ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2000Irlands Nordwesten: Ursprünglich und ungezähmt

Supplement: Reisemagazin

Irlands Nordwesten: Ursprünglich und ungezähmt

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): [19]

Lohmöller, Kathrin

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LNSLNS Niemals sieht man in Donegal den selben Ort zweimal. Das ständige Wechselspiel von Sonne, Nebel und Regen setzt der Landschaft tausend verschiedene Gesichter auf, die ihren Charakter plötzlich ändern. Waren die sanft welligen Hügel und moosig federnden Wiesen der Hochmoore eben noch freundlich und anmutig, sind sie einen Augenblick später düster und gespenstisch. Laden die himmelblau-glitzernden Wellen des Atlantiks bei Sonnenschein zu einer gemütlichen Bootsfahrt ein, drohen sie im nächsten Moment, einen in die Tiefe zu reißen. Abwechslungsreiche Facetten hat die nördlichste Grafschaft der Republik Irland. Karg und maßlos ist sie, wild und friedlich, mystisch und schlicht.
Ein Ort, an dem diese Vielfältigkeit besonders prägnant ist, ist der Slieve League an der Ostküste Donegals. 600 Meter ragen hier die höchsten Klippen Europas steil aus dem Ozean. Über einen gefährlichen Pfad, der zur Seite jäh in die Tiefe abfällt, gelangt der Wanderer zum Gipfel des Berges. Hier bietet sich eine Aussicht auf die gigantischen Gesteinsbrocken, die sich vor allem in den Abendstunden lohnt: Der Sonnenuntergang badet die Felsen in variantenreichen Rot- und Ockertönen und verwandelt das kalte graue Wasser in ein Meer flüssigen Goldes.
Nicht weniger spektakulär ist die weiter nördlich liegende Küstenlandschaft des Rosses. Öde und zerklüftet ist die Gegend. Wind und Wetter haben aus den Quarzitfelsen an manchen Stellen Säulen und Bögen geformt. Nur Moose, Farne und ein vereinzeltes Heidekraut krallens sich an die nackten Steine. Weiter landeinwärts ist das Gelände spröde und karg. Es besteht nur aus verstreuten Geröllblöcken und Moorland, das von winzigen Seen und Bächen durchzogen ist.
Diese Kargheit und Unfruchtbarkeit ist es, die Donegal vor dem Schicksal protestantischer Besiedlung bewahrt hat. Die ärmste Grafschaft der Republik ist landwirtschaftlich kaum nutzbar, da sie zu zwei Dritteln mit Mooren und Bergen bedeckt ist. Für englische Siedler war sie deshalb uninteressant.
So kommt es, dass man hier außerhalb der Saison noch etwas von dem Land findet, das Heinrich Böll in seinem „Irischen Tagebuch“ beschreibt, und das wohl jeder Irlandreisende eigentlich sucht. Weitgehend unbehelligt von den Touristen, die im Süden und in der Mitte des Landes anzutreffen sind, kann man in dieser Gegend über die schlaglochreichen Straßen zuckeln. Hin und wieder blockiert eine Schafherde den Weg.
Selten findet man in Europa noch einen Ort, der ein solches Gefühl der Abgeschiedenheit vermittelt. Die kilometerlangen Sandstrände kann man selbst im Hochsommer für sich allein haben, und der Wanderer kann durch das Hochmoor wandern, ohne jemandem zu begegnen.
Es ist aber nicht nur die Menschenleere und Stille, die das ausmacht, was Alfred Andersch die „rätselhafte Schönheit des Ausgesetztseins“ nannte. Es ist die ungezähmte Ursprünglichkeit der Landschaft. Die unwirtlichen, oftmals bizarren Steinwüsten an der westlichen Atlantikküste, die baumlosen Landschaften und die kargen, ausgemergelten Felsen im Norden, an denen ständig ein erbarmungsloser Wind vorbeigeht, machen den Eindruck, als seien sie von allen guten Geistern verlassen. 1 Die Pubs sind nicht weniger gemütlich als im Süden der Insel. Wer Erholung braucht, kann auf einem
der 30 Greens der Grafschaft den Golfschläger schwingen. Kathrin Lohmöller

Reise-tipps
Bei Marina Reisen, Telefon: 06224/ 76064, kostet eine Woche Wanderurlaub mit irischem Führer ab 1 307 DM. Eine Woche Golfurlaub in Donegal einschließlich Flug, Greenfees,Mietwagen und Unterkunft im Golfhotel kostet bei: Hayes Golfreisen ab 2 050DM, Telefon: 06198/502196. DERtour eine Woche Fly&Drive mit 7 Übernachtungen für 1 431DM; Telefon: 0 69/958800. Bei Shamrock Irland Reisen, Telefon: 02331/85696, kostet eine Woche im Cottage am Meer ab 395DM. CIE-Tours, Worringer Straße 5, 40211 Düsseldorf, Telefon: 02 11/17 32 60,
7 Tage Wandern, HP 1 806 DM; ohne Flug 1 331 DM.
Informationen: Irische Fremdenverkehrszentrale, Untermainanlage 7, 60329 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/92 31 85 50, Fax: 0 69/92 31 85 88.
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