ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2000Westkanada: Mit dem Wasserflugzeug in die Wildnis

Supplement: Reisemagazin

Westkanada: Mit dem Wasserflugzeug in die Wildnis

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): [16]

Hamberger, Rainer W.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Unter uns taucht eine kleine Insel auf. Auf meinen fragenden Blick zu Richard, unserem Piloten, reagiert dieser nur mit Augenzwinkern. Als wir in etwa 30 m Höhe über das Dach des zwischen Wald und Klippen versteckten Hauses fliegen, lässt er die Maschine kurz einen Slalomkurs andeuten. „Jetzt wissen sie, dass wir gleich landen“, ruft er mir zu und gibt wieder Gas, um noch einmal an Höhe zu gewinnen. Wir drehen einen Vollkreis über der Insel und setzen mit gedrosseltem Motor zur Landung an.
Noch vor dem Aufsetzen stellt Richard die Maschine ab. Ein leichtes Rucken geht durch die
Beaver, als wir aufsetzen und eine Gischtfontäne auslösen. Schon nach Sekunden gleiten wir sanft wie ein Kanu im Forellenteich auf den Landungssteg zu. Noch während wir zum Steg schlittern, öffnet Richard die Tür, klettert hinaus auf die Kufen. Als wir nur noch einen Meter entfernt sind, springt er auf die Bretter, ergreift ein dort am Eisenring befestigtes Tau und zieht die Maschine längsseits. Hier wird sie wie ein Schiff vertäut. Nur mit Booten oder dem Wasserflugzeug können so isolierte Ansiedlungen vom „Rest der Welt“ aus erreicht werden. Diese Flugboote haben immer eine wichtige Funktion im kanadischen Outback. Dienten sie ehemals als Hilfsmittel zur Erschließung unbekannter Regionen, so fliegen sie heute zivilisationsmüde Zeitgenossen durch das Fenster ihrer Träume oder liefern Ersatzteile. Ohne die fliegenden Lastesel wäre die Erschließung der unwegsamen Wildnis über die Wasserwege schleppender verlaufen. Wo sich einmal Voyageurs in Birkenrinden-Kanus über Seen und Wildflüsse kämpften, da gleiten die Alubrummer der Neuzeit scheinbar schwerelos über das Angesicht einer archaischen Landschaft hinweg. Sperriges Gepäck? In den Schwimmern ist Raum dafür, und ein Kanu oder Kajak bindet man über den Kufen fest.
Spiegelglatte Bucht
Nur etwa 100 Meter gleiten wir über die spiegelglatte Bucht, und nahezu unmerklich löst sich unsere Maschine vom blaugrauen Nass. Vorne kommt eine Felswand näher, in einer steilen Linkskurve zieht Richard nach oben. Schräg hinter uns ist noch die Startspur als spitzes Dreieck auf dem Wasser zu erkennen. Wir gewinnen an Höhe, und vor uns breitet sich ein Inselparadies aus. Zwischen dem US-Staat Washington und dem Pfannenstiel Alaskas erstreckt sich die Insel- und Fjordlandschaft der Westküste Britisch-Kolumbiens.
Fjorde und Gletscher
Keine Straße ist unter uns zu erkennen. Wie silberne Platten liegen die Wasserflächen der Fjorde unter uns. Im Landesinnern glänzt die Gletscherwelt des Küstengebirges über gleißenden Graten, die sich bis über 4 000 Meter Meereshöhe erheben. Landeinwärts gelegene Buchten schimmern türkisfarben. Sie enthalten viel Gletscherwasser, das aufgrund des hohen Anteils von Gesteinsmehl diese Färbung zeigt, wenn das Licht reflektiert wird. Wir überfliegen eine größere Bucht ohne Inseln. Hier sind einige Fischerboote dem Küstenlachs auf der Lauer. Die beständige Meeresströmung von Süden zwingt sehr planktonreiches Wasser zwischen der Vancouverinsel und dem Festland wie durch einen Trichter. Da die Öffnungen zwischen Inseln oft recht schmal sind und nur einige Meter betragen, entstehen beim Wechsel der Gezeiten Strudel und Wellen wie in einem Gebirgsbach.
Um unsere Ankunft anzukündigen, dreht der Pilot eine Schleife über dem felsigen Eiland, wendet und setzt zum Landeanflug an. Das Aufsetzen der Kufen ist kaum wahrzunehmen, vor allem die Gischtfontäne zeugt davon. Die neuesten Inselnachrichten werden zum Besten gegeben: Ein Schwarzbär sei letzte Nacht in die Lachsräucherkammer eingebrochen und habe dort „aufgeräumt“. Ein Tourist habe rekordverdächtige Lachse gefangen und anderes Jägerlatein: Wenn einer behauptet, vom Bären gefressen worden zu sein, der lügt. Rainer W. Hamberger

Informationen:
Täglich fliegt die Lufthansa im Gemeinschaftsdienst mit der Air Canada von Frankfurt nach Calgary und nach Vancouver. Rundreisen mit dem Wasserflugzeug gibt es zum Beispiel im „Natur-aktiv-Katalog“ von CRD International GmbH, Manfred-Samusch-Straße 1, 22926 Ahrensburg, Telefon: 0 41 02/8 87 70, Fax: 0 41 02/88 77 55, E-Mail: info@crd.de, Internet: www. crd.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema