ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Aktuelle Malariaprophylaxe
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LNSLNS Die Malaria ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten in den Tropen. Die Übertragung erfolgt durch den Stich plasmodieninfizierter Anopheles-Mükken. Insbesondere bei der Malaria tropica können lebensbedrohliche Organschäden auftreten. Daher sollten bei Reisen in Malaria-Endemiegebiete die zur Verfügung stehenden, wirksamen Prophylaxemaßnahmen Anwendung finden. Die beiden wichtigsten Präventionsstrategien sind die Vermeidung von Mückenstichen (Expositionsprophylaxe) und die Abtötung von bereits eingedrungenen Plasmodien (Chemoprophylaxe). Eine Impfung ist derzeit noch nicht verfügbar.


Alle Reisenden sollten ärztlicherseits über die Maßnahmen zur Malariaprophylaxe aufgeklärt werden. Damit läßt sich eine Malaria mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern. Malariafrei sind in Tropen und Subtropen nur die Karibischen Inseln (außer Dominikanische Republik und Haiti), Tunesien, Seychellen, Réunion, Israel, Libanon, Kuwait, Abu Dhabi, Dubai, Malediven, Brunei, Hongkong, Korea, Singapur, Taiwan, Australien, Neuseeland, Cook-Inseln, Fidschi, Französisch-Polynesien, Neukaledonien. Bei der Beratung sind die im Textkasten aufgeführten Punkte zu berücksichtigen (1, 8).


Expositionsprophylaxe
Die konsequente Anwendung der Maßnahmen zur Vermeidung von Insektenstichen kann das Malariarisiko erheblich verringern:
! Einreiben unbedeckter Hautstellen mit moskitoabweisenden Mitteln (Repellents),
! Tragen von hautbedeckender Kleidung,
! Aufenthalt in mückensicheren Räumen (Klimaanlage, Fliegengitter),
! Anwendung von Moskitonetzen,
! die zusätzliche Verwendung von Insektiziden in Aerosolen, Verdampfern, Räucherspiralen ("mosquito coils") und ähnlichem sowie zur Imprägnierung von Moskitonetzen kann einen zusätzlichen Schutz bieten.


Medikamentöse Malariaprophylaxe
Eine Chemoprophylaxe ist bei Reisen in Malariagebiete grundsätzlich empfehlenswert und kann das Risiko auch in Gebieten mit Verbreitung von resistenten Malaria-tropica-Erregern nach wie vor wesentlich reduzieren. Die medikamentöse Vorbeugung (Chemoprophylaxe) der Malaria ist erschwert durch die Verbreitung von Resistenzen, die – nach Region und Ausmaß unterschiedlich – bereits gegen jedes der zur Verfügung stehenden Antimalariamittel möglich sind. Resistenzen gegen Chinin, Mefloquin, Halofantrin und Artemisinin sind noch selten. Einige Antimalariamittel sind für die Prophylaxe nicht geeignet oder mit dem Risiko erheblicher Nebenwirkungen belastet. Die Entscheidung über die Art der Malariaprophylaxe muß anhand des konkreten Reisezieles sowie der Reisezeit, der Reisedauer und des Reisestils vom Arzt individuell getroffen werden. Dabei sind auch die persönlichen Umstände des Reisenden (wie Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten, Medikamenteneinnahme) zu berücksichtigen.


Chloroquin
Chloroquin kann in Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz zur Prophylaxe eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen treten gelegentlich kurzfristige Magenbeschwerden, Augenflimmern und Schwindel auf. Bleibende Schäden der Netzhaut sind nur bei Dauereinnahme über Jahre in seltenen Fällen zu erwarten. Nach fünf Jahren regelmäßiger Chloroquin-Einnahme sollten deshalb halbjährliche augenärztliche Untersuchungen erfolgen. Chloroquin kann in Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz auch zur notfallmäßigen Selbstbehandlung bei Malariaverdacht verwendet werden. Chloroquin ist nach bisherigem Wissensstand auch bei Schwangeren und Kleinkindern einsetzbar. Chloroquin ist kontraindiziert bei Psoriasis und Porphyrie. Bei Epileptikern unter adäquater Therapie kann Chloroquin in Abwägung des Malariarisikos unter Umständen gegeben werden.


