ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2023Primäres Sjögren-Syndrom: Niedrig dosiertes Interleukin-2 bessert Symptome und Infektanfälligkeit deutlich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Primäres Sjögren-Syndrom: Niedrig dosiertes Interleukin-2 bessert Symptome und Infektanfälligkeit deutlich

Vetter, Christine

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Foto: mauritius images/Hercules Robinson/Alamy Stock Photos
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Zur Behandlung des primären Sjögren-Syndroms (pSS), einer systemischen Autoimmunerkrankung, gibt es bislang keine effektive medikamentöse Therapie. In einer doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie ist untersucht worden, ob eine niedrig dosierte Therapie von Interleukin-2 (LD-IL-2) bei Patienten mit pSS wirksam und sicher ist.

In der Studie wurden 60 Patienten im Alter zwischen 18 und 70 Jahren 12 Wochen lang mit niedrig dosiertem IL-2 oder Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war eine Verbesserung um 3 Punkte im ESSDAI (European League Against Rheumatism Sjögren’s Syndrome Disease Activity Index). Zu den sekundären Endpunkten gehörte das klinische Ansprechen, die Sicherheit und Veränderungen bei Immunzell-Subpopulationen zwischen der 12. und 24. Woche.

Das Ergebnis: Unter der IL-2-Therapie erreichten signifikant mehr Patienten (20/30; 66,7 %) den primären Endpunkt als in der Kontrollguppe (8/30; 26,7 %, p = 0,004). Im IL-2-Arm zeigte sich ferner ein stärkerer Rückgang der Trockenheit der Schleimhäute, der Fatigue sowie der Schmerzen als unter Placebo. Für Trockenheit ergab sich eine Differenz von −18,33 Punkten ([95-%-Konfidenzintervall] [−28,46; −8,21], p = 0,001), für Schmerz von −10,33 Punkten ([−19,38; −1,29]; p = 0,03) und für Fatigue von –11,67 Punkten ([−20,65; –2,68], p = 0,01). Es traten keine schweren unerwünschten Wirkungen auf. In der Verumgruppe wurde sogar eine signifikante Reduktion der Rate an Infektionen beobachtet verglichen mit Placebo (3,3 % vs. 30,0 %, p = 0,006). Die immunologischen Analysen ergaben, dass IL-2 eine Expansion regulatorischer T-Zellen sowie regulatorischer CD24highCD2+-B-Zellen stimuliert.

Fazit: „Die Studie zeigt erstmals, dass mit einer niedrig dosierten IL-2-Behandlung der klinische Verlauf eines Morbus Sjögren positiv beeinflusst werden kann und dieser Effekt ist deutlich“, kommentiert Prof. Dr. med. Ulf Wagner, Leiter des Bereichs Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Diese Ergebnisse erweitern unser Wissen über die klinische Anwendbarkeit einer niedrig dosierten IL-2-Therapie, welche ja auch bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes vielversprechende Ergebnisse gezeigt hat“, so Wagner.

Vielleicht noch bedeutsamer aber sei der unerwartet positive Effekt der IL-2-Substitution auf die Leistungsfähigkeit des Immunsystems bei der Infektabwehr. „Behandelte Patienten hatten deutlich weniger Infekte. Diese Abnahme der Infektanfälligkeit spricht für eine klinisch relevante Stärkung der Immunantwort bei Patienten mit Morbus Sjögren, welche im Rahmen ihrer Erkrankung sicherlich eine eingeschränkte Verfügbarkeit von IL-2 haben“, erläutert Wagner. Eine eventuelle Übertragbarkeit dieser „Stärkung“ des Immunsystems auf andere Krankheitsbilder sei nun in weiterführenden Studien zu untersuchen. Christine Vetter

He J, Chen J, Miao M et al.: Efficacy and safety of low-dose interleukin 2 for primary Sjögren syndrome. A randomized clinical Trial. JAMA Network Open 2022; 5: e2241451,DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2022.41451.

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