auf die absolute Zahl von Sprosszellen ankommt, sondern auf die Zusammensetzung der Mikroflora, die bei Patienten mit seborrhoischem Ekzem verändert ist.
Die Pilze verursachen die Erkrankung möglicherweise nicht, aber führen zu einer entzündlichen Reaktion. Diese bekämpft man mit verschiedenen topischen Wirkstoffen in fettarmen Grundlagen. Auch auf topische und systemische Antimykotika sprechen die Hautveränderungen gut an. Dies unterstreicht, dass Pilze eine Rolle bei der Erkrankung spielen.
Eine systemische Therapie ist nur in Ausnahmefällen bei sehr häufigen Rezidiven oder starker Beeinträchtigung der Patienten zu erwägen. Keinesfalls sollte eine Dauertherapie durchgeführt werden. Ein klinischer Erfolg wurde mit verschiedenen systemischen Antimykotika bei über 80 Prozent der Patienten erzielt. Auch die Keimzahl nimmt ab, aber nach dem Absetzen der Therapie treten unweigerlich Rezidive auf.
In einer offenen Studie wurde bei 160 Patienten Itraconazol in einer Dosis von einmal 200 mg über sieben Tage eingesetzt. Nach 15 und 30 Tagen hatten sich die klinischen Symptome Juckreiz, Brennen, Erythem, Schuppung und Seborrhö deutlich gebessert. Weniger ausgeprägt wirkte sich die Therapie auf den mykologischen Befund aus. Wahrscheinlich beruht der klinische Erfolg vorwiegend auf einem antiinflammatorischen Effekt.
Dr. med. Angelika Bischoff
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