Proguanil
In Gebieten mit Chloroquinresistenz kann zusätzlich zur Chloroquin-Prophylaxe Proguanil eingenommen werden. Dadurch läßt sich eine additive Schutzwirkung erreichen. Nach Einnahme von Proguanil kann es zu vorübergehendem Haarausfall oder Magenbeschwerden kommen, sehr selten auch zu Mundulzerationen. Proguanil kann nach bisherigem Wissensstand auch bei Schwangeren und Kleinkindern eingesetzt werden. Bei Nierenversagen muß die Dosis reduziert werden (Kreatinin-Clearance 20 bis 60 ml/min/1,73 m2: 100 mg täglich; 10 bis 20 ml/min/1,73 m2: 50 mg täglich; < 10 ml/min/1,73 m2: 50 mg jeden zweiten Tag). Proguanil eignet sich nicht zur Therapie.


Mefloquin
In Gebieten mit sehr hohem Malariarisiko und häufiger Chloroquinresistenz bietet eine Prophylaxe mit Mefloquin derzeit den besten Schutz. Mefloquin kann auch zur notfallmäßigen Selbstbehandlung bei Malariaverdacht eingesetzt werden. Wegen gelegentlich schwer verlaufender neuropsychiatrischer Nebenwirkungen (6) sollten weder Personen mit psychischen Erkrankungen oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte noch Personen mit verantwortungsvoller Tätigkeit und besonderen Anforderungen an die räumliche Orientierung (wie Piloten, Gerätetaucher, Bergsteiger) eine Prophylaxe mit Mefloquin betreiben. Außerdem sollte Mefloquin nicht Patienten mit Erregungs­leitungs­störungen des Herzens sowie gleichzeitig mit Medikamenten vom Chinidin-Typ gegeben werden. Eine Wechselwirkung mit Betablockern, Kalziumantagonisten oder sonstigen Antiarrhythmika ist nach derzeitigem Wissensstand nicht völlig auszuschließen. Als weitere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen und allergische Hautreaktionen beobachtet worden. Nebenwirkungen sind bei prophylaktischer Anwendung wesentlich seltener als bei therapeutischer. Schwangere im ersten Trimenon und Kleinkinder bis 15 Kilogramm Körpergewicht sollten Mefloquin nicht einnehmen. Während der Einnahme und nach der letzten Einnahme von Mefloquin ist noch für drei Monate eine Schwangerschaft zu verhüten. Mefloquin wird vorwiegend über die Leber metabolisiert und ausgeschieden, eine Dosisreduktion ist auch bei Dialyse-Patienten nicht erforderlich.


Andere Malariamedikamente
Einige Medikamente werden nur in Einzelfällen, zum Beispiel bei Kontraindikationen gegen oben genannte Malariamittel oder bei besonderen Resistenzsituationen in Frage kommen.
Halofantrin ist nur zur Therapie, aber nicht zur Prophylaxe der Malaria einsetzbar. Halofantrin kann zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. Deshalb ist Halofantrin als Medikament für die notfallmäßige Selbstbehandlung trotz guter Wirksamkeit und subjektiv geringer Nebenwirkungen in aller Regel nicht mehr zu empfehlen. Es ist kontraindiziert bei bekannten Herzerkrankungen sowie in Kombination mit Arzneimitteln, die zu einer QT-Zeit-Verlängerung führen können. Eine eventuell vorbestehende QT-ZeitVerlängerung muß durch ein EKG ausgeschlossen sein. Wegen mangelnder Erfahrungen darf Halofantrin nicht in der Schwangerschaft und nicht von Kleinkindern unter zehn Kilogramm Körpergewicht eingenommen werden.
Chinin wird in erster Linie bei der Therapie der komplizierten Malaria tropica eingesetzt. Es ist in Ausnahmefällen auch zur notfallmäßigen Selbstbehandlung anwendbar.
Doxyzyklin allein ist zur Therapie nicht geeignet. Bedeutsam ist es zur Prophylaxe in Gebieten mit Chloroquin- und Mefloquin-Resistenzen wie in den Grenzgebieten Thailands zu Kambodscha und Myanmar (Burma). Die Einnahme sollte mit viel Flüssigkeit erfolgen, um Schleimhautschäden im Ösophagus zu verhindern. Es können phototoxische Reaktionen von belichteten Hautarealen auftreten. Schwangere und Kinder unter acht Jahren dürfen kein Doxyzyklin erhalten. Sulfadoxin-Pyrimethamin wird nicht mehr zur Prophylaxe eingesetzt; zur Therapie kommt es vor allem in Afrika noch häufig zum Einsatz. SulfadoxinPyrimethamin ist in Deutschland nicht mehr auf dem Markt. Es wird nur in Ausnahmefällen zur notfallmäßigen Selbstbehandlung empfohlen. Artemisinin-Derivate (zum Beispiel Artesunat, Artemether) werden vor allem in Südostasien zunehmend in der Malariatherapie eingesetzt; sie sind in Deutschland derzeit noch nicht zugelassen. Zur notfallmäßigen Selbstbehandlung sind sie zur Zeit nicht zu empfehlen.


