ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2023Hausärztliche Versorgung: Stärkung der Nachwuchsarbeit

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Hausärztliche Versorgung: Stärkung der Nachwuchsarbeit

Haserück, André; Lau, Tobias

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Die Kräfte der hausärztlichen Versorgung sollen stärker gebündelt und die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Nachwuchsarbeit verbessert werden. Dafür sprechen sich die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin und der Hausärzteverband aus.

Foto: picture alliance/dpa/Stephan Jansen
Foto: picture alliance/dpa/Stephan Jansen

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und der Deutsche Hausärzteverband setzen sich gemeinsam dafür ein, die Weiterbildungsbefugnis im Fach Allgemeinmedizin auf Grundlage der vorhandenen Kompetenzen zu vergeben. Außerdem müsse der Quereinstieg in den Facharzttitel Allgemeinmedizin vereinfacht werden. Die hausärztliche Versorgung werde in Deutschland von zwei Facharztgruppen gewährleistet, den Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin und den hausärztlich tätigen Internistinnen und Internisten. Zukünftig sollen deshalb auch hausärztlich tätige Internistinnen und Internisten – beim Nachweis der entsprechenden Kompetenzen – vollumfänglich in der Allgemeinmedizin weiterbilden können, fordern die beiden Verbände. Konkret empfehlen sie, die Regelungen für die Weiterbildungsbefugnisse dahingehend anzugleichen, dass sie kompetenzbasiert vergeben werden. So solle eine Ungleichbehandlung der hausärztlich tätigen Internistinnen und Internisten bei der Dauer der Weiterbildungsbefugnis verhindert werden.

Es sei aus der DEGAM und des Hausärzteverbandes nicht mehr zielführend, wenn die Weiterbildungsbefugnis allein aufgrund der Facharztbezeichnung für die internistische Fachgruppe wie bisher teils deutlich verkürzt sei. „Es gibt keine Hausärztinnen und Hausärzte erster oder zweiter Klasse. Das muss sich auch in der Weiterbildungsbefugnis widerspiegeln“, fordert Dr. med. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Gemeinsam dafür einzutreten, die Weiterbildungsbefugnis zukünftig von den Kompetenzen des Weiterbildenden abhängig zu machen, sei auch ein klares Signal an die hausärztlich tätigen Internisten, dass ihre Kompetenzen in der hausärztlichen Versorgung und in der Weiterbildung unverzichtbar sind, sagte Beier weiter. Prof. Dr. med. Martin Scherer, Präsident der DEGAM, kündigte an, sein Verband werde gemeinsam mit dem Hausärzteverband Vorschläge in Form eines Kriterienkatalogs zur Frage erarbeiten, welche Kompetenzen zukünftig erforderlich sein werden, um die Weiterbildungsbefugnis zu erhalten. So könne die inhaltliche Qualitätssicherung der Weiterbildung langfristig gesichert werden. Außerdem wollen DEGAM und Hausärzteverband nicht nur der allgemeinmedizinischen Ärzteschaft, sondern auch der hausärztlich-internistischen Zielgruppe entsprechende Fortbildungen und sogenannte „Train-the-Trainer-Seminare“ anbieten.

Zugang vereinfachen

Darüber hinaus wollen die beiden Verbände den Zugang zum Erwerb des Facharzttitels Allgemeinmedizin für hausärztlich tätige Internisten stark vereinfachen. „Die hausärztliche Praxis ist extrem vielfältig. Dafür muss man umfassend und spezifisch weitergebildet sein“, erklärt Scherer. „Deshalb ist der Facharzttitel Allgemeinmedizin für uns nach wie vor die ideale Voraussetzung für die Hausarztpraxis und aus diesem Grund unterstützen und präferieren wir auch weiterhin das Modell des Quereinstiegs in die Allgemeinmedizin.“ Für jüngere internistische Kolleginnen und Kollegen, die aus der Klinik kommen, sei es sinnvoll, einen vereinfachten Zugang zum Facharzttitel Allgemeinmedizin als Quereinstieg zu ermöglichen. „Die bisherigen Regelungen zum Quereinstieg sind nicht differenziert nach der fachlichen Herkunft“, kritisiert Scherer. „Diesbezüglich werden wir sachgerechte Vorschläge für eine Modifizierung des Quereinstiegs, speziell aus der Inneren Medizin, erarbeiten.“

André Haserück, Tobias Lau

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