ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2000Gebührenordnung für Ärzte: Patienten dritter Klasse

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Gebührenordnung für Ärzte: Patienten dritter Klasse

Dtsch Arztebl 2000; 97(21): A-1409 / B-1175 / C-1126

Clade, Harald

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LNSLNS Die von den privaten Kran­ken­ver­siche­rungsgesellschaften umhegten Privatpatienten laufen Gefahr, zu Patienten dritter Klasse zu werden. Trotz wiederholter Eingaben der Bun-desärztekammer an das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen sperren sich einige Private, Leistungen nach der so genannten analogen Bewertung zu erstatten. Ganz auf Kostendämpfung und das Sparen versessen, verweist die PKV monoman auf die Versicherungsbedingungen in den Tarifen zu Vollversicherungen. Danach sind formal Aufwendungen erstattungsfähig „für solche ärztliche Leistungen, die in der Gebührenordnung in der jeweils gültigen Fassung aufgeführt sind“. Demnach werden den Privatversicherten ausschließlich die im Gebührenverzeichnis der GOÄ aufgeführten Positionen erstattet. Selbst die offiziellen Analogbewertungen der Bundes­ärzte­kammer, die nach Anhörung von Sachverständigen in Abstimmung mit dem Bundesgesundheits- und -innenministerium und dem PKV-Verband bekannt gegeben werden, werden zumeist von den PKV-Gesellschaften nicht anerkannt.
Bei der Halsstarrigkeit der Versicherungen geraten die Privatpatienten ins Hintertreffen; sie werden von der Teilnahme am medizinischen Fortschritt abgekoppelt. Oder aber sie müssen die ärztliche Privatbehandlung aus eigener Tasche bezahlen, wenn den Ärzten die Möglichkeit genommen wird, durch analoge Bewertungen das Gebührenverzeichnis aktuell zu ergänzen.
Eine Selbstergänzungsmöglichkeit ist aber unverzichtbar, weil die GOÄ als Rechtsverordnung des Bundes meistens nur alle acht bis zehn Jahre – und dann nur meistens teilweise – modernisiert und das Leistungsverzeichnis angepasst wird. Ohnedies entspricht das Gebührenverzeichnis nicht dem Stand der medizinischen Wissenschaft. Der überwiegende Teil des Verzeichnisses, insbesondere alle operativen Leistungen, aber auch die Abschnitte Anästhesie, Innere Medizin, Dermatologie, Kinderheilkunde, Augenheilkunde, HNO- Heilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Chirurgie, Orthopädie, Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Histologie, Zytologie und Zytogenetik stammen von Anfang der Achtzigerjahre, sind also fast 20 Jahre alt. Die Leistungsinhalte und Bewertungen sind deshalb veraltet.
Grotesk ist: Private Kran­ken­ver­siche­rung und Beihilfestellen sind trotz ihrer Knausrigkeit bereit, Aufwendungen für Heilpraktiker zu erstatten. Dazu zählen so umstrittene Verfahren wie Heilmagnetismus, Bioelektrische Funktionsdiagnostik oder Eigenharninjektionen . . .
Dr. rer. pol. Harald Clade
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