Notfallmäßige Selbstbehandlung
Bei einer ungenügenden Chemoprophylaxe in Resistenzgebieten soll eine therapeutische Dosis eines Reservemittels mitgeführt werden, das bei malariaverdächtigen Symptomen und nicht erreichbarer ärztlicher Hilfe eingenommen wird (notfallmäßige Selbstbehandlung oder "Standby"-Behandlung). Dies sollte jedoch nur eine Notfallmaßnahme bis zum Erreichen ärztlicher Hilfe darstellen (5). Die alleinige Mitnahme eines MalariaMedikamentes zur eventuellen notfallmäßigen Selbstbehandlung ohne prophylaktische Medikamenteneinnahme kommt in Betracht bei kurzfristiger Malariaexposition (nur wenige Tage) oder bei Reisen in Gebiete mit sehr niedriger Malariainzidenz oder bei bekannter Unverträglichkeit einer Malariaprophylaxe.
Malariasymptome sind Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und anderes mehr. Durch die Krankheitserscheinungen kann die Diagnose "Malaria" weder sicher gestellt noch ausgeschlossen werden. Dies ist nur möglich durch den Nachweis von Parasiten im Blut. Die Inkubationszeit beträgt mindestens sieben Tage (2, 7).
Im allgemeinen sollte Mefloquin zur notfallmäßigen Selbstbehandlung mitgeführt werden, bei Reisen in Gebiete ohne Chloroquinresistenz eventuell auch Chloroquin, nur in Ausnahmefällen Sulfadoxin/Pyrimethamin, Halofantrin oder Chinin (siehe Tabelle 1 und 2).


Besondere Personengruppen


Kleinkinder und Säuglinge
Malariavorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern besteht primär in einer konsequenten Expositionsprophylaxe (Moskitonetze über Betten und Spielfläche). Moskitoabweisende Mittel (Repellents) sollten bei Kindern wegen möglicher Nebenwirkungen nicht längerfristig benutzt werden. Akut können Repellents, insbesondere bei Säuglingen, Schleimhautreizungen verursachen. Zur Chemoprophylaxe bei Säuglingen ab der sechsten Woche eignen sich Chloroquin und Paludrine. Mefloquin darf erst ab einem Körpergewicht von 15 Kilogramm Verwendung finden. Wegen möglicher Nebenwirkungen auf Zahnreifung und Knochenbildung darf Doxyzyklin erst ab dem achten Lebensjahr verordnet werden. Auch bei voll gestillten Säuglingen ist eine eigene Malariaprophylaxe erforderlich, da über die Brustmilch der Chemoprophylaxe einnehmenden Mutter kein ausreichender Schutz beim Säugling erzielt wird.


Schwangere und stillende Frauen
Eine Malariainfektion in der Schwangerschaft bedeutet eine erhebliche Gefährdung für die Mutter und den Fetus. Aus diesem Grunde sollte schwangeren Frauen grundsätzlich von einem Aufenthalt in Malariaendemiegebieten abgeraten werden, insbesondere von Aufenthalten in Gebieten mit ChloroquinResistenz. Ist ein Aufenthalt unumgänglich, so ist auf eine konsequente Vorbeugung zu achten. Chloroquin und Proguanil können nach bisherigem Erkenntnisstand in der Schwangerschaft und Stillzeit prophylaktisch eingesetzt werden (3). Mefloquin darf nach derzeitigem Kenntnisstand nicht im ersten Trimenon eingenommen werden. Doxyzyklin ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Während der Stillzeit sollten Mefloquin, Halofantrin oder Doxyzyklin nicht eingenommen werden.


