ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2000Schwangerschaft: Gefahren durch Malaria

Supplement: Reisemagazin

Schwangerschaft: Gefahren durch Malaria

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): [22]

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LNSLNS Bei der ersten Schwangerschaft sind Frauen in Malariagebieten besonders gefährdet: Oft erkranken sie schwer an einer Malaria mit sehr hohem Parasitenbefall. Dadurch kommt es relativ häufig zu Entwicklungsstörungen des Ungeborenen, sodass Malaria in diesen Gebieten einer der wichtigsten Gründe für Fehl- und Totgeburten ist.
Dies ist aus zwei Gründen verwunderlich: Einerseits entwickeln Menschen in Endemiegebieten im Laufe der Kindheit eine begrenzte Immunität gegen die Blutstadien des Erregers, die eine Erkrankung weitgehend verhindert. Andererseits treten so schwere Erkrankungen bei weiteren Schwangerschaften nicht mehr auf.
Einen Teil des Entwicklungszyklus durchläuft der Malariaerreger in den roten Blutkörperchen. Damit diese befallenen Zellen nicht direkt in der Milz abgebaut werden, verändert der Parasit die Oberfläche der roten Blutkörperchen durch bestimmte Proteine so, dass sie an den Wänden der venösen Blutgefäße hängen bleiben. Weil aber nicht nur die Milz, sondern auch das übrige Immunsystem diese veränderten Zellen erkennt und bekämpft, benutzt der Parasit im Laufe einer Infektion stets neue Varianten dieser Bindungsproteine. Erwachsene in Endemiegebieten haben so bereits während der Malariaerkrankungen in der Kindheit gegen die meisten Varianten Immunität erworben. Bei Schwangeren finden sich die befallenen Blutkörperchen jedoch nicht an den Venenwänden, sondern an der Plazenta. Dort binden sie an ein spezielles Molekül, das Chondroitin-Sulfat A (CSA).
Die dafür notwendigen Bindungsproteine wirken offenbar nur dort. Werden sie außerhalb einer Schwangerschaft durch den Erreger „angeschaltet“, binden sie nicht. Die befallenen roten Blutkörperchen werden in der Milz abgebaut. Deshalb sind sie so dem zellulären Immunsystem bis zur ersten Schwangerschaft unbekannt. Daher wird der Erreger während der Schwangerschaft zunächst nicht bekämpft, die Parasiten vermehren sich und rufen eine schwere Malaria hervor. Bei folgenden Schwangerschaften ist die Frau dann auch gegen diese Form gewappnet; sie erkrankt nicht oder längst nicht so schwer.
Weil es sich offenbar nur um eine einzige Form des Bindungsproteins handelt, die sich auch nicht verändert, bestehen relativ gute Aussichten, einen Impfstoff zu entwickeln. Schwangere, die nicht in Endemiegebieten leben, können dadurch jedoch nicht geschützt werden. Sie können auch an anderen Formen der Malaria erkranken, weil ihr Körper die anderen Bindungsproteine nicht kennt. rug
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