ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2000Drogen: Falsches Signal

SPEKTRUM: Leserbriefe

Drogen: Falsches Signal

Dtsch Arztebl 2000; 97(20): A-1334 / B-1114 / C-1042

Vormfelde, Stefan Viktor; Poser, Wolfgang

Zur geplanten Änderung der Methadon „take home“-Mitgabe:
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LNSLNS 9. März 2000 „heute-Nachrichten“: „Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist schon wieder gestiegen.“ Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Christa Nickels kommentiert: „Die Ärzte gehen zu leichtfertig mit Methadon um.“
Gemeint ist die „take home“-Mitgabe von Methadon zur Selbstmedikation. Gelegentlich trifft dieser Vorwurf zu – nicht alle Ärzte nehmen es mit der BtMVV so ganz genau. Diese schwarzen Schafe wurden jetzt von der Politik ermuntert: Anfang 1998 wurde durch Änderung der BtMVV „take home“ von drei auf sieben Tage erhöht.
In Hamburg verzehnfachte sich 1998 die Zahl der Methadontoten, die Anfragen zu Methadonvergiftungen bei Giftinformations-zentralen haben sich massiv erhöht. Methadon „take home“ war auch in anderen Ländern verantwortlich für eine Zunahme von Methadontodesfällen, die Rücknahme führte zu deren Reduzierung (zum Beispiel Australien, USA).
Die Drogenbeauftragte plant jetzt, Methadon „take home“ von 7 auf 14 Tage zu erhöhen. Dies ist angesichts der Auswirkung der letzten Ausweitung und der Erfahrungen in anderen Ländern nicht erfolgversprechend. Es ist auch ein falsches Signal für diejenigen Ärzte, die „take home“ schon jetzt zu leichtfertig einsetzen.
Vielleicht kommt es nächstes Jahr so: „Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist schon wieder gestiegen. Die Drogenbeautragte der Bundesregierung mahnt, dass Ärzte zu leichtfertig mit Methadon umgehen. Daher wird die Verschreibungspflicht für Methadon aufgehoben und die Verantwortung vollständig in die Hände der Abhängigen übergeben.“
Dr. med. Stefan Viktor Vormfelde, Prof. Dr. med. Wolfgang Poser, Klinische Pharmakologie, Georg-August-Universität Göttingen, Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
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