ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2000Migranten: Erfolge bei spezialisiertem Angebot

SPEKTRUM: Leserbriefe

Migranten: Erfolge bei spezialisiertem Angebot

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): A-1256 / B-1048 / C-976

Voit, Jörg; Kaya-Heinlein, Dogan

Zu dem Beitrag „Türken haben Kultur, Deutsche eine Psyche“ von Sabine Rieser in Heft 8/2000:
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LNSLNS . . . Zwar ist es für eine Verbesserung der Versorgung sicherlich richtig und auch im Hinblick auf eine Förderung der Integration wünschenswert, in den bestehenden Einrichtungen des Gesundheitswesens durch strukturelle und personelle Maßnahmen die Bedürfnisse ausländischer Patienten besser zu berücksichtigen und sie zu integrieren. Für den Bereich der stationären Langzeittherapie hat es sich allerdings als außerordentlich vorteilhaft erwiesen, ein sozio-kulturell spezialisiertes Angebot zu machen. Dem häufig angeführten Argument der „Gettoisierung“ ist entgegenzuhalten, dass eine soziale Isolation bei der anteilsmäßig größten Gruppe der türkischstämmigen Migranten zumindest für den Bereich des Privatlebens meist faktisch besteht.
Ein spezialisiertes Angebot richtet sich an Migranten, die mit ihrer Herkunftskultur eng verbunden sind, denen es leichter fällt, ihre Anliegen in ihrer Muttersprache auszudrücken, die mehr Kontakt zu anderen Ausländern gewohnt sind als zu Deutschen und die spezifische Probleme haben, die mit der Kultur, der Religion oder den familiären Traditionen zusammenhängen.
Für eine effektive Arbeit mit drogenabhängigen Migranten ist es darüber hinaus wichtig, dass sich die Patienten gegenüber muttersprachlichen Therapeuten nicht hinter Kommunikationsbarrieren zurückziehen können.
Ein wesentliches Moment der therapeutischen Arbeit besteht darin, Schritte der Nach-Sozialisation und gesellschaftlichen Identitätsfindung zu ermöglichen, die Voraussetzung für eine dauerhafte Stabilisierung der Persönlichkeit und den Entwurf eigenständiger Lebensperspektiven ist. Basis und Rahmen für diese Entwicklung ist die therapeutische Gemeinschaft als familiäres und vertrautes System.
Der Erfolg des Verfahrens bestätigt den Ansatz: 60 Prozent der regulär abschließenden Patienten bleiben dauerhaft rückfallfrei, 90 Prozent gehen einer geregelten Arbeit nach. Von denjenigen, die die Therapie abbrechen, sind dies sechs Prozent . . .
Literatur bei den Verfassern
Jörg Voit, Dogan Kaya-Heinlein, Dönüss Therapieeinrichtung, Birnthon 3b, 90475 Nürnberg
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