ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 2/2000Ambulante Kopf- und Tumorschmerztherapie: WWW-basiertes Schmerzmanual

Supplement: Praxis Computer

Ambulante Kopf- und Tumorschmerztherapie: WWW-basiertes Schmerzmanual

Dtsch Arztebl 2000; 97(18): [26]

Novak, Dino Carl

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LNSLNS Das elektronische Kölner Schmerzmanual soll dazu
beitragen, die Versorgung
chronisch schmerzkranker
Patienten zu verbessern und
Patientenaufklärung und ärztliche Fortbildung zu unterstützen.

Ambulante Schmerztherapie in Deutschland, so wird häufig beklagt, stellt eher ein Schlusslicht im europäischen Vergleich dar. Wirksame Medikamente und Therapien werden zu wenig und nicht in optimaler Konzentration und Kombination angewandt. Besonders im ambulanten Bereich ist die Zurückhaltung der Ärzte auffällig. Zum einen liegt dies an den besonderen Bedingungen der „Schmerzmitteltherapie“, zum anderen aber auch an Defiziten in der ärztlichen Aus- und Fortbildung.
Um einen neuen Ansatz zur Verbesserung der Fort- und Weiterbildungssituation der niedergelassenen Ärzte geht es im Kölner STAN-Projekt (Schmerztherapeutisches ambulantes Netzwerk). Das Projekt wird von der Schmerzambulanz der Universität zu Köln unter Leitung der Klinik für Anästhesiologie und der Klinik für Psychosomatik betrieben (Internet: www.medizin.uni-koeln.de/stan/
manual.html).
Ziel war es, in Kooperation mit dem Institut für medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie (IMSIE) der Universität zu Köln die Weiterbildung der niedergelassenen Ärzte mithilfe der neuen Medien, insbesondere des Internets, zu unterstützen. Zugleich sollte der wachsenden Bedeutung der Patienteninformation Rechnung getragen werden, denn immer mehr interessierte Laien suchen im Internet Informationen und Beratung zu den verschiedensten Erkrankungen.
Konzeption
Auf der Grundlage des an der Kölner Schmerzambulanz verfassten Handbuchs zum Kopf- und Tumorschmerz, das auf den Leitlinien der WHO und schmerztherapeutischer Fachgesellschaften beruht, wurde vom IMSIE eine digitale Version für das Internet entwickelt.
Obgleich in erster Linie für die ärztliche Weiterbildung konzipiert, bietet das Schmerzmanual auch eine Unterstützung für den medizinischen Laien und den Patienten. Besonderes Augenmerk wurde auf eine logische und einfache Benutzerführung verwandt. Diese zeichnet sich durch eine auf beide Zielgruppen ausgerichtete Navigationsstruktur aus, die ein schnelles Finden der gesuchten Information (Ärzte), aber auch ein „geführtes“ Kennenlernen des Inhalts (Patienten) unterstützt.
Inhalt und Struktur
Das Manual ist inhaltlich in die Bereiche Kopfschmerz und Tumorschmerz unterteilt. Beide Themenkomplexe sind wiederum in drei Abschnitte untergliedert: der Kopfschmerzteil in „Diagnostik“, „Therapieeinstellung“ und „Prophylaxe“; der Tumorschmerzteil in „Diagnostik“, „Therapieeinstellung“ und „Verlaufskontrolle“.
N Hauptfenster: Die typische Seite im Schmerzmanual weist eine horizontale Dreiteilung
auf: Oben und unten befinden sich Navigationsstrukturen und in der Mitte die Hauptinformation als Text und/oder Grafik (Abbildung 1).
N Zusatzfenster: Darüber hinaus
gibt es vier zusätzliche Fenster (siehe auch Abbildung 2): die „Suchmaschine“, das „Glossar“, die „Guided Tours“ und die „Themenübersicht“. Die Zusatzfenster sind kleiner als das Hauptfenster und können über diesem oder nebeneinander auf dem Bildschirm angeordnet werden. Dies hat den Vorteil, dass nicht ständig zwischen Seiten vor- und zurückgesprungen werden muss.
Die „Suchmaschine“ ermöglicht ein komfortables Suchen von Begriffen auf der Website. Durch Klicken auf die gefundenen Ergebnisse wird sofort die entsprechende Seite aufgerufen. Dabei bleibt das Suchmaschinenfenster geöffnet, so dass ein schnelles Abarbeiten der Suchergebnisse möglich ist.
Im „Glossar“ werden alle relevanten und im Schmerzmanual verwandten Begriffe erläutert.
