ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2000Ultraschall-Transmissionskamera: Vision eines neuen bildgebenden Verfahrens

VARIA: Technik für den Arzt

Ultraschall-Transmissionskamera: Vision eines neuen bildgebenden Verfahrens

Dtsch Arztebl 2000; 97(19): A-1319 / B-1130 / C-1031

Müllges, Kay

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LNSLNS Das technische Prinzip der so genannten Ultraschall-Transmissionskamera ist seit den Siebzigerjahren bekannt, doch erst die wachsenden Fortschritte in der Kamera- und Rechnertechnik lassen eine kostengünstige Realisierung zu. Die Kamera verbindet die Präzision einer Röntgenaufnahme mit den Vorteilen des strahlungsfreien Ultraschalls und eröffnet neue diagnostische Möglichkeiten.
Ein Team um den Bochumer Elektrotechniker Prof. Helmut Ermert hat für seine Versuchsanordnung einer Ultraschall-Transmissionskamera jetzt einen von insgesamt acht Preisen des Wettbewerbs „Innomedt 1 Innovationen in der Medizintechnik“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gewonnen.
„Vorstellen muss man sich das Gerät wie ein großes Aquarium, das mit einem Monitor verbunden ist“, erläutert Helmut Ermert die Neuentwicklung. „Am linken Rand des Aquariums befindet sich die Sendeeinheit, die Empfängereinheit ist am rechten Rand untergebracht. Wenn Sie Ihre Hand in das Wasser halten, erscheint ein klares Bild auf dem Monitor.“ Anders als bei konventionellen Ultraschallgeräten, die nach dem Prinzip der Echosonographie arbeiten, entstehen dabei in der Kamera Schattenbilder der Objekte, die durch akustische Linsen beziehungsweise elektronische Nachbildungen von Linsen scharfgestellt werden. So erstellt das Gerät in Echtzeit Bilder, die zwar normalen Röntgenbildern ähneln, aber im Vergleich dazu wesentlich mehr Details wiedergeben. Man kann etwa die Sehnen in der Hand oder auch Bänder sehen. Allerdings kann man nicht durch die Knochen hindurchsehen.
Die Transmissionskamera durchschallt Objekte mit zwei bis vier Megahertz Ultraschall. Die Bildwiederholrate beträgt 25 Hertz bei 16 384 Pixeln. Allerdings dringt der Ultraschall nicht durch die Luft, sondern eben nur durch das Medium Wasser. Das „Aquarium“ ist naturgemäß besonders zur Diagnostik kleinerer biologischer Objekte, wie etwa Gliedmaßen, oder auch von Kleinkindern geeignet. „Auch in der Sportmedizin oder in der Tumordiagnostik, etwa beim Mammakarzinom oder bei Tumoren der Hoden, kann ich mir zahlreiche Anwendungsgebiete vorstellen“, meint Helmut Ermert. Noch ist das eine Zukunftsvision, denn das neue Verfahren steht noch ganz am Anfang seiner technischen Entwicklung. Bislang gibt es nur einen Versuchsaufbau im Bochumer Labor für Elektrotechnik.
Rund 400 000 DM hat das BMBF für die Durchführung eines so genannten Schlüsselexperimentes bewilligt. An den orthopädischen Kliniken in Bochum soll das Gerät zunächst versuchsweise eingesetzt werden. Die Experten erhoffen sich von diesem klinischen Experiment nähere Aufschlüsse über die Vor- und Nachteile der neuen Technik. „Vielleicht gelingt es dann auch, einen Partner aus der Industrie für das Projekt zu interessieren“, hofft Ermert. Kay Müllges

„Vorstellen muss man sich das Gerät wie ein großes Aquarium, das mit einem Monitor verbunden ist.“
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