VARIA: Post scriptum

Das Zeichen des Zorro

Dtsch Arztebl 2000; 97(18): [60]

Goddemeier, Christof

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LNSLNS Im September letzten Jahres war der New Yorker Frauenarzt Allan Zarkin über eine gelungene Entbindung per Kaiserschnitt so begeistert, dass er mit dem Skalpell seine Initialen in den Bauch einer Patientin ritzte. Die Gesundheitsbehörden entzogen dem fortan als „Dr. Zorro“ bekannten Mediziner die Approbation. Die junge Amerikanerin erhielt eine Entschädigung von 1,75 Millionen Dollar. Dr. Zarkin gestand die Tat, machte aber eine Störung seiner vorderen Hirnlappen dafür verantwortlich.
Neuere Erkenntnisse der Neurowissenschaften könnten ihm Recht geben. Nach Schlafentzug sind die Stirnlappen aktiver als im ausgeschlafenen Zustand, lautete das überraschende Ergebnis einer Studie der Universität San Diego (Nature, Band 403, 2000). Der Wissenschaftler Sean Drummond und seine Kollegen hatten angenommen, der (so genannte) präfrontale Kortex, Ort des Arbeitsgedächtnisses, der im wachen Zustand am meisten beansprucht wird, sei auch am ruhebedürftigsten. Sie erwarteten daher, dass seine Aktivität durch Schlafmangel abnimmt. Doch arbeiteten die Stirnlappen der Versuchspersonen, die 35 Stunden nicht geschlafen hatten, umso heftiger, je müder sie sich fühlten.
Im Land, in dem die Universität San Diego liegt, spielt auch der Stummfilm „Das Zeichen des Zorro“ von Douglas Fairbanks aus dem Jahr 1920: In Kalifornien kämpft um 1820 ein geheimnisvoller, maskierter Mann unter dem Namen Zorro für die Gerechtigkeit, zwingt einen üblen Gouverneur zur Abdankung und gewinnt schließlich das hübsche Mädchen, das er unmaskiert vergeblich umworben hat . . .
Wie lange Dr. Zarkin vor seiner „Zeichnung“ bereits auf den Beinen war, wissen wir nicht. Was wir indessen genau wissen: Die Zuneigung der jungen Amerikanerin wird er durch sein Gebaren schwerlich gewonnen haben.
Dr. Christof Goddemeier
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