ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Entscheidende Neuerung in der Ultraschalldiagnostik

VARIA: Technik für den Arzt

Entscheidende Neuerung in der Ultraschalldiagnostik

Marx, Catrin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Bisher erfolgte der Bildaufbau in der Ultraschalltechnologie aus den reflektierenden Amplituden der ausgesandten Echos. Nun ist es gelungen, mit dem System Sequoia der Acuson Corp., Kalifornien, einen prinzipiell neuen Ansatz auszuarbeiten.
Man ging von der grundsätzlichen Überlegung aus, so Nelson Wright, Entwickler des Systems, daß alle zur Verfügung stehenden Informationen beim Ultraschall im reflektierenden Echo liegen. Jedoch wurde bei der herkömmlichen Technologie nicht die Phaseninformation des Echos genutzt. Die Entwickler von Sequoia haben es geschafft, die Bilddatendichte durch Nutzung beider Informationsquellen zu erhöhen. Statt mit eindimensionalen Scanlinien arbeitet man bei diesem System mit zweidimensionalen Bildzellen. Der Gebrauch der Phaseninformation wird dabei zu einer Schlüsseltechnologie und ermöglicht, Bilder nach dem Grundsatz "doppelt so viele Informationen in der Hälfte der Zeit" zu erzeugen.
Bei der ersten Präsentation des Sequoia-Systems in Zürich zeigten erste Erfahrungen mit dem Ultraschallgerät eine bislang nicht für möglich gehaltene Bildqualität. Prof. Dr. med. Manfred Hansmann, Direktor des Instituts für pränatale Diagnostik und Therapie der Universität Bonn, zeigte die Ultraschallaufnahme des Gesichts eines 23 Wochen alten Fötus. Deutlich zu sehen waren die Zunge und die daran angrenzenden Organe. Des weiteren präsentierte er Bilder eines gleichaltrigen Fötus, dessen verstopfte Nase genau zu erkennen war.
Prof. Hansmann betonte die Bedeutung des neuen Systems für die pränatale Diagnostik, da die fötale Kardiologie einen hohen Stellenwert gerade bei der Trisonomie 21 oder 23 hat. Nach seinen ersten Erfahrungen mit dem System lassen sich kardiale Blutungsareale des Embryos von 12 Millimetern darstellen. Diese ausgefeilte Technik ermöglicht ebenfalls eine wesentlich bessere fötale Überwachung von Stoffwechselvorgängen. Nach Hansmann wäre es somit auch möglich, eine bevorstehende Insuffizienz der Plazenta zu bemerken.
Eine weitere Verbesserung liefert die Gerätetechnologie in der Kardiologie. Prof. Dr. med. Heinz Lambertz, Leiter der Abteilung Kardiologie an der Deutschen Klinik für Diagnostik, betonte Vorteile in diesem Bereich. "Mit der verfeinerten Ultraschalltechnologie ist es möglich, die Belastungsechokardiographie auf noch festere Füße zu stellen. Hier kann die bildliche Darstellung der Wanddickenzunahme des Kammermyokards dazu führen, Patienten für eine Koronarangiographie besser zu selektieren."
Das zweite Einsatzgebiet sieht Prof. Lambertz bei den Klappenproblemen. Er ist der Ansicht, daß hier, durch die genaue Bilddarstellung, schon vor dem eigentlichen Operationseingriff der Operateur eine genaue Diagnostik der Lage der Sehnenfäden vor rekonstruktiver Mitralklappenoperation stellen kann, was mit anderen bildgebenden Verfahren nicht möglich ist.
Der dritte effektive Nutzen liegt für ihn in der besseren Erkennung von arterio-sklerotischen Läsionen der großen herznahen Gefäße. Mit dem Sequoia-System ist es möglich, 0,2 Millimeter große thrombotische hochmobile Auflagerungen auf den Plaques der Aortenbögen sichtbar zu machen.
Auch könnten Flüsse der kleinen Aufteilungsarteriolen im Kammer- wie auch Spitzenmyokard gemessen werden. Derzeit stellt diese Technologie jedoch keine Alternative zum diagnostischen Herzkatheterismus dar. Alles in allem ein vielversprechendes System, das jedoch mit 300 000 Dollar auch einen stolzen Preis hat. Es bleibt zu hoffen, daß der neue technologische Ansatz auch Einzug in kleinere, kostengünstigere Geräte für die Allgemeinpraxis findet. Hersteller: Acuson GmbH, 91052 Erlangen. Catrin Marx
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote