Supplement: Reisemagazin

Kuba: Tauchen vor der Schatzinsel

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): [10]

Richter, Frank Jörg

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LNSLNS Die große kubanische Insel „Isla de la Juventud“, früher unter dem
Namen „Pinos“ bekannt, läuft in der Tourismus-Werbung
unter der Bezeichnung „Schatzinsel“, da diese Karibik-Insel Robert Louis
Stevenson zu seinem weltberühmten Roman inspirierte.

Christoph Kolumbus entdeckte das Eiland 1494 während seiner zweiten Amerika-Reise. An der Westküste bot die Bucht von Siguanea den Seeräubern einen geschützten Naturhafen. Heute befindet
sich an diesem geschichtsträchtigen Ort das Hotel Colony, die einzige Touristenanlage auf der 2 200 Quadratkilometer großen Insel. Eine gute Bootsstunde von hier entfernt liegen die etwa 50 Tauchplätze am vorgelagerten Cannareos-Riff, das sich parallel zur Küste hinzieht.
Sporttaucher halten hier nicht nach Golddublonen und Silberbarren Ausschau, sondern gehen mit der Unterwasser-Kamera auf Schatzsuche. Die „Jagd“ gilt interessanten Motiven der farbenprächtigen Fischwelt, den buschähnlichen Rindenkorallen, die es nur in der
Karibik gibt, und den artenreichen Steinkorallen des Außenriffs.
Nach zehnstündigem Flug mit der Boeing 767 der LTU landen wir in Havanna. Die Pass- und Zollabfertigung geschieht rasch und unbürokratisch. In dieser Hinsicht hat sich gegenüber früher viel verändert, weil man auf den Tourismus als Haupteinnahmequelle angewiesen ist.
Der Weiterflug von Havanna zur Schatzinsel mit einer 50 Jahre alten DC 3 klappt nicht. Die alte Maschine hebt mit einer anderen Reisegruppe eine halbe Stunde vor unserem Abflug ab. Wir müssen mit einer zweimotorigen Antonov vorlieb nehmen, die nach etwa 45 Minuten auf der Isla de la Juventud landet.
Im kleinen Hafen warten mehrere moderne Tauchschiffe auf die Gäste. Die Fahrzeit zum „Ranchon“, einer großen, auf Holzpfählen errichteten Plattform mit einem einfachen Restaurant, dauert eine knappe Stunde. Der Ranchon, am Ende eines 300 m langen Steges im Meer liegend, wird von den Tauchschiffen immer zuerst angesteuert, um Lebensmittel und Badegäste auszuladen. Hier kann man – Wassertiefe 1,70 bis 1,80 m – schwimmen oder über den Verbindungssteg zum schneeweißen Palmenstrand laufen, um dort ins Wasser zu gehen.
Nach einem Aufenthalt am Ranchon fahren die Tauchschiffe zu den vorher bekannt gegebenen Tauchstellen. Die Fahrzeit beträgt meist nur 10 bis 20 Minuten.
Der erste Tauchgang findet an den Steilabbrüchen des Außenriffes auf 25 bis 30 m Tiefe statt. Nach dem Mittagessen erfolgt die Ausfahrt zum zweiten Tauchgang im Tiefenbereich zwischen 10 bis 15 Metern. Fast alle Tauchreviere sind mit Bojen versehen, an denen die Schiffe festmachen, sodass der Korallenbewuchs durch Verankerung nicht beschädigt wird. Die Wassertemperatur misst bei fast immer ruhiger See 26 bis 28 °C.
An den Steilwänden, die stellenweise sehr tief abfallen, finden sich eine ganze Reihe mit üppigem Korallenbewuchs und reichem maritimen Leben versehene Tauchstellen. Teilweise sind diese Riffabbrüche mit Grotten, tiefen Einschnitten und kleinen Höhlen durchsetzt – für viele Fischarten ein ideales Revier. Auch hier eine Formenvielfalt der verschiedenen Schwammarten in jeder Größe und Farbe. Am farbenprächtigsten sind die lila, gelben, braunen oder dunkelroten, über ein Meter langen Röhrenschwämme.
Ab und zu trifft man auf etwa anderthalb Meter große Barrakudas, die als ausgewachsene Einzelgänger wenig Scheu vor Tauchern zeigen, denn mit schwachen Flossenschlägen kommt man bis auf wenige Meter heran. Da diese großen Fische oft das Maul leicht geöffnet haben, so dass man das Gebiss gut erkennen kann, und die dunklen Augen die „Eindringlinge“ fixieren, jagt bei Tauchanfängern meist ein Adrenalin-Stoß durch den Körper. Graue Engelsfische (Grey Angel) sind bei fast jedem Tauchgang zu beobachten – häufig paarweise. Die dunkel gefärbten Französischen Engelsfische (French Angel) sind dagegen selten, das gilt auch für die blaugrünen Queen Angel. Frank Jörg Richter
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