Personen mit längeren oder häufigen Tropenaufenthalten
Tropenerfahrung und Beachtung von Gesundheitsschutzmaßnahmen, insbesondere von Mückenschutz und Malariavorbeugung mit Medikamenten, sind bei diesen Personengruppen sehr unterschiedlich. Diese Reisenden benötigen vor ihren Einsätzen eine individuelle ärztliche Beratung, bei der das zu erwartende Risiko nach Tätigkeit, Region, Jahreszeit, Resistenz der Erreger und Verträglichkeit der Medikamente beurteilt und eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen wird. Diese Beratung setzt beim Arzt tropenmedizinische Kenntnisse voraus.
Auch bei längerfristigen Aufenthalten und bei mehrfach wechselnden Aufenthalten in Malariagebieten sollte grundsätzlich eine Vorbeugung mit Medikamenten durchgeführt werden. Bei hohem Malariarisiko ist eine Chemoprophylaxe insbesondere während der Regenzeit oder bei Reisen mit eingeschränktem Moskitoschutz wichtig. Bei dieser Empfehlung ist die zu erwartende Schutzwirkung gegenüber den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen des Medikamentes noch genauer abzuwägen als bei touristischen Kurzreisen. Es kommen daher nur Präparate in Frage, deren Anwendung über längere Zeit oder mehrfach im Jahr keine wesentlichen Nebenwirkungen hervorrufen und zugleich eine angemessene Schutzwirkung erwarten lassen. Zur längerfristigen Vorbeugung eignen sich Chloroquin und Proguanil. Derzeit wird Mefloquin nur für Aufenthalte bis zu etwa drei Monaten empfohlen. Auf Grund neuerer Untersuchungen zeichnet sich allerdings die Möglichkeit ab, Mefloquin auch über einen längeren Zeitraum ohne wesentliche Zunahme von Nebenwirkungen einzusetzen (4).


Prophylaxeempfehlungen für verschiedene Reisegebiete
Nach der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) werden die Malariagebiete je nach Resistenzsituation in die Zonen A, B und C eingeteilt (Grafik). Zone A beinhaltet Gebiete ohne Chloroquinresistenz oder ohne Plasmodium falciparum, Zone B sind Gebiete mit Chloroquinresistenzen und Zone C Gebiete mit hochgradiger Chloroquinresistenz oder mit Multiresistenzen. Innerhalb dieser einzelnen Zonen kann allerdings das MalariaRisiko selbst innerhalb eines Landes sehr unterschiedlich sein (9). Als Orientierungshilfe für die Beratungspraxis werden daher im folgenden die Empfehlungen für die wichtigsten Reisegebiete angegeben. Im Einzelfall können entsprechend individueller Gesichtspunkte beim Reisenden andere Empfehlungen notwendig werden (zum Beispiel Aufenthalt nur in Großstädten, Aufenthalt nur für wenige Tage, Unverträglichkeiten). Bei Vorkrankheiten wie zum Beispiel Niereninsuffizienz sollten tropenmedizinisch erfahrene Ärzte, tropenmedizinische Einrichtungen oder entsprechende Impfzentren konsultiert werden.


Afrika
! Tunesien: kein Malariarisiko.
! Marokko, Algerien, Libyen: sehr geringes Malariarisiko, Malariaprophylaxe in der Regel nicht erforderlich.
! Ägypten: geringes Malariarisiko in den Sommermonaten (Juni bis Oktober) in El Fayoum, Malariaprophylaxe in der Regel nicht erforderlich.
! Tropisches Afrika (inklusive Madagaskar): hohes Malariarisiko: kontinuierliche medikamentöse Prophylaxe mit Mefloquin bis drei Monaten Reisedauer empfohlen, da dadurch die höchste Schutzwirkung erzielt wird; in Frage kommt auch eine Kombination aus Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation.
! Namibia, Botswana: Malariaprophylaxe nur für den Norden der Länder mit Mefloquin oder mit Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation.
! Republik Südafrika: Malariaprophylaxe nur für das Grenzgebiet zu Zimbabwe und Mozambique mit Mefloquin oder mit Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation. Für Kurzaufenthalte im Krügerpark ist die Mitnahme eines Malariamedikamentes als Notfall-Therapie ausreichend.
! Mauritius: sehr geringes Malariarisiko im Norden, Malariaprophylaxe in der Regel nicht erforderlich.
! Seychellen, Réunion: kein Malariarisiko.


