ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2000Typ-2-Diabetes: Sensitizer durchbricht die Insulinresistenz

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Typ-2-Diabetes: Sensitizer durchbricht die Insulinresistenz

Dtsch Arztebl 2000; 97(20): A-1403 / B-1194 / C-1120

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Mit Rosiglitazon (Avandia®) wird in absehbarer Zeit ein neues Therapieprinzip gegen Typ-2-Diabetes verfügbar sein, mit dem sich effektiv die Insulinresistenz durchbrechen lässt. Der Wirkstoff aus der Gruppe der Thiazolidindione („Glitazone“) erhöht die Empfindlichkeit des Organismus auf das körpereigene Insulin, sodass sich Blutglukose- und Insulin-Spiegel sowie die HbA1c-Werte normalisieren können.
Eine Insulinresistenz liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor, wenn Hyperinsulinismus, Dyslipidämie, Hyperglykämie und Hypertonus bestehen, sowie bei genetischer Dysposition für Diabetes Typ 2. Die Ursache scheine nicht am Insulinrezeptor zu liegen, sondern in der nachgeschalteten Transduktionskette, erläuterte Dr. Andreas Liebl (München) bei einer Pressekonferenz von SmithKline Beecham in Dresden.
In klinischen Studien senkt Rosiglitazon zuverlässig den Blutzuckerspiegel um etwa 50 mg% bei Gaben von zweimal 4 mg täglich. Verabreicht man die Substanz Patienten, die bereits Metformin einnehmen, werde der mittlere Nüchternblutzucker-Wert nach acht bis zwölf Wochen signifikant und anhaltend gesenkt, berichtete Dr. Wolfgang Meister (München). Der Wirkungsmechanismus von Rosiglitazon ist kompliziert: Wie alle Glitazone greift die Substanz am nukleären PPA-Rezeptor (Peroxisomal Proliferator Activated Receptor) vom Gamma-Subtyp an und wirkt dort antagonistisch. Der PPA-gamma-Rezeptor, der zur Gruppe der Liganden-aktivierten Transkriptase-Faktoren gehört, wird hauptsächlich im Fettgewebe und in der Skelettmuskulatur exprimiert, aber auch in der Leber. Dort spielt er bei der Steuerung von Glukose- und Lipidstoffwechsel eine wichtige Rolle.
Avandia ist bereits in 27 Ländern zugelassen, darunter in der Schweiz, den USA und in Kanada. Die breite Anwendung in den genannten Ländern hat keinen Hinweis auf eine bislang unbekannte unerwünschte Wirkung gegeben. Sie hat vielmehr das Sicherheitsprofil aus den klinischen Studien bestätigt. Als Nebenwirkung kann bei einigen Patienten eine Senkung des Hämatokrit-Wertes eintreten, die auf eine mäßige Zunahme des Plasmavolumens zurückgeführt wird. Sie hat jedoch keine Auswirkung auf die Herzfunktion.
Für die EU-Staaten ist die Zulassung von Avandia im Sommer 2000 zu erwarten. Der Insulin-Sensitizer wird in Deutschland zunächst nur für die Kombinationstherapie mit Metformin und in definierten Patientengruppen auch mit Sulfonylharnstoffen zugelassen. Siegfried Hoc
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