ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2000Psychotherapeutische Versorgung: „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“

POLITIK: KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung

Psychotherapeutische Versorgung: „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): A-1274 / B-1088 / C-1016

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung plädiert für einen zusätzlichen „Honorartopf“ für Psychotherapeuten.

Die Integration der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in das System der vertragsärztlichen Versorgung droht zu scheitern. Dies befürchtet Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, Erster Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Die Punktwerte für das zweite Halbjahr 1999 sind auf ein Niveau gesunken, das die Existenz vieler psychotherapeutischer Praxen bedroht. Besonders dramatisch sei die Situation in den neuen Bundesländern. Die Krankenkassen schieben die Verantwortung für die Honorarmisere den Kassenärztlichen Vereinigungen zu. Bemühungen um eine politische Lösung sind bisher gescheitert. Die Vergütung genehmigungspflichtiger psychotherapeutischer Leistungen ab dem Jahr 2000 aus dem Facharztbudget verschärft die Spannungen noch zusätzlich.
Integration nicht zulasten der Fachärzte
„Wenn der Gesetzgeber einen weiteren Beruf mit dem am 1. Januar 1999 in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetz neu in die vertragsärztliche Versorgung integriert, kann dies nicht allein zulasten der Honorarverteilung der Fachärzte gehen“, forderte Richter-Reichhelm. Gutachterpflichtige zeitgebundene Leistungen müssten die Krankenkassen, die diese Leistungen schließlich genehmigt haben, zusätzlich vergüten.
Den Krankenkassen wirft der KBV-Vorsitzende vor, Honorare aus der Erstattungspsychotherapie, die zur Berechnung des Ausgabenbudgets 1999 herangezogen werden sollten, den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vorenthalten zu haben und „dann das Problem mit Hilfe des Gesetzgebers bei den Kassenärzten abgeladen zu haben“. Damit spielte er auf einen Brief von Dr. med. Herrmann Schulte-Sasse, Bundesministerium für Gesundheit, vom 15. November 1999 an, in dem mitgeteilt wurde, dass eine Erhöhung der Gesamtvergütung „nicht zulässig“ sei. Die Krankenkassen stellten daraufhin kein zusätzliches Geld zur Aufstockung des Psychotherapeutenbudgets 1999 zur Verfügung und übertrugen die Verantwortung allein den KVen.
Durch die Aufwertung des Hausarztbudgets zulasten des Facharztbudgets – die Psychotherapeuten werden den Fachärzten zugeordnet – im Gesundheitsreformgesetz habe sich die „Misere der Psychotherapie für 2000 nochmals massiv verschärft“. Das Urteil des Bundessozialgerichts vom 25. August 1999, das einen Punktwert von 10 Pfennig für genehmigungspflichtige zeitgebundene Leistungen für angemessen hält, sei im Beschluss des Bewertungsausschusses vom 16. Februar 2000 berücksichtigt worden. Der dort ermittelte „Mindestpunktwert“ muss aus dem Facharzttopf vergütet werden.
Eigener Topf für Psychotherapeuten
Die Lösung des Problems sieht die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in der Schaffung eines eigenständigen Versorgungsbereichs für die Psychotherapie. Dieser Bereich soll von den Krankenkassen zusätzlich finanziert werden, damit die ohnehin niedrigen Punktwerte der Fachärzte nicht weiter geschmälert werden. Die Finanzierung dürfe weder Hausarzt- noch Facharzttopf belasten, sondern müsse von den Krankenkassen getragen werden. Einem entsprechenden Antrag der Dres. med. Rita-Marie Kielhorn, KV Berlin, Margita Bert und Horst Rebscher-Seitz, KV Hessen, stimmten die Delegierten zu. Petra Bühring

Dr. med. Birgit Clever (2. v. l.), KV Südbaden, vertrat in der Diskussion um die Integration die Position der ärztlichen Psychotherapeuten. Vor allem die Honorarsituation ist derzeit unbefriedigend gelöst.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema