ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2000Ein Praxis-EDV-System in der kinderonkologischen Ambulanz: Komplexes Integrationsprojekt

Supplement: Praxis Computer

Ein Praxis-EDV-System in der kinderonkologischen Ambulanz: Komplexes Integrationsprojekt

Dtsch Arztebl 2000; 97(18): [7]

Astheimer, Henning

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LNSLNS In der Regel liegen „Welten“
zwischen einer Arztpraxis und
einem Krankenhaus in puncto Struktur, EDV-Bedarf und Budget. Dies spiegelt sich im EDV-Bereich in den Installationen, Investitions- und Betriebskosten und in der Personalausstattung wider. Der folgende Beitrag beschreibt die
erfolgreiche Integration eines Arztpraxissystems in eine
Krankenhausambulanz.
Die Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie des Universitätskrankenhauses Eppendorf behandelt seit 1969 krebskranke Kinder. In der Ambulanz werden täglich circa 40 Patienten versorgt (darunter ein bis zwei neue), von denen ein Drittel nur einmal erscheint. Auf der Bettenstation sind durchschnittlich 12 bis 13 Betten (Verweildauer rund vier Tage) belegt.
Die zweiköpfige Arbeitsgruppe „EDV & Statistik“ wurde 1979 gegründet. Zurzeit werden zur Unterstützung der Arbeitsroutine rund 50 PCs in einem Windows-NT-Netz eingesetzt. 40 Benutzer arbeiten aktiv mit EDV, die meisten davon im Ambulanzgebäude. Die Station betreibt einen PC, der an das im Aufbau befindliche Krankenhaus-Informationssystem (KIS) angeschlossen ist, sowie zwei abteilungseigene für Therapieberechnungen beziehungsweise Internet-Recherchen. Neben den gängigen Büroprogrammen wird als wichtigstes Werkzeug seit 1989 ein relationales Datenbanksystem eingesetzt, das die Daten der Hauspatienten und auch die der Therapiestudien enthält.
Die Ambulanz arbeitet wie eine niedergelassene Facharzt-Gemeinschaftspraxis und rechnet über ihre Institutsermächtigung direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg ab. Seit 1990 geschieht dies per Papierausdruck, nachdem für das selbst entwickelte Datenbankprogramm eine Nutzungszulassung erteilt worden war.
Systemeinführung
Ende 1996 erfolgte der Umstieg auf Programme der MCS AG, Eltville, die sich bereit erklärt hatte, eine zukünftige Anbindung an das KIS zu unterstützen. Seitdem werden folgende Programme eingesetzt: IKA (eine Krankenhausversion von INA), TimeMaster, MCS-Brief sowie selbst entwickelte Hilfsprogramme (siehe Kasten, Seite 8).
Vorbereitend wurde jedem Mitarbeiter die Teilnahme an einem Windows-Einführungskurs und an der IKA-Schulung ermöglicht. Im Verlauf der Einführungsphase wurden für jeden Arbeitsplatz allgemeine Anleitungen sowie grafische oder textbasierte Anleitungen entsprechend dem jeweiligen Arbeitsablauf erstellt. Diese entwickelten sich aus der gemeinsamen Einarbeitung vor Ort und liegen griffbereit neben jedem PC. Bei Bedarf (zum Beispiel bei Arztbriefschreibung und Diagnosevergabe) werden weitere Schulungen, insbesondere für neue Mitarbeiter oder zur Auffrischung, durchgeführt.
Den fünf nichtärztlichen PC-Arbeitsplätzen in der Ambulanz ist folgende Funktionalität zugeordnet:
n Empfang: Patientenempfang, Stammdatenpflege, Formulardruck, Terminkalender (Schwestern);
n Büro: Aktenorganisation, Terminvergabe, Berechnung von Chemotherapie (Schwestern, Ärzte);
n Abrechnung: Erfassung und Abrechnung ambulanter Leistungen, Ü-Scheinmahnung, Privatabrechnung (Verwaltungsangestellte);
n Labor: Patientenidentifikation und Online-Erfassung automatisch analysierter Blutbilder (MTA);
n Büro: medizinische Dokumentation und Systempflege.
Seit Januar 1999 stehen den Ärzten in sämtlichen Behandlungszimmern der Ambulanz Computer zur Verfügung. Der EDV-unterstützte Arbeitsablauf sieht idealisiert so aus:
© Der Arzt ruft den Patienten aus dem „virtuellen Wartezimmer“ auf (siehe Kasten auf Seite 7); © er öffnet das elektronische Krankenblatt des Patienten (Diagnosen, Medikamente, Blutbild); © er ruft das Laborblatt auf; © er liest/vergibt Diagnosen oder liest einen Hilfetext zur Diagnosevergabe; © er verordnet Arzneimittel © und vereinbart einen neuen Termin beziehungsweise entlässt den Patienten.
Umfassende Integration
Das EDV-Konzept sieht vor, möglichst auf kommerzielle Software zurückzugreifen und wichtige Daten, die mithilfe dieser Programme erfasst werden, in die Abteilungsdatenbank zu exportieren – letztere enthält bereits Daten seit 1973. So kann Funktionalität, die in der kommerziellen Software nicht enthalten ist, hinzuprogrammiert werden, und man bleibt zugleich unabhängiger von der Marktpräsenz des Softwareanbieters. Das IKA-Ambulanzprogramm wurde inzwischen mit einem Aufwand von über einem Mannjahr in das Abteilungssystem integriert.
Der Einsatz des Programms IKA hat sich bewährt. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Software vom Hersteller kontinuierlich weiter verbessert wird und die gesetzlichen beziehungsweise KV-Belange termingerecht berücksichtigt werden. Auch die Unterstützung durch den Vertriebspartner (Firma MoSys) trägt hierzu bei.
Der wissenschaftliche Teil der Dokumentation wird seit kurzem durch ein neues EDV-Programm „Dospo“ der Fachgesellschaft GPOH (Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie) abgedeckt. Damit soll nicht nur die klinische Arbeit unterstützt werden, sondern auch der Export relevanter Daten für die klinischen Studien möglich werden.
Darüber hinaus ist mittelfristig eine Ankoppelung an das KIS geplant, wodurch klinikumszentrale Dienste wie Patientenidentifikation, Leistungsübermittlung und Laboraufträge verfügbar würden. Henning Astheimer

