ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Werbungskosten: Pauschbetrag bei Einkünften aus Vermietung

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Werbungskosten: Pauschbetrag bei Einkünften aus Vermietung

Schneidwind, Günther

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LNSLNS Bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ist vor kurzem erstmals ein Werbungskosten-
Pauschbetrag eingeführt worden, der von 1996 an abgezogen werden kann, wenn die Werbungskosten pauschal ermittelt werden (vgl. hierzu DÄ 13/1996). Zu Fragen im Zusammenhang mit dieser Neuregelung hat sich die Oberfinanzdirektion Münster mit Verfügung vom 13. März 1996 (Az.: S 2253 - 75- St 12 - 31) geäußert. Dabei ist folgendes wissenswert:
Für Gebäude des Privatvermögens kann anstelle der tatsächlichen Werbungskosten ein Pauschbetrag von 42 DM pro Quadratmeter vermieteter Wohnfläche abgezogen werden. Bei Gebäuden mit mehreren fremdvermieteten Wohnungen kann das Wahlrecht nur einheitlich für das gesamte Gebäude, im Fall von Eigentumswohnungen dagegen für jede einzelne Wohnung ausgeübt werden. Bei einem Gebäude, das teils fremden Wohnzwecken dient und teils gewerblich oder beruflich genutzt wird, ist der Ansatz des Pauschbetrags nur hinsichtlich des fremden Wohnzwecken dienenden Gebäudeteils möglich. Der Pauschbetrag kann auch für selbstgenutzte Wohnungen abgezogen werden, deren Nutzungswert versteuert wird.
Für Zeiträume, in denen das Gebäude nicht Wohnzwecken oder der Erzielung von Vermietungseinkünften dient, wird der Pauschbetrag nicht abgezogen. 42 DM werden pro Quadratmeter der nach der Zweiten Berechnungsverordnung ermittelten Wohnfläche abgezogen. Das bedeutet, daß die Grundfläche von Wintergärten und Schwimmbädern nur zur Hälfte und die von Garagen, Dachböden und Kellerräumen überhaupt nicht zur Wohnfläche gehört.
Neben dem Pauschbetrag sind nur Schuldzinsen einschließlich Erbbauzinsen sowie normale und erhöhte Abschreibungen, Abschreibungen für Substanzverringerung und Sonderabschreibungen als Werbungskosten abziehbar. Durch den Pauschbetrag sind insbesondere auch Erhaltungsaufwendungen und die durch eingenommene Umlagen gedeckten Nebenkosten abgegolten. Wurden größere Erhaltungsaufwendungen auf mehrere Jahre verteilt und ist der Verteilungszeitraum 1996 noch nicht abgelaufen, ist die Inanspruchnahme des Werbungskosten-Pauschbetrags neben dem Abzug der noch zu verteilenden Erhaltungsaufwendungen nicht möglich.
Ob der Werbungskosten-Pauschbetrag oder die tatsächlichen Werbungskosten abgezogen werden sollen, kann bis zur Rechtskraft des Einkommensteuerbescheides entschieden werden. Wird für Vorauszahlungszwecke oder für das Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren der Pauschbetrag angesetzt, ist das Wahlrecht insoweit noch nicht ausgeübt.
Ein Steuerzahler, der bisher die Werbungskosten in tatsächlicher Höhe abgezogen hat, kann erstmals für 1996 den Werbungskosten-Pauschbetrag wählen. In den folgenden Jahren kann er unabhängig davon die Werbungskosten wieder in tatsächlicher Höhe abziehen. In diesem Fall ist er allerdings für insgesamt fünf Jahre an seine Wahl gebunden, bevor er erneut den Pauschbetrag beanspruchen kann. Eine Bindung tritt nur bei einem Wechsel vom Pauschbetrag zum Einzelnachweis ein, nicht aber umgekehrt. Miteigentümer eines vermieteten Gebäudes können ihr Wahlrecht nur einheitlich aus-üben. Günther Schneidwind
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