ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2000Rofecoxib: Analgetisch wirksam und protektiv für den Magen

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Rofecoxib: Analgetisch wirksam und protektiv für den Magen

Dtsch Arztebl 2000; 97(20): A-1402 / B-1193 / C-1119

Bischoff, Martin

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LNSLNS Die symptomatische Behandlung von Schmerzen steht im Mittelpunkt der Arthrose-Therapie. Die Schmerzen entstehen auf mehrfache Weise: Sie beruhen auf einer Überlastung der Muskeln, auf dem Druckanstieg im Knochen und der Entzündung der Synovialmembran. Auch Belastungen von Bändern und Reizung der Sehnenansätze spielten mit, erklärte Dr. Wolfgang Bolten (Wiesbaden) auf einem MSD-Symposium in München.
Eine wichtige Rolle in der Schmerzentstehung kommt den Prostaglandinen zu. Prostaglandin E2 stimuliert über die Cyclooxygenase-(COX-)2 die Nozizeptoren, zum Beispiel an der Synovialmembran, vermittelt aber auch einen wichtigen Schutzmechanismus für die Magenmukosa über die Cyclooxygenase 1.
Die bisher bei der Arthrose-Therapie eingesetzten NSAR inhibieren COX-1 und COX-2. Sie nehmen deshalb zwar die Schmerzen, stören aber gleichzeitig die Funktion der Mukosa in Magen und Darm. Schwere gastrointestinale Nebenwirkungen wie Perforationen, Blutungen und Ulzera sind die Folge. Wie Bolten ausführte, verläuft eine Reihe von Ulzerationen asymptomatisch bis zur Magenblutung oder Magenperforation: „Wenn wir die Patienten nach dyspeptischen Problemen befragen, werden nach der Literatur nur 30 bis 50 Prozent über Magenbeschwerden klagen. Etwa 70 Prozent werden im Endoskop aber bereits Schäden an der Magenschleimhaut aufweisen.“
Mit dem spezifischen COX-2-Inhibitor Rofecoxib (Vioxx®) stehe jetzt eine Substanz zur Verfügung, deren Nebenwirkungsrate gegenüber den NSAR verringert sei, so Prof. Henning Zeidler (Hannover). In der schmerzlindernden Wirkung ist Rofecoxib vergleichbar. Rofecoxib hemmt wie die NSAR dosisabhängig die COX-2-abhängige Prostaglandin-E2-Produktion, lässt aber die durch COX-1 vermittelte Prostaglandinsynthese weitestgehend unverändert.
Ibuprofen versus
Rofecoxib
Um die Sicherheit zu überprüfen, sei Vioxx an Probanden, wie an Arthrosepatienten, sehr umfangreichen Untersuchungen unterzogen worden, erklärte Zeidler. Es stellte sich dabei heraus, dass der Erythrozytenverlust über den Stuhl bei gesunden Probanden nach der Gabe von 2,4 mg Ibuprofen eindeutig erhöht war, während er sich bei Rofecoxib in Dosen von 25 und 50 mg im Placebobereich bewegte. Der Erythrozytenverlust mit dem Stuhl sei, so Zeidler, ein deutlicher Hinweis auf die Läsion der Magenschleimhaut.
Die endoskopische Untersuchung nach einwöchiger Therapie zeigte, dass die gastrointestinale Schädigung sich bei Vioxx selbst in einer zehn- bis 20fach über der therapeutischen Dosis liegenden Dosierung im gleichen Rahmen bewegte wie bei Placebo (zwölf versus acht Prozent). Dagegen habe man bei Ibuprofen (dreimal 800 mg/Tag) und Acetylsalicylsäure (viermal 650 mg/Tag) die bekannten Schädigungen nachweisen können, erklärte Zeidler.
Auch bei der Behandlung von Osteoarthrose-Patienten über einen sehr viel längeren Zeitraum bleibt die Sicherheit erhalten: In einer sechsmonatigen Verlaufsstudie hatten nach zwölf Wochen unter Placebo 7,3 Prozent der Arthrose-Patienten gastroduodenale Ulzera entwickelt, unter Rofecoxib 4,7 Prozent (25 mg/Tag) beziehungsweise 8,1 Prozent (50 mg/Tag). Die 25 mg Rofecoxib täglich entsprächen dabei der höchsten für die Behandlung der Arthrose zugelassenen Tagesdosis, betonte Zeidler. In der Ibuprofen-Gruppe (dreimal 800 mg) war die Ulcusrate mit 28,5 Prozent signifikant erhöht.
Nach sechs Monaten fanden sich Ulzera bei zehn beziehungsweise 13,5 Prozent der Patienten, die den neuen selektiven COX-2-Inhibitor erhielten. In der Ibuprofen-Gruppe waren dagegen bei fast der Hälfte der Patienten Läsionen aufgetreten. Untersuchungen an über 5 000 Arthrose-Patienten im Alter bis 80 Jahre, die Rofecoxib zum Teil länger als ein Jahr einnehmen mussten, haben die niedrige Nebenwirkungsrate bestätigt. Vereinzelt kam es zu Infekten der oberen Atemwege, Durchfall und Kopfschmerzen. Leberfunktionstests, Blutdruck, Serum-Elektrolyte und Serum-Kreatinin waren nicht signifikant verändert.
Die Co-Medikation von Gastroprotektiva war signifikant seltener erforderlich als unter der Gabe von NSAR. Dies, so Zeidler, ist für die Praxis bedeutsam, da gastroprotektive Begleitmedikationen sehr kostspielig sind und sehr umfangreich eingesetzt werden müssten. In der analgetischen Wirksamkeit zeigte sich Rofecoxib bei Gonarthrose, Coxarthrose und bei postoperativen Zahnschmerzen vergleichbar wirksam wie konventionelle hoch dosierte NSAR. Martin Bischoff

125fache Vergrößerung einer gesunden Magenschleimhaut im Rasterelektronenmikroskop Foto: Pietro Motta
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