Kontaktadresse: Dr. rer. nat. Henning Astheimer, Universitäts-Krankenhaus Hamburg-Eppendorf, Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, 20246 Hamburg, E-Mail astheimer@uke.uni-hamburg.de


Hilfsprogramme für IKA
n Anzeige blockierter Patienten: Das Ambulanzprogramm arbeitet so, dass ein bestimmter Patient nur an einem PC zur Zeit bearbeitet werden kann. Daher ist es nützlich zu erkennen, an welchem Arbeitsplatz ein Patient gerade blockiert ist.
n Export von Patientendaten: Diese Funktion wird automatisch ausgeführt über IKA-Funktionstasten bei der Benutzung der Wartezimmerliste (IKA-Pinnwand). Dabei werden Patientenbewegungen protokolliert, die bei Bedarf überprüft werden können – zum Beispiel bei einer Beschwerde über zu lange Wartezeiten.
n Erzeugung der KIS-Patientennummer: Zur Patientenidentifikation innerhalb des Klinikums, zum Beispiel beim Zentrallabor, wird eine „ambulante KGN“ (Krankengeschichtsnummer) benötigt.
n Blutbilddaten mit INA-Lab: zeigt Blutbilder an in Teilstücken, die das Modul verarbeiten kann.
n Ermittlung der IKA-Patientennummer: als Hilfsfunktion für andere Programme.
(Die Zusatzprogramme sind kostenfrei erhältlich bei: rath@uke.uni-hamburg.de.)
Zusätzliche Software
n Blutbilddatenempfang „CellDyn“: überträgt Blutbilddaten vom Celldyn1600-Automaten an den PC.
n Patientenaufenthalte ambulant, stationär: zur Ausstellung von Patientenbescheinigungen oder für Übersichten am Bildschirm.
n Diagnosenvergabe „Diag“: Die Abteilung hat eine Liste hämatologisch-onkologischer Diagnosen (mit ICD-10-Code) definiert, die für die Vergabe von Diagnosen der Hauspatienten verwendet werden soll. Das Programm kommuniziert mit dem Ambulanzprogramm „IKA“ über eine Schnittstelle. Es übernimmt die Patientenidentifikation, stellt Diagnosen zur Auswahl und speichert Diagnose und Datum in der Abteilungsdatenbank; parallel dazu wird die Diagnose zur Übernahme in IKA zwischengespeichert.
n Dosierungsempfehlung: abteilungseigene Empfehlungsliste mit spezifischen Dosierungen für die Behandlung von Kindern.
n Express-Arztbrief: Sammlung von Briefformularen für die Standardfälle – zur Beschleunigung der Arztbriefschreibung.
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