ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2000Israel: Aufarbeitung noch nicht gelungen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Israel: Aufarbeitung noch nicht gelungen

Dtsch Arztebl 2000; 97(20): A-1334 / B-1114 / C-1042

Oelschlegel, Fried

Zu den Leserbriefen in den Heften 11/2000 und 16/2000, die sich auf den Beitrag „Deutsch-israelischer Dialog“ von Gisela Klinkhammer in Heft 5/2000 bezogen:
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LNSLNS „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch . . .“, warnte B. Brecht vor einem halben Jahrhundert. Es macht mich wütend, solche Zuschriften zu lesen und feststellen zu müssen, dass so etwas heute noch – oder schon wieder – gedacht, geschrieben und im DÄ publiziert werden kann.
Vor der Geschichte kann keiner fliehen – die Kontinuität der Geschichte verweigert das Vergessen.
Vergessen sind weder die Vertreibung und die Ermordung sowie das unendliche Leid, was den circa 25 000 jüdischen Kollegen, ihren Familien und den jüdischen Patienten in Hitlerdeutschland zugefügt wurde, wie auch nicht die Kollegen vergessen sind, die sich mutig gegen diese Verbrechen gestellt haben. Die Aufarbeitung dieses Teils von Medizingeschichte ist – wie die Briefe der Herren Schmidt und Pfeifer zeigen – noch nicht gelungen. Diesen und anderen Verdrängern sei gesagt: Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung (Sprüche der Väter).
Dr. Fried Oelschlegel, Hillerstraße 3, 04109 Leipzig
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