In der „Themenübersicht“ zum jeweiligen Bereich „Kopfschmerz“ oder „Tumorschmerz“ werden alle entsprechenden Seiten strukturiert dargestellt. Jeder Begriff ist dabei als Link gestaltet, so dass die Informationen schnell und gezielt aufgesucht werden können.
Durch die „Guided Tours“ ist eine geführtes Kennenlernen der Thematik möglich. Dort werden die wichtigsten Themenbereiche mit verkleinerten Darstellungen der entsprechenden Seiten und kurzen Texten erläutert. Sowohl aus dem Text als auch aus den Miniaturabbildungen kann die entsprechende Seite aufgerufen werden. Das Zusatzfenster bleibt geöffnet und ermöglicht ein schrittweises Erkunden der einzelnen Themen.
N Obere Navigationsleiste: Diese weist eine zweizeilige Struktur auf: Sie zeigt in der ersten Zeile die Hauptbegriffe (zum Beispiel Kopfschmerz: Allgemeines – Spannung – Migräne – Sekundär), in der zweiten Zeile die Position in der Themenstruktur (zum Beispiel > Therapie > Therapieformen > Entspannungstraining). Der jeweils ausgewählte Bereich ist fett hervorgehoben. So ist ein schrittweises Zurückgehen, aber auch ein Überspringen einzelner Seiten möglich. An der oberen Navigationsleiste kann der Nutzer jederzeit seine aktuelle Position ablesen.
N Farbsymbole: Navigation und Orientierung im Schmerzmanual werden durch farbliche Symbole unterstützt. Die Farbgebung orientiert sich an der „Ampel“: Rot steht für Diagnostik, Gelb für Therapie und Grün für Prophylaxe/Verlaufskontrolle. Diese Farbkodierung wird durch einfache grafische Symbole ergänzt: durch ein Quadrat für Kopfschmerz und einen Kreis für Tumorschmerz. Diese Symbole finden sich am linken Bildrand des Hauptfensters auf jeder Seite mit der entsprechenden Farbgebung. So ist der Therapiebereich im Kapitel Kopfschmerz mit gelben (= Therapie) Quadraten (= Kopfschmerz) gekennzeichnet.
N Navigationsleiste unten: Diese ermöglicht den Zugang zu den beiden Themenbereichen „Kopfschmerz“ und „Tumorschmerz“ – mit jeweils einer Themenübersicht – sowie zu den Zusatzfenstern und zur „Hilfe“. Zudem ist über das STAN-Logo jederzeit die Startseite des Angebotes aufrufbar. Der Anwender hat hier auch die Möglichkeit, das gesamte Schmerzmanual herunterzuladen. In der unteren Navigationsleiste findet sich die schon bekannte Symbolgebung (Quadrat/Kreis) wieder. Über die Themenübersicht ist zudem ein direkter Zugriff auf die einzelnen Seiten möglich.
Ausblick
Seit August 1999 ist das „Kölner Digitale Schmerzmanual“ in seiner jetzigen Form online. Seitdem werden die Zugriffe in einer Log-Datei protokolliert. Aus diesen Daten ist beispielsweise erkennbar, von wo (Provider) auf welche Bestandteile (einzelne Seiten, bzw. HTML-Dokumente) der Website zugegriffen wird. Die Log-Dateienauswertung ergibt: Wurde anfänglich fast ausschließlich aus dem universitären Bereich zugegriffen, stammen nun mehr als die Hälfte der Zugriffe von Patientenorganisationen, Fachverbänden und anderen Interessenvertretungen. Ebenfalls finden sich vermehrt Zugriffe von Suchmaschinen. Wurden zu Beginn des STAN-Projektes fast ausschließlich Dokumente, wie Diplomarbeiten und wissenschaftliche Veröffentlichungen, heruntergeladen, sind es nun mit Abstand am häufigsten Downloads des „Kölner Digitalen Schmerzmanuals“ selbst.
Um genauere Daten zu erhalten, insbesondere darüber, welche Personen welche Seitenbereiche aufsuchen, ist eine Online-Befragung der Nutzer der Web-Seite geplant. Damit soll das Schmerzmanual evaluiert, das heißt, daraufhin untersucht werden, ob es überhaupt die Informationen liefert, die der Nutzer sucht. Aus den so gewonnenen Erkenntnissen soll eine optimierte Version des Angebotes entstehen.
Dino Carl Novak

Kontaktadresse: IMSIE Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie, Medizinische Einrichtungen der Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Straße 9, 50924 Köln
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