ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2000Umweltmedizin: Leider nicht anerkannt

SPEKTRUM: Leserbriefe

Umweltmedizin: Leider nicht anerkannt

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): A-1258 / B-1080 / C-967

Kretschmer, E.

Zu dem Medizin-Beitrag „Psychisch Kranke in der Umweltmedizin“ von Dr. Hanns Rüdiger Röttgers, M. A., in Heft 13/2000:
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LNSLNS Ich bin nur Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin und in einer freien Praxis tätig. Nicht, weil ich es so will, sondern weil die Umweltmedizin von den Krankenkassen nicht anerkannt wird und die guten Kassenärzte aus unserer Arbeit eine Gewinn-Beeinträchtigung erwarten.
Ich habe 1999 einen Betrag von etwa 24 000 DM erwirtschaftet und musste davon meine Praxis unterhalten und eine Familie versorgen – wir dürfen ja keine Werbung betreiben. Dass dies selbst bei größter Sparsamkeit nicht gehen kann und sich durch die Tücken der grün- sozialdemokratischen Steuerwucherei zum absoluten Problem aufschaukelt, ist sicher kein Geheimnis. Und dass es trotzdem geht, mag sich damit begründen, dass ich so ganz nebenbei Tiere schnitze und wunderschöne Geigen baue und gelegentlich dafür Interessenten finde. So kann ich mir als Schnitzer und Geigenbauer auch das Hobby leisten, Arzt für Hygiene und Umweltmedizin zu sein. Und was das nun bedeutet, will ich an einem Beispiel belegen:
Eine Patientin (28 Jahre) wurde wegen psychisch-neurologischer Auffälligkeit und Muskelschmerzen von ihrem Dienstherrn fristgerecht entlassen und von den Kassenärzten so nach dem Tenor „wer möchte noch was verdienen“ durch Fach-Kliniken gereicht. Es wurden Proben aus Geweben entnommen und dolle neurologische Tests durchgeführt. Der errechnete Kostenaufwand dürfte wohl bei weit über 30 000 DM liegen. Mir wurde sie quasi als abschließendes Alibi für den psychiatrischen Notfall vorgestellt. Bei genauer Erhebung der Anamnese stellte sich sehr schnell eine Pyrethroid-Sensibilisierung heraus, die auch im Urintest sehr einfach zu belegen war. Kostenpunkt des von der Patientin getragenen freien Gutachtens 120 DM. Den Urintest „bezahlte“ der Hausarzt. Es war wirklich sehr einfach, da die Patientin in einem Blumengeschäft als Floristin arbeitete. Und damit ist doch deutlich belegt, dass wir in Deutschland eine Umweltmedizin gar nicht brauchen können. – Es begründet aber auch, warum die Menschen solche Meinung vom Luxusleben der Ärzte haben.
Med.-Rat Dr. med. Kretschmer, Haasenweg 3, 09618 Brand-Erbisdorf
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