Asien und Ozeanien
Generell sind die Hauptstädte Asiens malariafrei (Ausnahmen: Neu-Delhi, Rangun). Das Malariarisiko ist insgesamt geringer als in Afrika, es kommen aber in vielen Gebieten Chloroquin-Resistenzen vor.
! Israel, Kuwait, Libanon, Abu Dhabi, Dubai: kein Malariarisiko.
! Türkei: geringes Risiko in Südost-Anatolien und an der türkischen Riviera; Malariaprophylaxe in der Regel nicht erforderlich.
! Irak, Iran, Jordanien, Syrien: geringes Risiko; Malariaprophylaxe in der Regel nicht erforderlich.
! Jemen, Oman: für diese Gebiete Prophylaxe mit Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer NotfallMedikation empfohlen.
! Saudi-Arabien: Stadtgebiete der Westprovinz weitgehend malariafrei; für andere Landesteile Prophylaxe mit Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation empfohlen.
! Malediven: kein Malariarisiko.
! Bangladesch, Bhutan, Indien, Nepal, Pakistan, Sri Lanka: für diese Gebiete Prophylaxe mit Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation empfohlen (Gebiete im Himalaya oberhalb 2500 Meter sind malariafrei).
! Brunei, Japan, Hongkong, Korea, Singapur, Taiwan: kein Malariarisiko.
! China (VR): in Nord- und Nordostchina geringes Malariarisiko; in der Regel keine Prophylaxe erforderlich; in Süd- und Südostchina höheres Risiko (besonders in Yünnan und auf der Insel Hainan), bei Aufenthalten in ländlichen Gebieten Prophylaxe mit Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation oder mit Mefloquin empfohlen.
! Indonesien (außer Irian Jaya), Philippinen, West-Malaysia: für diese Gebiete wird eine Prophylaxe mit Chloroquin unter Mitnahme einer Notfall-Medikation empfohlen; unter Umständen (zum Beispiel auf Bali und Java in Indonesien) ist auch nur die Mitnahme eines Malariamedikamentes als Notfall-Therapie möglich. Die philippinischen Inseln Cebu, Leyte, Bohol und Catanduanes sind malariafrei.
! Thailand: Bangkok und Pattaya mit näherer Umgebung, Chiang-Mai und nähere Umgebung, größere Städte in Südthailand und dortige Inseln (Phuket, Ko Samui und andere): für diese Gebiete ist in aller Regel eine medikamentöse Prophylaxe entbehrlich; übrige Landesteile: für diese Gebiete neben konsequentem Mückenschutz eine kontinuierliche Prophylaxe mit Mefloquin empfohlen.
! Burma (Myanmar), Indonesien (Irian Jaya), Ost-Malaysia, Laos, Kambodscha, Vietnam: für diese Gebiete wird neben konsequentem Mückenschutz eine kontinuierliche medikamentöse Prophylaxe mit Mefloquin empfohlen. Anmerkung zu Kambodscha und zu den Grenzgebieten Thailands zu Kambodscha, Laos und Burma: Aufgrund der häufigen Mefloquin-Resistenzen kann alternativ auch eine Malariaprophylaxe mit Doxyzyklin in Betracht gezogen werden.
! Papua-Neu Guinea, Vanuatu: hohes Malariarisiko; für diese Gebiete kontinuierliche medikamentöse Prophylaxe mit Mefloquin zu empfehlen.


Mittelamerika
Generell besteht in Mittelamerika ein geringes Malariarisiko. Es kommt überwiegend die Malaria tertiana vor. Malaria tritt in Gebieten unterhalb 1000 m Höhe auf, die Hauptstädte sind in der Regel malariafrei. In der Karibik kommt Malaria tropica auf Haiti und in der Dominikanischen Republik vor; die anderen Inseln sind malariafrei. Für folgende Gebiete wird eine Malariaprophylaxe mit Chloroquin empfohlen:
! Mexiko: Karibikküste, Grenzgebiete zu Guatemala, Pazifikküste (außer der Halbinsel Baja California); in Yucatan in der Regel Aufsuchen eines Arztes bei Fieber oder notfallmäßige Selbsttherapie mit Chloroquin ausreichend;
! Guatemala: tiefe Regionen, Küstenabschnitte, Grenzgebiet zu Belize;
! Belize: ganzes Land;
! Honduras: Küstenabschnitte;
! El Salvador: Küstenabschnitte;
! Nicaragua: ganzes Land;
! Costa Rica: Küstenabschnitte, tiefe Regionen;
! Panama: westlich des Panamakanals geringes Risiko; östlich des Panamakanals in den Dschungelgebieten und im Grenzgebiet zu Kolumbien hohes Risiko: Mefloquin oder Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer Notfall-Medikation;
! Haiti: ganzes Land;
! Dominikanische Republik: nur in den Grenzgebieten zu Haiti geringes Malariarisiko; bei reinen Badereisen und Tagesausflügen in die Umgebung in der Regel keine Malariaprophylaxe erforderlich.


