ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2000Das Museum Beyeler: Kunst unter „Sonnensegeln

VARIA: Feuilleton

Das Museum Beyeler: Kunst unter „Sonnensegeln

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): A-1316 / B-1121 / C-1049

Krannich, Hans-Walter

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LNSLNS Sowohl Freunde der Architektur als auch der Klassischen Moderne kommen in Basel auf ihre Kosten.

Nehmen sich zwei Meister ihres Fachs gemeinsam eines Vorhabens an, kann man Besonderes erwarten. Beispielhaft hierfür ist seit nunmehr zweieinhalb Jahren das Museum Beyeler in Riehen nahe Basel: Renzo Piano schuf dort eine zeitlos schöne, „elegante“ und funktionelle Hülle für die Kollektion des sehr erfolgreichen Galeristen Ernst Beyeler. Diese brilliert trotz vieler gelungener Neubauten der europäischen Museumslandschaft der letzten Jahre. Sowohl Freunde der Architektur als auch der Klassischen Moderne kommen dort auf ihre Kosten.
Renzo Piano machte seine ersten musealen Erfahrungen als Architekt des Centre Pompidou in Paris in den 70er-Jahren sowie dessen umfangreicher Renovierung, die Ende letzten Jahres zum Abschluss kam. Zu seinen weltweit beachteten Projekten zählen unter anderem der Flughafen Kansei in Osaka, das Daimler-Benz-Projekt am Potsdamer Platz in Berlin sowie das besuchenswerte Atelier Brancusi in Paris.
Das Ehepaar Hildy und Ernst Beyeler rief 1982 eine Stiftung ins Leben, in die es seine Sammlung einbrachte. Ihr Galeristenleben war unter anderem geprägt von Freundschaften mit Picasso, Klee und Kandinsky. Diese und andere Kontakte erklären die durchweg hohe Güte der Sammlung.
Die Fondation Beyeler besteht aus drei Teilen: der Sammlung, den Wechselausstellungen und der Architektur. Die Sammlung umfasst rund 160 Werke von 33 Künstlern und gibt einen umfassenden Überblick über die Klassische Moderne: Beginnend mit dem Spätimpressionismus (Cézanne, van Gogh, Monet), setzt sie sich über den Kubismus (Picasso, Braque) fort, ergänzt durch weitere repräsentative Werkgruppen (unter anderem Miró, Mondrian, Kandinsky, Klee). Es folgen Werke des abstrakten Expressionismus (Rothko, Newman) und der amerikanischen Pop-Art (Warhol, Lichtenstein, Rauschenberg). Die Sammlung schließt zeitlich mit Baselitz, Kiefer und Fabro ab. Den Bronzen A. Giacomettis und Monets Triptychon „Le bassin aux nymphéas“, einst ein „Ladenhüter“ der Galerie Beyeler, sind eigene Räume gewidmet. Zeitgenössische Strömungen findet man nicht. „Kontrapunkte“ bilden einige ausgewählte Werke aus Afrika, Alaska und Ozeanien. Die Wechselausstellungen nehmen Bezug zur Gegenwart und fördern die Auseinandersetzung mit der modernen Kunst. Bis 30. Juli ist die Sonderausstellung „Farbe zu Licht“ zu sehen: Rund 110 Werke von 54 Künstlern vom Impressionismus bis zur aktuellen Gegenwart, die das Tafelbild verlassen und mit farbigen Lichtquellen den Raum „bemalen“. Die Leihgaben stammen aus großen Museen und Privatsammlungen der ganzen Welt.
Das hinter einer Porphyrmauer verborgene Gebäude, ebenfalls porphyrverkleidet, ist 110 Meter lang, seine Stirnseiten sind verglast und geben den Blick auf den Berowerpark frei. Aus einem der westlichen Längsseite vorgelagerten „Wintergarten“ führt eine Treppe ins Untergeschoss mit seinem Multifunktionsraum. Über allem „schwebt“ ein 4 000 Quadratmeter großes Glasdach mit „Sonnensegeln“, die für optimale Lichtverhältnisse in den ruhigen Ausstellungsräumen sorgen.
Dr. med. Dr. med. dent. Hans-Walter Krannich


Das Museum ist montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Wegen der begrenzten Anzahl an Parkplätzen nimmt man am besten die Tram Nr. 6 (ab Innenstadt Basel und Badischem Bahnhof) oder die Tram Nr. 2 (ab Bahnhof SBB) mit Umsteigen bei der Haltestelle „Messeplatz“ auf Tram Nr. 6. Informationen: Fondation Beyeler, Baselerstraße 101, CH-4125 Riehen, Telefon: 00 41(0) 61 645 9700, Fax: 00 41(0) 61 645 9719.
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