ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2000Ethikkommissionen: Medizinischer Sachverstand vonnöten

SPEKTRUM: Leserbriefe

Ethikkommissionen: Medizinischer Sachverstand vonnöten

Dtsch Arztebl 2000; 97(20): A-1334 / B-1114 / C-1042

Hoffmann, Claudia

Zu dem Leserbrief von Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann „Kompetenz konzentrieren“ in Heft 14/2000:
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LNSLNS Prof. Vollmann beschreibt im ersten Teil seines Briefes einige der Probleme, mit denen sich die Ethikkommissionen der Kammern und Universitäten täglich befassen müssen, und beklagt, dass die Kommissionen im Vergleich zu denen in den USA oder auch Skandinaviens vorwiegend mit Ärzten besetzt sind. Dazu muss jedoch ergänzt werden, dass sowohl in den USA als auch in Skandinavien die Aufgaben der Ethikkommissionen „nur“ der ethisch-rechtlichen Bewertung der Studie (Zumutbarkeit für die Patienten, Beachtung der gesetzlichen Vorschriften, Eignung des klinischen Prüfers, Eignung des Prüfzentrums) obliegen. In Deutschland hingegen soll die Ethikkommission auch die medizinisch-wissenschaftliche Bewertung des Prüfprotokolls, was in den genannten Regionen spezielle Fachkommissionen übernehmen, leisten. Das erfordert die Besetzung der Kommissionen mit sehr viel fachlichem Sachverstand; leider kommt dadurch in der täglichen Arbeit der Kommissionen die Auseinandersetzung mit der ethisch-juristischen Dimension der Vorhaben mitunter etwas kurz.
Andererseits erhalten die Antragsteller erst in einer Spätphase der Studienplanung unabhängige fachliche Hilfestellung, was der Planung, auch der zeitlichen, von Studienvorhaben nicht zuträglich ist.
Als Kollegin, die beide Seiten dieser Arbeit kennt, sowohl als Antragstellerin als auch durch Mitarbeit in einer Ethikkommission (Zuarbeit für ein Mitglied der Ethikkommission), bin ich mir des Dilemmas der Ethikkommissionen durchaus bewusst. Sicherlich gibt es verschiedene Ansätze, wie man dieses Dilemma auflösen kann. Eine Trennung von fachlicher und ethisch-juristischer Bewertung ist sicherlich ein Weg, der auch mit einer Veränderung der Zusammensetzung der jeweiligen Gremien einhergehen würde. Auch durch die zunehmende Harmonisierung von Prüfrichtlinien, Anforderungen an die Gruppen-bildungen und Parameter-auswahl werden die Kommissionen zukünftig vor neue Aufgaben gestellt, die hoher fachlicher Kompetenz bedürfen.
Dr. med. Claudia Hoffmann, Feldstraße 10, 85445 Oberding
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