Südamerika
Im Amazonasbecken und den Zuflußgebieten besteht ein Malariarisiko mit mehrfach resistenten Erregern. Hier wird eine Malariaprophylaxe mit Mefloquin oder Chloroquin und Proguanil unter Mitnahme einer NotfallMedikation empfohlen. Das Küstengebiet am Pazifik hat ein geringes Malariarisiko. Hier wird entweder eine Malariaprophylaxe mit Chloroquin unter Mitnahme einer Notfall-Medikation empfohlen oder nur die Mitnahme eines NotfallMedikamentes.
! Venezuela: Caracas, Isla Marguerita und die Küstenregion sind malariafrei; Prophylaxe empfohlen für Reisen ins Inland zum Orinoco-Fluß, in die Regionen südlich des Orinoco und den Grenzgebieten zu Brasilien, Kolumbien und Guayana.
! Guayana, Surinam: Malariarisiko im ganzen Land.
! Kolumbien: Zentralbereich inklusive Bogotá malariafrei; Prophylaxe für Grenzgebiet zu Panama, Pazifikküste und Amazonasgebiet (Tiefland).
! Ecuador: im zentralen Hochland kein Malariarisiko; an der Pazifikküste geringes Malariarisiko; Mitnahme eines Notfall-Medikamentes oder Prophylaxe empfohlen; im Amazonasgebiet: Prophylaxe empfohlen.
! Peru: im zentralen Hochland geringes Malariarisiko; an der Pazifikküste höheres Malariarisiko: Mitnahme eines Notfall-Medikamentes oder Prophylaxe empfohlen; im Amazonasgebiet Prophylaxe empfohlen.
! Brasilien: Malariaprophylaxe empfohlen für ländliche Gebiete; die gesamte Ostküste sowie die an der Küste liegenden Provinzen südlich von Fortaleza sind malariafrei.
! Bolivien: Malariaprophylaxe nur im Amazonasgebiet.
! Argentinien, Paraguay: sehr geringes Malariarisiko, keine Prophylaxe empfohlen.
! Chile, Uruguay: kein Malariarisiko.


Informationsmöglichkeiten
Empfehlenswert zur schnellen Information ist die von der WHO jährlich herausgegebene Broschüre "International Travel and Health. Vaccination Requirements and Health Advice". Bei speziellen Fragen zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung der Malaria ist die Beratung durch niedergelassene Tropenmediziner, eine tropenmedizinische Einrichtung oder entsprechende Impfzentren empfehlenswert.


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1996; 93: A-1955–1960
[Heft 30]


Literatur
1. Bradley D J, Warhurst D C: Malaria prophylaxis. Guidelines for travellers from Britain. Brit Med J 1995; 310: 709–714
2. Fleischer K, Köhler B, Stich A: Therapie der Malaria. Dt Ärztebl 1995; 92: A-201–A210 [Heft 4]
3. Garner P, Brabin B: A review of randomized controlled trials of routine antimalarial drug prophylaxis during pregnancy in endemic malarious areas. Bull WHO 1994; 72: 89–99
4. Lobel H O, Mianin M, Eng T, Bernard K W, Hightower A W, Campbell C C: Long-term malaria prophylaxis with weekly mefloquine. Lancet 1993; 341 848–851
5. Nothdurft H D, Jelinek T, Pechel S M, Hess F, Maiwald H, Marschang A, von Sonnenburg F, Weinke Th, Löscher T: Stand-by treatment of suspected malaria in travellers. Trop Med Parasitol 1995; 46: 161–163
6. Phillips-Howard P A, ter Kuile F O: CNS adverse effects associated with antimalarial agents. Fact or fiction? Drug Safety 1995; 12: 370–383
7. Svenson J E, MacLean J D, Gyorkos T W, Keystone J: Imported malaria. Clinical presentation and examination of symptomatic travelers. Arch Intern Med 1995; 155: 861–868
8 WHO: International Travel and Health. Vaccination Requirements and Health Advice. Situation as on 1. January 1996. WHO, Genf 1996
9. WHO: World malaria situation in 1993. Wkly Epidemiol Rec 1996; 71: 17–22, 25–29, 37–39, 41–48


Anschrift für die Verfasser:
PD Dr. med. Gerd-Dieter Burchard
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg

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